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Brückentest 2014: So haben wir getestet

Der Brückentest ist eine komplexe Angelegenheit. Hier erfahren Sie alle Details zur Methodik der Untersuchung.


Zum zweiten Mal hat der ADAC Brücken in deutschen Städten untersucht. Dieses Mal waren es 30 Bauwerke in zehn Städten mit 100.000 bis 250.000 Einwohnern. Der Zustand der Brücken ist ein Thema, das immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerät. Denn viele von den rund 130.000 Brücken in Deutschland zeigen mittlerweile Abnutzungserscheinungen, auch weil sie aus der Zeit des Baubooms der 1960er- und 1970er-Jahre stammen, als erstmals der damals neue Spannbeton zum Einsatz kam. Zuständig für Brücken sind unterschiedliche Baulastträger: Bund, Länder, Kommunen, Forstverwaltungen und sogar private Eigentümer. Allen Brücken gemeinsam ist aber: Werden sie nicht regelmäßig geprüft und instand gesetzt, führt dies in der Folge zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen.


Unterschiedlich alte Brücken im Test

Die Verbraucherschützer des ADAC entwickelten die Methodik des Tests unter anderem auf der Basis eines Expertenworkshops mit Fachleuten aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis. In enger Abstimmung mit der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) wurden die Zustandsnoten der RI-EBWPRÜF in das ADAC Notensystem überführt.


Folgende Kriterien mussten die Kandidaten für den ADAC Brückentest erfüllen: Die Bauwerke sollten unterschiedlich alt und von verschiedener Bauart sein, zwischen 1000 bis maximal 1500 Quadratmeter Verkehrsfläche haben (wurde später auf 300 bis 1800 Quadratmeter ausgeweitet), von Kfz-, Rad- und/oder Fußgängerverkehr genutzt werden, in der Verantwortung einer Kommune stehen und im Jahr 2013 noch keiner Hauptprüfung unterzogen worden sein. Die Städte meldeten im Vorfeld des Tests Brücken, die diese Voraussetzungen erfüllten. Der ADAC traf dann die letzte Auswahl der Testobjekte. Für die ausgewählten Brücken stellten die Städte Unterlagen wie Bauwerksbücher und Prüfberichte zur Verfügung.


Überprüfung in vier Teilen

Mit der Durchführung des bundesweiten Brückentests vor Ort beauftragte der ADAC das Offenburger Ingenieurbüro Hampf Consult, Ingenieurgesellschaft für Komplettplanung im Bauwesen. Das Ingenieurbüro verfügt über langjährige Erfahrung unter anderem im Brückenbau, der Brückeninstandsetzung und bei der Brückenprüfung. Es ist Mitglied im Verband Beratender Ingenieure (VBI) sowie beim Verein zur Förderung der Qualitätssicherung und Zertifizierung der Aus- und Fortbildung von Ingenieurinnen/ Ingenieuren der Bauwerksprüfung (VFIB).


Die Überprüfung der Brücken gliederte sich in die vier Teile Bauwerkszustand, Verwaltungsmanagement, Sanierungsmanagement sowie Ausstattung des Straßenraums. Der Teil Bauwerkszustand beinhaltet die Komponenten Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit und wurde als vollwertige Brückenhauptprüfung nach DIN 1076 vor Ort in der Zeit vom 5. November bis 18. Dezember 2013 sowie vom 20. bis 28. Januar 2014 durchgeführt. Das Verwaltungs- und Sanierungsmanagement wurde schriftlich mittels eines einheitlichen Fragenkatalogs bei den Kommunen abgefragt. Es zeigt, wie die Wartung einer Brücke organisiert ist und welche Folgerungen aus den Brückenprüfungen für eventuell notwendige Instandsetzungsmaßnahmen gezogen werden. Die Ausstattung des Straßenraums beleuchtet die verkehrstechnische Situation auf der Brücke und wurde von den Experten ebenfalls vor Ort überprüft. Alle Tests wurden zusätzlich mit detaillierten Fotos dokumentiert.



Die Prüfpunkte im Detail:


Bauwerkszustand: Gewichtung 75 Prozent

Bei der aufwändigen Hauptprüfung, wie sie für den ADAC Test vorgenommen wurde, werden alle - auch schwer zugängliche - Bauwerksteile auf Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit geprüft, und zwar:

  • Massive Bauteile wie Mauerwerk, Beton-, Stahlbeton- und Spannbetonteile
  • Stahl- und andere Metallkonstruktionen
  • Lager, Gelenke sowie Übergänge von der normalen Straße zur Brücke
  • Schutzvorrichtungen wie zum Beispiel Schutzplanken und Geländer
  • Fahrbahn-, Geh- und Radwegbeläge sowie Brückenentwässerung
  • Versorgungsleitungen
  • Brückenmaße
  • Ordnungsgemäße Beschilderung

Dabei wird auch schwere Technik eingesetzt wie etwa Hubsteiger oder Brückenuntersicht-Geräte. Wurde der Bauwerkszustand als sehr mangelhaft bewertet (was gemäß geltender Richtlinien sofortigen Handlungsbedarf bedeutet), war dies zugleich das Ergebnis der Gesamtbewertung. Auch das Erzielen von Punkten in anderen Kategorien konnte das Urteil dann nicht mehr verbessern.


Verwaltungsmanagement der Kommune: Gewichtung 5 Prozent

In diesem Bereich wurden Angaben der Kommunen darüber bewertet, welche Unterlagen vorhanden sind und in welchen Abständen die notwendigen Prüfungen durchgeführt werden. Dazu gehören:

  • Vorhandene Unterlagen: Bestandspläne, Statik, Bauwerksbuch
  • Regelmäßige Prüfungen nach DIN 1076: Hauptprüfung alle sechs Jahre, Einfache Prüfung alle drei Jahre zwischen den Hauptprüfungen, jährliche Besichtigung außer in den Jahren der Haupt- und Einfachen Prüfungen, laufende Streckenkontrollen zur Verkehrssicherheit, zwei Mal im Jahr Beobachtung aller Bauteile von der Verkehrs- und Geländeebene aus
  • Bevorzugte Räumung/Streuung im Winter
  • Fehlten statische Unterlagen zur Brücke, führte dies zum Verlust aller Punkte in der Kategorie Verwaltungsmanagement, da die Papiere für die Beurteilung von Schäden und Handlungsbedarf unverzichtbar sind.

Sanierungsmanagement der Kommune: Gewichtung 15 Prozent

Hier flossen Informationen über die Durchführung notwendiger Instandsetzungsarbeiten ein:

  • Mängelbehebung/Instandsetzung: Behebung schwerer Mängel der letzten Hauptprüfung oder konkrete Planungen zur Behebung. Grundlage für die Definition schwerer Mängel war die Note 3 der Schadensbewertung gemäß RI-EBW-PRÜF 2013 jeweils für Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit. Sie erfordert eine kurzfristige Schadensbeseitigung und, wenn nötig, umgehende Sofortmaßnahmen.
  • Einstellung entsprechender finanzieller Mittel im Haushalt, Zeitplanung beziehungsweise Dringlichkeitsreihung
  • Eigenes Budget der Kommune für Unterhalt und Mängelbeseitigung

Ausstattung des Straßenraums: Gewichtung 5 Prozent

In dieser Kategorie fanden Maßnahmen der Verkehrsraumgestaltung Berücksichtigung:

  • Lückenlose Ausleuchtung der Brücke
  • Vorhandensein und Zustand aller für die Verkehrssituation relevanten Schilder wie zum Beispiel Rad-/Gehweg oder unebene Fahrbahn
  • Fortführung von Geh- und Radwegen auf der Brücke, ausreichendes Raumangebot für alle Verkehrsarten. Basis für die Bewertung von Geh- und Radwegen sowie Fahrstreifen waren die jeweiligen Mindest-/Regelbreiten gemäß geltender Richtlinien:
  • Fahrstreifen 3,25 Meter für Hauptverkehrsstraßen gemäß „Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen“ (RASt 2006)
  • Gehweg 2,50 Meter Seitenraumbreite gemäß „Empfehlungen für Fußgängerverkehrsanlagen“ (EFA 2002)
  • Radverkehrsanlagen je nach Ausführung von Schutzstreifen 1,50 Meter (Regelmaß inklusive Markierung) bis zu Zweirichtungsradweg 3 Meter (Regelmaß 2,50 Meter zuzüglich 0,50 Meter Sicherheitstrennstreifen zu Kfz-Verkehr) gemäß Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“ (ERA 2010)
Die Wertung
Die Teilergebnisse der vier Prüfungen wurden mit Hilfe eines Punktesystems zusammengeführt und den Noten sehr gut, gut, ausreichend im positiven Bereich sowie mangelhaft und sehr mangelhaft im negativen Bereich zugeordnet.


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