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Neue Technik mit Grenzen

25.07.2017

Wir haben Abbiege- und Kreuzungsassistenten von Volvo, Audi und Mercedes untersucht. Das Ergebnis: Alle drei Systeme sind noch nicht ganz ausgereift und haben Verbesserungspotenzial.



Kreuzungsunfälle machen mehr als ein Viertel aller Unfälle aus, ihre Vermeidung hat große Bedeutung für die Verkehrssicherheit. Wir haben deshalb die Abbiege- und Kreuzungsassistenten von Volvo V90, Audi A4 und Mercedes E-Klasse untersucht und festgestellt: Alle drei Systeme können halten, was sie versprechen, haben jedoch Verbesserungspotenzial.


Kreuzungsassistenten sind eine Weiterentwicklung von Notbremsassistenten und ein weiterer Schritt auf dem langen Weg zum autonomen Fahren. Die Systeme von Audi und Volvo greifen beim Abbiegevorgang ein. Wie die ADAC Unfallforschung zeigt, ist die Unfallschwere bei Kollisionen mit Motorradfahrern besonders hoch. Das System von Mercedes soll Unfälle mit dem Querverkehr verhindern.


Unterschiede und Systemgrenzen


Der Abbiegeassistent registriert den Gegenverkehr mittels Radarsensor und Monokamera. Er alarmiert den Fahrer gegebenenfalls optisch und akustisch und hindert ihn daran, die eigene Fahrspur zu verlassen. Dabei gibt es Unterschiede: Das Audi-System reagiert nur, wenn der Blinker gesetzt und das Lenkrad eingeschlagen ist. Auch muss sich der Kollisionsgegner auf der unmittelbaren Nachbarspur befinden, und die eigene Geschwindigkeit darf nicht mehr als zehn Stundenkilometer betragen. Häufig sind diese Voraussetzungen beim Abbiegen gegeben. 


Der Volvo zeigt hier wesentlich weniger Systemgrenzen: Er benötigt weder Blinker noch Spurmarkierung, und die Notbremsfunktion bleibt auch bei höheren Geschwindigkeiten aktiv. Um Fehlauslösungen zu vermeiden, kommt die Notbremsung erst in der letzten Sekunde. Weitere Vorteil: Als einziger Hersteller bietet Volvo diesen Abbiegeassistenten serienmäßig an.


Vom Notbremsassistenten zum Kreuzungsassistenten


Mercedes regelt den Kreuzungsunfall – anders als Audi und Volvo – durch eine Notbremsfunktion bei querenden Fahrzeugen. Das System arbeitet mittels Radarsensor und Stereokamera und ist bis 72 Stundenkilometer aktiv. Manko: Der Assistent reagiert wegen der eingeschränkten Sensorsicht zur Seite nur bei Querverkehr, der höchstens halb so schnell unterwegs ist wie der Mercedes. Außerdem gibt es ihn nicht serienmäßig verbaut, sondern nur mit hohem Aufpreis.

 

"Kreuzungsassistenten sind positive Leistungsentwicklungen der Notbremsassistenten. Die Systeme stoßen jedoch noch ziemlich schnell an ihre Grenzen und sollten rasch weitere Unfallszenarien abdecken, zum Beispiel durch ein weiteres Sichtfeld, damit sie Unfallzahlen noch effektiver verringern. Auch müssten die Hersteller Kreuzungsassistenten serienmäßig anbieten", appelliert Dr. Reinhard Kolke, Leiter des ADAC Technikzentrums.


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