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Hüter der Punkte

Am 1. Mai wird das Punktesystem für Verkehrssünder umgestellt: Künftig werden nur noch Delikte bestraft, bei denen es um Verkehrssicherheit geht. Und der Führerschein ist schon bei 8 statt bei 18 Punkten weg – dafür werden Verstöße anders bewertet. Die Motorwelt sprach vor der Umstellung mit Ekhard Zinke, dem Präsidenten des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg. Er ist als Chef des Verkehrszentralregisters der Hüter der Punkte.

Motorwelt: Rechnen Sie damit, dass es jetzt mehr Führerscheinentzüge gibt als vorher?

Ekhard Zinke: Das glaube ich nicht. Im Mittelpunkt der Umstellung auf das neue System stand, die Verkehrssicherheit weiterhin auf einem hohen Level zu halten, beziehungsweise sogar noch zu erhöhen. Auf der anderen Seite sollte es ein austariertes, sprich verhältnismäßiges und gerechtes System sein. Ich glaube, was die Führerscheinentzüge angeht, werden wir in etwa in der Größenordnung bleiben wie in der Vergangenheit.


Ist das neue System für Sie eine wesentliche Umstellung oder Erleichterung? Man hat gehört, es wäre bürokratisch geworden, sodass man es nicht mehr bewältigen kann?

Das war einer der wesentlichen Gründe, weswegen es zu der Reform überhaupt gekommen ist. Das alte System ist im Laufe der Zeit immer undurchsichtiger geworden. Das Instrument war gut, aber es war schwieriger zu verwalten, und besonders für die Bürger nicht mehr nachvollziehbar, was die Berechnung der Punkte sowie deren Tilgung und Tilgungshemmung angeht. Das wurde deutlich vereinfacht durch das neue System. Aber natürlich haben wir einen erheblichen Umstellungsaufwand. Denn wir müssen unsere gesamte IT-Landschaft neu programmieren, um das alte in das neue System zu überführen.


Wie schnell werden Punkte gelöscht?

Nach den bestehenden Regelungen kann das bereits nach zwei Jahren sein, wenn es sich um eine normale Ordnungswidrigkeit handelt. Es kann bei Straftaten aber durchaus auch nach fünf oder zehn Jahren sein. Aber geht man vom Regelfall aus, nach zwei Jahren. Dann haben wir noch die kleine Überliegefrist von einem Jahr, aber spätestens dann verlieren wir jegliche Kenntnis. Denn bei uns wird wirklich gestrichen. Spurenlos. Wir setzen gerade ein Projekt auf, das sogenannte Kraftfahrer-Panel, bei dem wir über längere Zeit, über Jahre bis hin zu Jahrzehnten, Kraftfahrer tatsächlich begleiten, um zu sehen, wie sich das automobile Verhalten durch Sanktionen ändert. Die Teilnahme daran ist freiwillig. Die Fahrer werden also stichprobenartig gefragt, ob sie daran teilnehmen wollen, die Namen werden anonymisiert.


Hatten Sie irgendwann Punkte?

Ich habe mal einen Punkt wegen zu schnellen Fahrens gehabt. Und ich kann sagen, seit dem Zeitpunkt habe ich deutlich sensibler und häufiger auf den Tacho geguckt, um zu sehen: Pass auf!


Gibt es den typischen Punktesünder?

Wenn es ihn überhaupt gibt, dann ist er männlich und in der Altersgruppe zwischen 25 und 44. Wir haben das nicht nach Einzeljahrgängen differenziert, sondern in Gruppierungen festgelegt.


Also haben mehr Männer Punkte.

Ja, drei Viertel, 77 Prozent zu 22 Prozent, nehmen Sie noch ein paar Hinterkommastellen, dann sind Sie bei 100 Prozent. Dieses Verhältnis hat sich seit Jahren nicht verändert. Genauso wie der prozentuale Anteil der Personen, die überhaupt gelistet sind. Der liegt immer so zwischen 14 und 17 Prozent aller Fahrerlaubnisinhaber. Wir haben ja etwas über neun Millionen Personen im Verkehrszentralregister.


Was ist das häufigste Delikt?

Zu schnelles Fahren.


Gibt es da Unterschiede zwischen Männern und Frauen?

Kaum, aber es gibt Unterschiede bei Nummer zwei und Nummer drei, das sind Alkoholverstöße und Vorfahrtverletzungen. Bei den Frauen sind die Vorfahrtverletzungen an zweiter Stelle, bei den Männern die Alkoholverstöße.


Haben Sie Mitleid mit jemandem, dem der Führerschein bei 18 Punkten entzogen wird?

Nein. Nirgendwo trifft das deutsche Sprichwort "Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied" mehr zu als bei dieser Sache. Hier kann man es wirklich durch sein Verhalten beeinflussen. Ehe es zu einem Führerscheinentzug kommt, muss einiges vorgefallen sein, es gibt eine gewisse Karriere. Und ich als Verkehrsteilnehmer, nicht als Leiter der Behörde, habe großes Interesse daran, dass ungeeignete Verkehrsteilnehmer den Straßenverkehr nicht unsicherer machen. Nicht geeignete Leute gehören einfach nicht auf die Straße, Punkt.



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