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"Alles muss im Fluss sein"

28.07.2016

Staubilanz

Sommerferien! Ganz Deutschland ist jetzt auf Achse.

Unser Experte Dr. Christian Buric beschäftigt sich seit 2013 mit dem Phänomen Verkehrsstau und gibt dazu regelmäßig Tipps. Seine bisherige Erkenntnis: Am besten läuft der Verkehr, wenn alle im Fahrfluss sind, keiner drängelt und keiner bremsen muss.


Herr Dr. Buric, wie entsteht ein Stau denn, wenn es gar keinen Unfall gab?

Der Verkehr staut sich immer, wenn unterschiedliche Geschwindigkeiten aufeinandertreffen.


Was passiert dann?

Dann müssen nacheinander mehrere Autos abbremsen. Eine Kettenreaktion. Das Problem: Die einzelnen Autofahrer bremsen in verschiedenem Maße ab. Durchs Bremsen kommt es zu unregelmäßigen Verzögerungen und der Fahrfluss ändert sich. Aber wir alle wissen natürlich, dass auch Baustellen und Unfälle am Stau schuld sind.


Wie ist das, wenn jemand abrupt die Spur wechselt, kann das zu Staus führen?

Wenn Autofahrer grundlos von einer Spur auf die andere wechseln und meinen, sie kommen so besonders schnell voran, kann dies natürlich auch zu Staus führen. Und: Selbstverständlich provozieren solche Spurwechsler auch Unfälle. Dann staut sich der Verkehr erst recht.


Wann ist die Wahrscheinlichkeit für Stau am geringsten, selbst wenn die Straßen voll sind?

Insgesamt gilt: Je gleichmäßiger sich eine Autokolonne bewegt - also ohne Fahrer, die spontan Gas geben, nur um 30 Meter weiter zu kommen - desto besser. Je mehr Spurwechsler und Menschen, die beschleunigen, desto eher entstehen Unregelmäßigkeiten im Fahrfluss. Diese können sich quasi an neuralgischen Punkten addieren, wie etwa an Baustellen oder auch, wenn aus drei Spuren zwei werden. Die Gefahr eines Staus erhöht sich dann immens.


Weiß man heute alles über den Stau?

Nein. Staus sind noch nicht komplett erforscht und hochkomplex. Es gibt nicht ohne Grund die Disziplin der Stauforschung. Sie spielt in der Verkehrsforschung und in der Stadtplanung eine große Rolle. Letztendlich geht es um Takt und Rhythmus. Der Autofahrer sollte auf jeden Fall wissen, dass grundloses, nicht rhythmisches Verhalten einer ganzen Kolonne schaden kann. Am Ende ist man dann nicht schneller, sondern hängt auch selbst im Stau.


Was ist der Unterschied zwischen Stau und "Stop and Go"?

Im Stau herrscht tatsächlicher Stillstand oder sehr langsamer Verkehr über einen langen Abschnitt. Beim "Stop and Go" läuft der Verkehr noch, in sogenannten Stauwellen: Stillstand und höhere Geschwindigkeiten wechseln sich hier ab. Ganz grob kann man übrigens sagen, dass man pro Kilometer Stau etwa drei Minuten benötigt. Für zehn Kilometer Stau muss man also 30 Minuten mehr einplanen.


Darf ich auf den Standstreifen ausweichen?

Nein, das ist strengstens verboten. Es sei denn, ein Schild erklärt ihn offiziell zu einer dritten Fahrspur.


Soll ich bei Stau auf die Landstraße abfahren?

Nein, meist macht das keinen Sinn. Viele Autofahrer glauben, so den Stau umfahren zu können. Das Problem: Auch viele andere kommen auf diese Idee – deshalb gibt es auf den Landstraßen hinter der Ausfahrt neue Staus, und auch die Ausweichstrecken sind verstopft. Lieber schon im Voraus nach einer alternativen Route schauen.


Kann ich während eines Staus mal kurz aus dem Wagen aussteigen?

Eigentlich ist das laut Straßenverkehrsordnung nicht erlaubt und wird mit einem Bußgeld von 10 Euro geahndet. Aber wenn auf der Autobahn gar nichts mehr geht, macht die Polizei schon mal eine Ausnahme. Besser ist es, wenn Sie im Auto bleiben, auch bei längerem Stillstand. Falls Sie doch aussteigen, entfernen Sie sich nicht zu weit vom Auto, denn der Stau kann sich schnell auflösen.

Welche Strecken besonders gefährdet sind, lesen Sie in unserer aktuellen Stauprognose.


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