DruckenPDF

„Der Nürburgring darf nicht geopfert werden!“

Otto Flimm gründete 1950 in Brühl einen Motorsport-Club und stieg von dort aus zum Präsidenten des ADAC auf. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Club setzt sich der begeisterte Motorradfahrer und FIA-Ehrenvizepräsident für den Rennsport ein. Im Interview spricht der Vorsitzende des Vereins "Ja zum Nürburgring" über den Bieterwettstreit um die Rennstrecke und die Zukunft der Eifelregion.

 

Warum engagieren Sie sich seit vielen Jahren für den Nürburgring und die Eifelregion?

Der Nürburgring ist die Wiege des Motorsports. Seit seinem Bau im Jahre 1927 ist er gleichzeitig die wichtigste Grundlage für das Auskommen der Menschen in der Eifel und bietet dem Motorsport, damit meine ich insbesondere den Breitensport, eine einmalige Sportstätte. Der Verein „Ja zum Nürburgring“ hat maßgeblich zum Bau der Kurzstrecke und zum Erhalt der Nordschleife – auch finanziell – beigetragen. Das völlig überzogene Projekt Nürburgring 2009 hat die Rennstrecke unverschuldet mit in das finanzielle Chaos gezogen und die Insolvenz ausgelöst.

 

Was darf auf keinen Fall passieren?

Der altehrwürdige Ring darf nicht geopfert werden, weil die Politik mit Steuergeldern Hotels und Freizeitanlagen bauen ließ, die kein Mensch braucht. Das hat die Europäische Kommission auf den Plan gerufen, die fehlgeleitete staatliche Beihilfen kritisiert. Dabei ist in die Rennstrecke kein einziger Cent geflossen. Wir haben uns intensiv darum bemüht, eine gemeinwohlverträgliche Lösung für die Menschen und für den Ring zu finden. Leider haben sich die Politik und die Insolvenzverwalter, die seit letztem Jahr das Sagen am Ring haben, quergestellt. Jetzt soll der für den Motorsport so wichtige Nürburgring zusammen mit dem ganzen neuen Rummel aus Achterbahn und Hotels verkauft werden. Das darf nicht passieren.

 

Was ist die größte Gefahr in der derzeitigen Situation?

Das Image des Nürburgrings ist groß! Die Rennstrecke ist aber ein natürliches Monopol, das ebenso wenig in die Hände profitgieriger Geschäftemacher gegeben werden darf wie beispielsweise die kommunale Wasserversorgung. Trotzdem gibt es leider Anhaltspunkte dafür, dass ein amerikanischer Investmentfonds der Favorit der Insolvenzverwalter ist, da er ihnen auf einen Schlag den Ring und den Rummel als Ganzes abnehmen will. 

Das Resultat wäre absehbar: Der Breitensport, den es so in Amerika nicht gibt, würde durch Preistreiberei verdrängt. Die regionale Wirtschaft wäre einer nicht zu schlagenden Konkurrenz von staatlich finanzierten Hotels und Freizeitanlagen ausgesetzt, an denen aufgrund von Koppelangeboten aus dem Zugang zur Rennstrecke und sportfremden Angeboten keiner vorbeikommt.


1311_Nuerburgring_378x229


Wenn der Verkauf unabwendbar ist – warum wollen Sie die Trennung der Rennstrecke vom Rest?

Dazu grundsätzlich: Egal, wer der Betreiber ist, sollten Rennstrecke, Hotels und Freizeitbetriebe getrennt sein. Sonst wird das Monopol zu Koppelgeschäften genutzt.

Wenn den Insolvenzverwaltern, der Politik und der Europäischen Kommission – wie dies immer wieder zu hören ist – die besondere Rolle des Nürburgrings als automobiles Kulturgut und einzigartige Motorsportstätte bewusst ist, müssen sie einer getrennten Veräußerung der Sportstätte von den Hotellerie- und Freizeiteinrichtungen zustimmen. Geschieht dies nicht, werden die Wettbewerbsverzerrungen zementiert. Genau das will die EU doch verhindern!

 

Welche Rolle soll der ADAC spielen?

Der ADAC hat sich lange zurückgehalten, in das Verkaufsverfahren einzusteigen. Er hat wie der Verein „Ja zum Nürburgring“ darauf gesetzt, dass der Ring öffentlich-rechtlich bleibt, wie das übrigens bei den meisten Sportstätten in Deutschland der Fall ist. Erst als es nicht mehr abwendbar schien, dass die legendäre Rennstrecke meistbietend verscherbelt werden soll, hat er sich zum Handeln entschlossen. Ich bin sehr glücklich darüber, dass der ADAC sich zur Rettung des Rings bereit erklärt hat, da Politik und Insolvenzverwalter nur eines im Sinn zu haben scheinen: die Rennstrecke mit dem Rest als Ganzes so schnell wie möglich und ohne Rücksicht auf Verluste loswerden!

Der ADAC kennt sich mit Motorsport aus. Er wäre Garant für einen gemeinwohlorientierten Betrieb, bei dem nicht der Gewinn, sondern die Erhaltung der Rennstrecke und der Sport im Mittelpunkt stehen. Dies würde auch den Menschen in der Region helfen, da weiterhin viele Sportler und Fans in die Eifel kämen und dort ihr Geld ausgäben.

 

Was wünschen Sie sich von den Insolvenzverwaltern?

Sie sollen die Braut Nürburgring nicht schönreden! Sie versprechen hohe Gewinne und verschweigen Probleme, um den Preis hochzutreiben. Das ärgert mich besonders, da sie auf den Anlagenotstand vieler Investmentfonds zählen. In ihren Hochglanzbroschüren wecken sie finanzielle Erwartungen, die niemals erfüllt werden können. Ganz zu schweigen von den Unwägbarkeiten des Eifelwetters, das immer wieder zu Streckenschließungen führt. Ganz nebenbei ist die Preistreiberei auch gut für ihr eigenes Portemonnaie.

 

Was genau werfen Sie den Insolvenzverwaltern vor?

Zu Beginn der Verkaufsphase war von einem Gewinn von bis zu 8 Mio. Euro die Rede. Dann wurde wohl eine Art Gewinnwarnung ausgegeben mit dem Hinweis an die Interessenten, dass mit einer Million weniger zu rechnen sei. Schon zwei Tage nachdem die unverbindlichen Angebote abgegeben werden sollten, sprachen die Insolvenzverwalter dann plötzlich in der Presse nur noch von einer „schwarzen Null“. 

Als der ADAC sich entschlossen hat, den Ring zu retten, hat er dies selbstverständlich bei seinem unverbindlichen Angebot für die Rennstrecke berücksichtigt. Eine intensive Prüfung u.a. der Finanzunterlagen wird dem ADAC jetzt verwehrt, da er angeblich im Vergleich zu den früheren Angeboten nicht genug geboten habe. Aber die anderen konnten das alles gar nicht bei ihren Angeboten berücksichtigen. Von einer seriösen Organisation wie dem ADAC, der immerhin einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag geboten hat, kann doch nicht erwartet werden, sich auf Mondzahlen zu stützen. Das passt einfach nicht zusammen! 

Hier erwarte ich von den Insolvenzverwaltern Klarheit bei den Zahlen und den Zuschlagskriterien. Wenn sie ihre Äußerungen über einen  diskriminierungsfreien Verkauf ernst meinen, muss das Verfahren jetzt auf einer eindeutigen Grundlage neu aufgerollt werden.


Mehr zum Thema



Ihr Kontakt zum ADAC: Hilfe, Rat und Schutz für Ihre Mobilität