ADAC Tipps: Autoversteigerung bei Ebay

29.09.2016

Mit einem Klick zum Traumauto: Der schnelle Kauf könnte sich rächen

Mit einem Klick zum Traumauto: Der schnelle Kauf könnte sich rächen.

Autos, Oldtimer, Zubehör – im Internet kommt alles unter den Hammer. Allein beim Internet-Marktplatz Ebay wechseln jährlich Waren im Wert von mehreren Milliarden Euro den Besitzer. Das Ein- und Verkaufen im Internet hat insbesondere im Bezug auf Autos seine Tücken. Wir klären auf.


Der Onlinekauf erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Vor allem Auktionen bieten Verbrauchern die Möglichkeit, gewünschte Produkte zu einem Schnäppchenpreis zu erwerben. 


Doch bei einer Autoversteigerung sollten Bieter Vorsicht walten lassen: Insbesondere die vergleichsweise hohen Preise machen den Kauf eines unbekannten Fahrzeugs zu einem Risiko. Um Verbrauchern als auch Verkäufern eine Hilfestellung zu bieten, haben unsere Juristen die sechs wichtigsten Fragen dazu beantwortet.


1. Wie verbindlich sind die bei Internetauktionen geschlossenen Verträge?


Bei Internetauktionen werden rechtsverbindliche Verträge geschlossen. Bereits das Angebot des Online-Verkäufers ist für den Bieter verbindlich, sodass mit der Abgabe des Höchstgebots zum Auktionsende oder auch bei der Nutzung der "Sofort-Kaufen"-Option rechtsverbindliche Verträge zustandekommen. Nur zum Spaß sollte also keiner mitbieten. 


Die Verbindlichkeit des Vertrages gilt ebenso für den Anbieter, selbst wenn das Höchstgebot nicht seinen Erwartungen entspricht. Er ist trotzdem zur Übergabe der Kaufsache verpflichtet.


2. Inwieweit hafte ich für die Beschreibung meines Auktionsangebots?


Private Verkäufer stellen ihre Kaufangebote gewöhnlich mit Lichtbildern und einer Beschreibung auf Ebay ein. Dabei wird oft die Sachmängelhaftung (früher Gewährleistung) ausgeschlossen – das ist zulässig. Aber: Trotz dieses Ausschlusses haftet der Online-Anbieter für falsche Angaben – sei es beispielsweise zur Motorleistung, Schadstoffklasse oder für bestimmte Ausstattungsmerkmale wie etwa eine Klimaanlage. 


Die Haftung besteht auch für die eingestellten Bilder. Das bedeutet, wenn das Fahrzeug mit Alufelgen abgebildet ist und zur Auktion angeboten wird, müssen diese Alufelgen dem erfolgreichen Bieter auch übergeben werden.


3. Ist eine Anfechtung des Vertrags oder eine vorzeitige Beendigung der Internetauktion möglich?


Sowohl der Käufer als auch der Verkäufer können ihr Angebot beziehungsweiseGebot wegen Irrtums anfechten. Tippt etwa der Käufer bei seinem Angebot 200 Euro statt 20 Euro ein, stellt dies einen Irrtum dar, der zur Anfechtung berechtigt. Das Gleiche gilt für den Verkäufer: Vertippt er sich bei der Angabe des Mindestgebots und kommt ein Kauf zustande, kann er auch diesen Vertrag wegen Irrtums anfechten. Die Anfechtung muss unverzüglich erfolgen – bei Internetauktionen sollte sie per E-Mail bis spätestens am nächsten Tag erklärt werden. Grundsätzlich ist der Anfechtende aber schadensersatzpflichtig.


Der "reine Motivirrtum" ist dagegen nicht anfechtbar: Ist der Verkäufer beispielsweise von einem viel höheren Erlös ausgegangen und wurden seine Erwartungen enttäuscht, stellt dies einen unbeachtlichen "Motivirrtum" dar, der nicht zur Anfechtung berechtigt. Der Anbieter kann auch aus anderen Gründen zur vorzeitigen Beendigung einer Ebay-Auktion berechtigt sein, etwa wenn die Ware gestohlen wird oder bei einem gebrauchten Pkw erst nach Beginn der Auktion unverschuldet ein Mangel auffällt.


4. Habe ich bei einer Internetauktion ein Widerrufsrecht?


Bei Online-Auktionen steht dem privaten Bieter ein gesetzliches Widerrufsrecht von 14 Tagen zu, wenn der Anbieter ein Unternehmer ist. Bei einer Ersteigerung von einer Privatperson hingegen sieht das Gesetz kein Widerrufsrecht vor.


Besonderheiten beim Autokauf: Bei der Lieferung von beispielsweise Gebrauchtfahrzeugen beginnt die Widerrufsfrist nach dem Gesetz erst dann zu laufen, wenn das Fahrzeug an den Bieter übergeben wurde. Erkennt daher der Online-Händler nicht kulanzhalber einen Widerruf zu einem früheren Zeitpunkt an – zum Beispiel unmittelbar nach der Bestellung – müssen Käufer erst die Lieferung des Fahrzeuges abwarten, um rechtswirksam widerrufen zu können.


5. Muss ich im Fall des Widerrufs Ersatz leisten, wenn ich die ersteigerte Sache bereits genutzt habe?


Wenn Käufer die ersteigerte Sache bereits genutzt und sich erst dann für den Widerruf entschieden haben, müssen sie für den - durch die Verwendung entstandenen - Wertverlust aufkommen. Voraussetzung: Der Verbraucher muss zuvor ordnungsgemäß über das Widerrufsrecht belehrt worden sein. Gleiches gilt, wenn Käufer das ersteigerte Fahrzeug vor der Erklärung des Widerrufs bereits zugelassen haben. Im Klartext: Der Käufer muss den Wertverlust, den das Fahrzeug durch die Zulassung erfährt, dem Verkäufer ersetzen.


Das von den Online-Händlern verpflichtend zu verwendende Muster-Widerrufsformular weist ebenfalls auf diese Rechtsfolge hin. Nicht selten wird dies überlesen. Das Fahrzeug sollte daher umgehend nach Übergabe geprüft und eine Entscheidung für oder gegen einen Widerruf möglichst noch vor der Zulassung getroffen werden.


6. Wie ist eine sichere Bezahlung gewährleistet?


Die meisten Anbieter sind sicherlich als seriös zu bezeichnen, schwarze Schafe stellen die Ausnahme dar. Bei größeren Geldbeträgen für die Ersteigerung eines Gebrauchtwagens empfiehlt sich nach wie vor die Barzahlung bei Abholung des Kfz. Bevor Sie ein Höchstgebot abgeben, können und sollten Sie sich mithilfe des Bewertungssystems über das Verkäuferverhalten des Anbieters informieren.


Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann den in der Regel angebotenen Treuhandservice der Auktionsplattform nutzen. Hierbei wird der Kaufpreis auf ein Konto des Betreibers bei Ebay überwiesen und erst an den Anbieter ausgezahlt, wenn der Käufer das Produkt erhalten und geprüft hat. Im Gegenzug hat der Verkäufer die Sicherheit, dass die Ware erst dann an den Käufer abgeschickt wird, wenn er die Benachrichtigung des Auktionshauses hat, dass das Geld eingetroffen ist.


Dies stellt zwar in der Regel eine etwas mühevollere und auch kostenpflichtige Bezahlungsmethode dar, schützt jedoch bei größeren Beträgen vor Missbrauch. 


Achtung:

Durch das mittlerweile weit verbreitete Online-Bezahlsystem Paypal sind Sie im Rahmen des Paypal-Käuferschutzes nicht abgesichert bei Artikeln, die nicht versandt werden können – also auch Autos und Motorrädern. In diesen Fällen sollte die Bezahlung erst bei Abholung vor Ort erfolgen.


Ausführlichere Informationen zu den oben genannten Punkten und mehr finden Sie hier.


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