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Cabrio-Überschlagstest: Hals über Kopf

 


Cabrio fahren macht Spaß. Doch wie gefährlich ist es, wenn sich das offene Auto bei einem Unfall überschlägt? Der ADAC hat es mit vier aktuellen Modellen getestet.


Hier finden Sie den ausführlichen Versuchsbericht.


Die reine Unfallstatistik klingt beruhigend: Bei Cabrios kommt es – im Verhältnis zu den Zulassungszahlen – seltener zu Überschlägen als bei geschlossenen Autos. Tatsache ist aber auch: Wenn es passiert, kann es für die Insassen im offenen Wagen böse enden. Daher prüft der ADAC – diesmal in Zusammenarbeit mit den Experten der Verkehrsunfallforschung an der TU Dresden –, wie sicher Cabrios sind, wenn sie sich überschlagen.


Generell hat sich die passive Sicherheit der Cabrios in den letzten Jahren enorm verbessert. So ist es bei modernen Konstruktionen nahezu undenkbar, dass die Säulen des Windschutzscheibenrahmens beim Salto wegknicken wie Zündhölzer. Außerdem fahren inzwischen bei fast allen Cabrios im Ernstfall automatisch Überrollbügel aus, die den Überlebensraum für die Passagiere erhalten sollen.


Dieses System in Verbindung mit Kopf- und Seitenairbags hatten auch unsere Testautos an Bord: Opel Cascada, Peugeot 308 CC, Renault Mégane CC und VW Golf Cabrio. Alle vier Modelle sind bei den Käufern sehr beliebt – mit entsprechend hohen Zulassungszahlen.


Bevor sich die vier Autos seitlich überschlagen, messen die ADAC Ingenieure bei den unverformten Karosserien, wie groß der Überlebensraum zwischen den Frontscheibensäulen und den ausgefahrenen Überrollbügeln ist. Diese Werte werden dann mit denen verglichen, die sich nach dem Crash bei verformter Karosserie ergeben. Beim Überrollversuch mit fast 50 km/h liefern spezielle Messpuppen Hinweise darauf, ob und mit welcher Intensität die Insassen mit dem Kopf auf die Straße schlagen.



Opel CascadaRenault Mégane CCPeugeot 308 CCVW Golf Cabrio
Vordere Passagiere



 
Kopfbelastung60%OO--
Überlebensraum40%+O++-
Hintere Passagiere     
Kopfbelastung60%++++OO
Überlebensraum40%++++++++
Gesamturteil
1,62,12,83,6


Bei der Auswertung der aktuellen Crashtest-Ergebnisse überrascht ausgerechnet der Bestseller des Quartetts, der VW Golf, mit nur „ausreichenden“ Ergebnissen. Die Hauptursache: Der Windschutzscheibenrahmen verbiegt sich stärker als erwartet – und das schränkt den „Überlebensraum“ ein. Hinzu kommt: Die Gurtstraffer auf den Vorderplätzen packen viel zu lasch zu, um die Insassen trotz der Zentrifugalkräfte fest im Sitz zu halten. Deswegen schlagen die Köpfe der vorn Sitzenden ziemlich hart auf dem Asphalt auf – mit einem entsprechend hohen Verletzungsrisiko. Ebenfalls beunruhigend: Auch einer der beiden Fondpassagiere streift mit seinem Kopf die Fahrbahn.


Das kann der Opel Cascada bei dieser Momentaufnahme deutlich besser. Die Tester bescheinigen ihm befriedigende Werte für die erste Sitzreihe – auch wenn der Fahrer einen „leichten Kopfkontakt“ zeigt. Die zweite Sitzreihe überzeugt bei den statischen und dynamischen Versuchen hingegen komplett. Das gute Ergebnis ist ein Erfolg der automatischen Gurtstraffer – allerdings sollten sie im Ernstfall noch etwas früher auslösen.


Im Renault Mégane CC sind die Hinterbänkler ebenfalls gut geschützt. Doch die Fahrer- und Beifahrer-Dummys melden erhöhte Kopfverletzungswerte: Die Gurtstraffer der Vordersitze wirken kaum. Auch die Kopfairbags verfehlen ihre Schutzfunktion, da sie zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt auslösen und zu schnell zusammensacken.


Beim Peugeot 308 CC verformt sich der Windschutzscheibenrahmen nur moderat, der Schutzraum bleibt fast intakt. Leider schwächeln die Gurtstraffer: Beide Dummys in der ersten Reihe berühren die Straße deshalb deutlich. Dagegen werden bei den hinten Sitzenden insgesamt befriedigende Kopfbelastungswerte ermittelt. 


Auch wenn es bei Überschlägen viele Konstellationen gibt: Die ADAC Stichprobe zeigt die Stärken und Schwächen moderner Cabrios gut auf. Es besteht noch Verbesserungspotenzial bei der Stabilität der Säulen des Frontscheibenrahmens und bei der Auslöse-Sensorik der Gurtstraffer. Doch bei der Auswahl der Cabrios sollten Kunden trotzdem darauf achten, dass diese Schutzsysteme auf allen Plätzen an Bord sind. Und ein Tipp gilt für alle Cabrio-Fahrer: Wenn Sie höhenverstellbare Sitze haben, wählen Sie eine möglichst tiefe Position.


Text: Klaus Brieter; Fotos: Uwe Rattay



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