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Beim zweiten Mal geht alles besser

Kürzer, breiter und höher, dazu bulliger, kräftiger und kerniger: Der neue BMW X1 sieht endlich aus wie ein richtiger SUV und macht beim Fahren gute Laune.


Er kam, sah und siegte. Und das, obwohl der erste BMW X1 allenfalls von durchschnittlicher Güte war, weil er mit Hochdruck auf die Straße gebracht wurde und die Entwickler ein paar Kompromisse machen mussten. Der kleine Geländewagen hat sich trotzdem extrem gut verkauft, weil BMW den Kollegen aus Stuttgart und Ingolstadt um Jahre voraus war. Mit jährlich über 100.000 Zulassungen hat er einen großen Anteil daran, dass fast jeder dritte verkaufte BMW mittlerweile ein X-Modell ist. 


Doch die Konkurrenz schläft nicht: Mercedes hat jetzt den GLA, und Audi plant neben dem Q3 auch einen handlicheren Q2, der mit dem X1 deutlicher konkurrieren könnte. Deshalb rüstet sich BMW für den verschärften Wettbewerb und bringt Ende Oktober eine Neuauflage ab 32.900 Euro, die sehr viel gründlicher, durchdachter und ausgereifter wirkt als der Erstling von 2009.


Dafür steht nicht nur das Design, das bulliger, kräftiger und kerniger wirkt, das „mehr X-ness hat“, wie ein BMW-Designer sagt, und das damit deutlich näher an X3 und X5 heranrückt. Dafür steht vor allem die neue Plattform. Nach Active Tourer und Grand Tourer ist der X1 der dritte BMW aus der "UKL-Architektur", die im Packaging ganz neue Möglichkeiten bietet: Zwei Zentimeter kürzer, dafür breiter und vor allem höher, wird der Raum besser genutzt. 


Sinnvolle Raumaufteilung


Vorn sitzt man nicht schlechter als im X3, im Fond legt die Kniefreiheit um drei Zentimeter zu, und wenn man die verschiebbaren Rücksitze bestellt, können erwachsene Hinterbänkler sogar die Beine übereinander schlagen. Gleichzeitig wächst bei etwas geschrumpfter Länge von 4,44 Metern und 2,67 Metern Radstand der Kofferraum um 85 auf 505 Liter. Er lässt sich schrittweise bis vor zum umklappbaren Beifahrersitz erweitern. Im besten Fall passen dann bis zu 1550 Liter hinter die elektrische Heckklappe. Das sind 200 Liter mehr als früher, was den X1 zum Ersatz für den Einser Touring, den BMW partout nicht bauen möchte.


Zwar bedient sich der X1 kräftig aus dem Teilesatz der neuen Frontantriebsmodelle und übernimmt zum Beispiel die Option auf LED-Scheinwerfer oder den Abstandsregeltempomaten. Aber er leistet sich auch den Luxus eigener Extras wie des vollwertigen Head-up-Displays: Wo die Informationen bei den Tourern auf eine einfache Plexiglasscheibe projiziert werden, spiegeln sich die Daten im X1 in der Frontscheibe. 


Und auch die Materialanmutung ist noch vornehmer als bei den Pampersbombern. Jetzt muss einem der rote Alu-Zierstreifen der "Sportline" im Armaturenbrett nicht gefallen – aber egal, wo man hinschaut, sieht der X1 gut aus, und wo man ihn anfasst, fühlt er sich gut an. Und nur, wenn man ganz tief fummelt, und zum Beispiel den Schaumstoff um die Lenksäule in die Finger bekommt, merkt man, dass auch die Bayern nur mit Wasser kochen und bisweilen aufs Geld schauen müssen.


Vollkommen neue Antriebspalette


Nicht nur Auftritt, Ambiente und Ausstattung sind neu – auch beim Antrieb bleibt nichts wie es war. Der X1 fährt komplett mit der neuen Generation der Baukastenmotoren und startet zunächst mit zwei Benzinern im X1 20i mit 192 PS und im X1 25i mit 231 PS sowie drei Dieseln vom 150 PS starken X1 18d bis zum X1 25d mit ebenfalls 231 PS. Damit sind Geschwindigkeiten zwischen 205 und 235 km/h möglich, der Verbrauch geht nicht zuletzt dank eines neuen Allradantriebs mit entkoppelbarer Hinterachse um bis zu 17 Prozent auf Werte zwischen 4,1 und 6,6 Liter zurück.


Bei aller Sparsamkeit will der X1 aber auch sportlich sein. Das merkt man besonders bei der ersten Ausfahrt mit dem 25i. Der knurrt zwar bisweilen wie ein Diesel und gibt sich für einen Benziner ungewöhnlich brummig, aber dafür steht der Zweiliter-Motor gut im Futter, wuchtet den Wagen mit 350 Nm Drehmoment in flotten 6,5 Sekunden von 0 auf 100, stürmt tapfer mit bis zu 235 km/h über die linke Spur und macht auf einer kurvigen Landstraße richtig Laune. Denn mit seinem neu entwickelten Fahrwerk, der Sportlenkung und den variablen Dämpfern taugt der X1 zum veritablen Kurvenräuber, dem man die neue Höhe dabei nicht anmerkt. Aber so kräftig der 25i ausschreitet und so knackig er abgestimmt ist, wird es kaum reichen, einem GLA 45 AMG oder RS Q3 Paroli zu bieten.


Dreizylinder im X1 kein Tabu


Bis auf den Basisdiesel werden zunächst alle Motoren mit Allrad ausgeliefert. Doch wer den X1 18d sDrive bestellt, wird sich ein bisschen umstellen müssen. Dank der neuen Plattform hat der keinen Heckantrieb mehr, sondern packt mit den Vorderrädern zu. Und das ist nicht die einzige Abkehr von den eigenen Idealen. Kurz nach der Markteinführung beginnt auch unter der Haube eine kleine Kulturrevolution: Die guten alten Sechszylinder kommen weiterhin nicht in Frage, die M GmbH macht einen Bogen um den X1 - daher wird es zum ersten Mal auch Dreizylinder im X1 geben. Als Basismotoren reichen die Bayern einen 18i mit 136 und einen 16d mit 116 PS nach.


Mit dem X1 hat BMW vor sechs Jahren – mal wieder – ein SUV-Segment für die Premiumliga begründet und so einen weiteren Baustein auf die Erfolgspyramide der X-Modelle gesetzt. Und es soll nicht der letzte sein. Denn jetzt können die Entwickler ihre Aufmerksamkeit ans andere Ende der Palette lenken und mit Hochdruck am X7 arbeiten.


Text: Thomas Geiger


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