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Beifahrer: Von Angsthasen und Dränglern

Drängler

Autofahrer müssen sich mit den verschiedensten Beifahrer-Typen arrangieren. Neben kooperativen oder liebevollen Begleitern gibt es auch viele Störer im Cockpit. Wie lassen sich Zwist und Streit vermeiden?


Jeden Tag sitzen Millionen Menschen gemeinsam im Auto: Auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder während der Fahrt in den Urlaub. Glaubt man Umfragen, passen die Bedürfnisse von Fahrer und Beifahrer – gleich welchen Geschlechts – oft überhaupt nicht zusammen.

 

Vielmehr müssen Fahrzeuglenker mit den unterschiedlichsten Beifahrer-Typen auskommen – und sich oft genug ärgern: Angsthasen geraten schnell ins Schwitzen, Dränglern geht es nie schnell genug. Besserwisser treiben den Fahrer mit Ratschlägen zur Weißglut.

 

Aber warum dösen einige Menschen tiefenentspannt vor sich hin, während andere regelmäßig am Fahrer herumnörgeln? Und warum treibt vielen Leuten schon sanfte Kritik an ihrem Fahrstil die Zornesröte ins Gesicht?

 

Kritik als Kriegserklärung


Erklären lässt sich das nur mit einem Blick in die Psyche der deutschen Autofahrer: 96 Prozent, egal ob Mann oder Frau, sind davon überzeugt, gut oder sehr gut mit ihrem Pkw umgehen zu können. Der Alltag auf den Straßen bestärkt sie: Während sich die übrigen Verkehrsteilnehmer durch vermeintliche Unfähigkeit auszeichnen, umschifft der Fahrer jede heikle Situation. Und wenn doch was passiert? War der andere schuld.


Der Verkehrspsychologe Prof. Dr. Bernhard Schlag sagt: "Je sicherer wir sind, etwas gut zu beherrschen, desto härter trifft uns Kritik." Das gelte besonders fürs Autofahren: Da wird jede zurückhaltend formulierte Anmerkung schnell zur Kriegserklärung umgedeutet.


Der Fahrer in der Pflicht


Eheberaterin Brigitte Hauner-Münch kennt solche Vorwürfe. Sie sagt: "Im Auto zeigt sich, was gut und was schlecht läuft in einer Beziehung." Zumal die räumliche Enge wie ein Brandbeschleuniger wirken kann. Manchmal hilft dann nur noch eins: Die nächste Ausfahrt ansteuern, aussteigen, durchatmen – und den Zwist kommunikativ lösen.

 

Professor Schlag sieht vor allem den Fahrer in der Pflicht, wenn es darum geht, Streit zu vermeiden. Als Herr des Geschehens sollte dieser auf den Schwächeren – also den Beifahrer – Rücksicht nehmen. Selbst wenn er fest davon überzeugt ist, seinen Wagen sicher lenken zu können. "Die Bedürfnisse des Beifahrers sind immer stärker zu bewerten als die eigenen. Schnell fahren kann man schließlich auch allein", sagt Schlag.


Wünsche statt Vorwürfe

 

Die Eheberaterin Hauner-Münch rät Beifahrern: "Verzichten Sie auf Vorwürfe, äußern Sie Wünsche, etwa: Kannst du bitte etwas langsamer fahren?" Vielleicht hilft auch ein kleiner Hinweis auf die wissenschaftlich belegten Vorteile der Anwesenheit eines Beifahrers: Das Unfallrisiko sinkt deutlich, die Gefahr, einen Strafzettel zu bekommen geht zurück (Regeln werden in Gegenwart anderer zuverlässiger befolgt), und man kann sich auf längeren Fahrten am Steuer abwechseln.

 

Die komplette Reportage zum Thema Beifahrer lesen Sie in der aktuellen ADAC Motorwelt Digital.

 

Lesen Sie hier: Welche Beifahrer-Typen es gibt - und wie Sie richtig reagieren.


Autor: Thomas Paulsen


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