DruckenPDF

ADAC Reform: Auch zukünftig ein Verein?


Der Club baut bei seiner Reform für Vertrauen auf Experten. Mit Prof. Dr. Edda Müller, Transparency International, Prof. Dr. Jürgen Papier, Ex-Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Politikwissenschafter Dr. Rupert Graf Strachwitz und Dr. Jürgen Heraeus, u. a. Vorsitzender von Unicef Deutschland, begleiten vier renommierte Persönlichkeiten als Beirat den ADAC. Wir sprachen mit Dr. Jürgen Heraeus.


ADAC: Herr Dr. Heraeus, was hat Sie bewogen, die Aufgabe im ADAC Beirat zu übernehmen?

Dr. Jürgen Heraeus: Der ADAC ist eine Institution in Deutschland, ein großer Name. Und unabhängig von dem Fehltritt eines Einzelnen, der zu Beginn des Jahres eine tiefe Krise ausgelöst hat, war es aus meiner Sicht schon immer ein Thema, ob der ADAC mit seinen umfassenden wirtschaftlichen Möglichkeiten auch in Zukunft noch ein Verein sein kann. Als er ins Schlingern kam und ich gefragt wurde, ob ich unterstützen kann, war ich dazu sofort bereit.

Wie kommt der Beirat an genug Informationen, um sich eine Meinung bilden zu können?

Ich bin durch die Arbeit im Beirat ein großer Leser geworden! Wir erhalten viele Dokumente, Protokolle, Materialien. Ich bin der Ansicht, dass wir sehr gut und offen informiert werden. Antworten auf unsere Fragen kommen schnell und umfassend – sicher besser als in so manchem Aufsichtsrat deutscher Unternehmen. Gespräche führen wir mit den Verantwortlichen, aber wir arbeiten auch mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und hatten ein Treffen mit Betriebsratsvertretern.

Wie sieht die aktive Mitarbeit des Beirats aus? 

Zunächst haben wir uns einen Überblick verschafft, dann Fragen zu den einzelnen Themen erarbeitet. Beispielsweise die Frage zur Rolle des Verbraucherschützers oder des Verkäufers, die sich am Beispiel Kindersitze gut darstellt, haben wir aufgebracht. Es geht nun mal nur unter erheblichen Einschränkungen, dass ein Verein ein Produkt testet und auch vertreibt. Diesen Punkt haben wir forciert, und der Verkauf der Kindersitze wurde mittlerweile auch eingestellt.

Gibt es bereits erste strategische Vorschläge, die Sie eingebracht haben? 

Wir sind beratend tätig. Deshalb weisen wir mehr auf Themen hin, als konkrete Lösungen anzubieten. Ich denke, dass sich der wirtschaftlich arbeitende Teil des ADAC deutlich intensiver an den Gepflogenheiten der Wirtschaft orientieren muss. Das heißt z. B., dass die Aufsichtsgremien der Gesellschaften professionell besetzt (und bezahlt) sowie Doppelfunktionen in Verein und Wirtschaftsunternehmen vermieden werden müssen.

Vor welcher Herausforderung steht der ADAC?

Viele denken, es gäbe nur einen ADAC, und wie in einem "normalen" Unternehmen gibt die Zentrale die Richtung vor. Tatsächlich gibt es jedoch 19 ADAC. Die Regionalclubs sind rechtlich selbstständig, mit eigener Satzung, Geschäftsführung und eigenem Vorstand. Für manche dort ist München weit weg. Das scheint mir das Schwierigste zu sein: die Organisation so aufzustellen, dass die Zentrale in bestimmten Sachen die Richtung vorgeben kann – zum Wohl des gesamten ADAC.

Glauben Sie, dass das machbar ist?

Nehmen Sie Unicef als Beispiel: Das deutsche Komitee hat eine Lizenz von Unicef in New York. In den Vereinbarungen ist genau spezifiziert, was wir dürfen oder nicht. Wird der Name beschädigt, wird die Lizenz entzogen. Wir im Beirat haben das Empfinden, dass die Nutzung des Namens ADAC nicht gut genug formuliert ist. Das ist ein denkbarer Weg, um Disziplinierung zu ermöglichen. Gerade für ehrenamtliche Mitarbeiter ist das oft schwer zu verstehen: Sie bekommen kein Geld und müssen sich auch noch an solche Regeln halten. Aber das ist notwendig: Die Presse und die Öffentlichkeit unterscheiden nicht, wer spricht, sie sehen nur die Organisation, die dahinter steht.

Welche Fragen sind jetzt die wichtigsten? 

Zwei Dinge sehe ich gleichwertig ganz vorn: die Leitlinien, die festhalten, welches Selbstverständnis der ADAC hat. Und die Struktur: Wie muss sich der ADAC aufstellen, um der Verein zu sein, der er bleiben möchte? Und wie kann er die wirtschaftlichen Aktivitäten klarer abtrennen? Außerdem sind Interessenkonflikte und die Einhaltung der Regeln – Compliance – von großer Bedeutung. Man muss umdenken: Nicht der Name ADAC liefert das Image, sondern das eigene Verhalten beeinflusst das Image des ADAC.

Wie hat sich Ihr Bild vom ADAC verändert?

Ich habe mich immer über die Gelben Engel auf der Straße gefreut. Ich hatte ein generell gutes Bild und werde jetzt natürlich oft angesprochen. Viele Menschen haben Erlebnisse, wo der ADAC geholfen hat – sei es bei der Panne auf der Straße oder mit dem Heimflug nach einem Unfall. Die sind voll des Lobes. Ich wusste vorher wenig von Umsatz oder Versicherungen, das ist jetzt anders.

Sind Sie ADAC Mitglied?

Ich bin es nie gewesen, weil ich meinen Autos immer vertraut habe. Aber jetzt bin ich dabei. 


Zur Person: Dr. Jürgen Heraeus ist Aufsichtsratsvorsitzender des gleichnamigen Konzerns und Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse. Als Unicef Deutschland 2008 nach einem Spendenskandal das DZI-Spendensiegel entzogen wurde, übernahm er die Leitung der Hilfsorganisation. Seine Erfahrung mit Krisenmanagement bringt er nun im ADAC ein.


Interview: Margit Pfister



– Reise & Freizeit –

ADAC Staukalender

Verbringen Sie Ihre Autofahrt nicht im Stau. Unser Staukalender zeigt Ihnen, wann mit hohem Verkehrsaufkommen zu rechnen ist. Mehr




Ihr Kontakt zum ADAC: Hilfe, Rat und Schutz für Ihre Mobilität