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Keine nassen Füße


Eine der spektakulärsten Formen des ADAC Motorsports sind Bootrennen. Motorwelt-Volontär Lukas Kapeller wagte auf dem Rhein eine Probefahrt.


Den Rennanzug hab’ ich mir noch selbst angezogen, am Helm scheitere ich bereits. Ex-Weltmeister Ekkehard Knape, mein Lehrer an diesem Wochenende, fädelt das Band durch die Schlaufe. Er hat Geduld mit mir. „Du fährst relativ schnell los, erst dann reduzierst du die Geschwindigkeit“, sagt Knape immer wieder.


Einsteigen als erste Hürde


Füße aufs Boot, dann auf den Fahrersitz. Ich drehe mich um und rutsche runter ins enge Cockpit. Beide Hände ans Lenkrad, Startknopf, rechter Fuß aufs Gas. Der Rumpf des Motorboots hebt sich aus dem Wasser. Ich werde schneller. „Machst du doch gut!“, spornt mich Knape übers Funkgerät an.

Ich gebe zu, vor dem Wochenende hatte ich nasse Füße. Trotzdem wollte ich mal selbst erleben, wie sich ein Rennboot anfühlt. Mit 28 Jahren gelte ich nicht mehr eben als Zukunftshoffnung. Die erste Probefahrt erinnert mich an meine kurzen Ausflüge auf die Kartbahn. Nur ist im Boot alles viel intensiver. Die permanente Bodenwelle. Im gelben Trainingsboot der ADAC Powerboat School donnere ich übers Wasser. Für viele Rennfahrer begann in diesem Boot die Karriere.


Selbst fahren ab 49 Euro


Nur wenige wissen, dass der ADAC außer Auto-, Motorrad- und Kartserien auch Bootrennen anbietet. In zwei Formeln kann sich der Nachwuchs auf dem Wasser messen. Im Gegensatz zu meinem Testboot haben im Internationalen ADAC MSG Motorboot Cup wie auch im ADAC Motorboot Masters alle Boote Kohlefasercockpits. In der schnelleren Masters-Serie steuern die Piloten ihre Katamarane mit bis zu 125 km/h über Deutschlands Flüsse und Seen. Nach sieben bis neun Rennwochenenden wird der Meister gekürt.

Der klassische Weg in den Sport führt durch die ADAC Powerboat School (ab 49 Euro), dieses Jahr noch am 29. September in Friedrichshafen. Jungs und Mädchen können schon ab 15 Jahren ihr Talent testen. An einem zweiten Wochenende kann bereits die Rennlizenz erlangt werden. Der Motorboot Cup gilt als bester (und billigster) Einstieg eines jungen Rennfahrers: Ab 1500 Euro vermietet der ADAC ein Rennboot für eine Saison. Die Motoren, Boote und Propeller sind einheitlich.


„Kart fährt jeder“


Die Profis schwärmen vom besonderen Fahrgefühl. „Kart fährt jeder. Das Spiel von Wind und Wellen macht jede Runde zu etwas Besonderem“, sagt Manuel Saueressig, Meister im ADAC Motorboot Masters. Sein Kollege Alexander Scheller ist heute Testfahrer. Techniker vom ADAC Motorsport sind an diesem Wochenende am Rhein zusammengekommen, um mit Scheller einen neuen Bootstyp zu testen. Die Vorbereitungen für den Motorboot Cup 2013 laufen: Vier- statt Zweitaktmotor, 30 statt 40 PS, weniger Emissionen bei immer noch knapp 90 km/h Spitzengeschwindigkeit.

Bei Schellers erstem Versuch wippt das Boot auf der Geraden unruhig auf und ab. Er driftet gefühlvoll an den Steg. „Legt hinten noch ein paar Gewichte rein“, ruft Scheller dem Team zu. Ein paar Testläufe später hat die Technikcrew die Lösung: Eine Aluminium-Box wird zwischen Cockpit und Motor montiert, das Boot dadurch um 20 Zentimeter länger. Dank dieser Idee gleitet Schellers Testboot bereits am Nachmittag geschmeidig über den Rhein.


Vom Trimmen und Schwimmen


Profis wie Scheller schaffen Höchstgeschwindigkeiten, indem sie den Motor so trimmen, dass nur noch wenige Zentimeter der Kufen das Wasser berühren und das Boot leichtfüßig über die Oberfläche tänzelt. Um die Sicherheit auch im schlimmsten Falle zu gewährleisten, absolvieren die Fahrer jährlich den sogenannten Turtle-Test. Im Winter trainieren sie in Hallenbädern, sich zu befreien, falls das Boot umgekippt ist, der Fahrer sich also wie eine Schildkröte auf dem Rücken fühlt.

Auch sonst lerne ich an diesem Wochenende viel über den professionellen Motorbootsport. Ich erfahre zum Beispiel, dass der Propeller für die Schnelligkeit des Boots so wichtig ist wie die Reifen für die Formel 1. Millimeter können entscheiden. 


Erfolgserlebnis beim zweiten Versuch


Mit ganz anderen Hürden habe ich bei meinem zweiten Selbstversuch zu kämpfen. Bevor ich mich das erste Mal ans Trimmen wage, bleibt mein Katamaran mitten auf dem Rhein liegen. Der Rettungstaucher Volker Lewalter düst in seinem Schlauchboot herbei. „Habe ich etwas falsch gemacht, Volker?“ – „Nein, ist viel einfacher“, sagt er lachend. „Du hast kein Benzin mehr!“ Nächster Versuch, diesmal mit vollem Tank.

Nach zwei Runden sagt Fahrtrainer Knape über Funk: „Nach der Kurve abtrimmen und voll aufs Gas!“ Ich befolge seine Anweisung, merke, wie das Boot leichter wird – und schneller. Unter mir das Ruckeln der Wellen. Schon besser, denke ich stolz. Und tatsächlich: Die ersten Runden fuhr ich noch über 55 Sekunden, die letzte knapp über 46.


Mehr Infos auf www.adac.de/motorsport


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