DruckenPDF

Metamorphose bei Mercedes

Mercedes hat das Ziel fest im Visier: Die neue A-Klasse soll junge Menschen begeistern. Hämmernde Rhythmen und ein cooler Sound untermalen die Werbespots, die im Fernsehen mit der A-Klasse als Hauptdarsteller ausgestrahlt werden. „Wir sind jung, wir sind lebensfroh, wir genießen die Gegenwart in allen Facetten“, heißt die Botschaft. Die A-Klasse ein gemütliches Opa-Oma-Auto?Das ist jetzt Geschichte!


Die Vorlage für ein erfolgreiches sportliches Kompaktauto lieferte – wie könnte es anders sein – der 1er BMW. Auf die gesamte Klasse bezogen, ist natürlich der neue VW Golf (siehe Seite 34) der Hauptkonkurrent der A-Klasse, allein schon wegen dessen Marktbedeutung. Beim ersten Blick auf die A-Klasse wird bereits erkennbar, was seine Väter mit ihm vorhaben. Der neue Baby-Benz sieht muskulös und sehr dynamisch aus, die Karosserie ist extrem flach (1,43 Meter). 

Selbst ein kleiner Fiat 500 präsentiert sich rund fünf Zentimeter höher.


Zum Ein- und Aussteigen ist eine gewisse Gelenkigkeit vonnöten, die manche ältere Autofahrer vielleicht nicht mehr haben. Mercedes sieht darin kein Problem: Denn für diese Kundschaft gäbe es alternativ ja die B-Klasse. Jugendlichkeit stand auch bei der Gestaltung des Innenraums im Fokus. Der Fahrer sitzt tief in engen Sportsitzen, hinter einer stark geneigten Frontscheibe, mehr wie in einem Coupé als in einem Kompaktwagen. 


Das Infotainment-System Comand Online (für rund 3300 € Aufpreis) offeriert ein ganzes Spektrum an Möglichkeiten: angefangen bei der Nutzung von Mercedes-Benz Apps bis zum Aufrufen von Internetseiten – Letzteres natürlich nur, wenn das Fahrzeug steht. An Apps sind, auch während der Fahrt, Wetter-Informationen, eine Sonderziel-Suche inklusive Google Street View, ein Routen-Download über Google, Nachrichten sowie Facebook abrufbar. Mercedes will das App-Angebot kontinuierlich ausbauen. Und hat dafür eine Mannschaft von Spezialisten im kalifornischen Palo Alto sitzen, also in unmittelbarer Nähe von Google und Apple.


Kurz: Wer eine A-Klasse fährt, ist total hip. Der passendste Motor für Menschen mit sportlichen Ambitionen wäre von daher der 2,5-Liter-Benziner (211 PS/350 Nm). Der getestete 1,8-Liter-Diesel (109 PS/250 Nm) kann dem Topmodell in Sachen Fahrleistungen nicht das Wasser reichen. Er besticht dafür allerdings mit kräftigem Durchzug, recht kultiviertem Motorlauf – und mit Genügsamkeit. So verbraucht der A 180 CDI im realitätsnahen ADAC EcoTest 4,8 Liter Diesel pro 100 Kilometer. 

Auch längere, schnell gefahrene Autobahnetappen bringen die Nadel in der Tankanzeige kaum aus der Ruhe. 


Demgegenüber ist das Fahrverhalten des Mercedes A 180 CDI fast als ein wenig nervös zu bezeichnen. Das Auto reagiert sehr zackig auf jede Bewegung am Lenkrad. Das Fahrwerk teilt den Passagieren den Zustand der Straßen so unumwunden mit, dass selbst relativ harmlose Querfugen im Kreuz zu spüren sind. Dabei war im Testwagen kein Sport-, sondern das normale Komfortfahrwerk installiert. Eine etwas übertriebene Abstimmung. 


Als Alternative zur Handschaltung bietet Mercedes gegen Aufpreis ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DCT). Weil es mit extrem kurzen Schaltzeiten und nahezu ohne Zugkraftunterbrechung arbeitet, passt es gut zum sportlichen Charakter
der A-Klasse. Die ADAC Tester monieren jedoch, dass es beim Anbremsen und auch beim Herausbeschleunigen aus Kurven nicht immer gleich den richtigen Gang erwischt und dass es beim Anfahren träge einkuppelt. Sportlich orientierte Autofahrer, die gern selbst schalten, sind da mit dem manuellem Getriebe besser bedient. 


Dass die flache, coupéhafte Form der A-Klasse Nachteile beim Platz mit sich bringt, liegt auf der Hand. So ist der Kofferraum mit 245 Litern deutlich kleiner als der eines 1er BMW (siehe links). Die Sicht nach hinten ist mäßig. Im Fond der A-Klasse kommen nur Personen bis 1,77 Meter Körpergröße bequem unter. Allerdings, und das ist sehr erstaunlich, schlägt der Mercedes hier seinen Konkurrenten von BMW. Und schon jetzt scheint die neue A-Klasse viele Fans zu haben. Die Auftragsbücher sind voll, so Mercedes, längere Lieferfristen zum Teil unvermeidbar. 


Positive Reaktionen gab es auch bei unserer Testfahrt auf der Autobahn: Plötzlich tauchte der Kotflügel eines BMW X5 im Seitenfenster auf. Beim Blick hinüber schnellten vier Daumen in die Höhe. Die beiden BMW-Insassen waren völlig begeistert vom A-Benz. Bei der Entscheidung für das beste sportliche Kompaktauto hilft die Kostenbetrachtung kaum weiter. Ein vergleichbarer 1er BMW kommt mit einigen Extras auch leicht auf mehr als 30 000 Euro. Zumindest in diesem Punkt sollte der neue VW Golf künftig mitreden.


Konkurrenten: 1er BMW, Volvo V40


Vorteile:
  • Niedriger Verbrauch
  • Hohes Sicherheitsniveau
  • Viele Assistenzsysteme
Nachteile:
  • Wenig Platz im Fond/Kofferraum
  • Hartes Fahrwerk
  • Schwächen des Getriebes


Ergebnis im Detail  

(Werte zwischen 1 = sehr gut und 5 = mangelhaft) 

  • ADAC Urteil Technik/Umwelt: 2,4
  • Karosserie/Kofferraum: 2,8
  • Innenraum: 2,1
  • Komfort: 2,3
  • Motor/Antrieb: 2,2
  • Fahreigenschaften: 2,1 
  • Sicherheit: 1,6
  • Umwelt/EcoTest: 2,4 (4 von 5 Sternen)


Daten/Messwerte

  • Motor: 4-Zylinder-Turbodiesel
  • Hubraum: 1796 cm3
  • Leistung: 80 kW/109 PS
  • max. Drehmoment: 250 Nm (1400/min)
  • 0–100 km/h: 10,6 s
  • Vmax: 190 km/h
  • Testverbrauch: 4,8 l Diesel/100 km
  • innerorts: 5,5 l/100 km
  • außerorts: 4,2 l/100 km
  • Autobahn: 5,6 l/100 km
  • Länge/Breite/Höhe: 4,29/1,78/1,43 m
  • Kofferraumvolumen: 245–570 l
  • gemessene CO2-Emission: 154 g/km
  • Preis: 30.131 Euro

Noten im Zielgruppencheck

  • Fahrspaß: 2,3
  • Transport: 2,9
  • Langstrecke: 1,9
  • Preis/Leistung: 2,9

Interessanter Link




Ihr Kontakt zum ADAC: Hilfe, Rat und Schutz für Ihre Mobilität