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MPU: Reform dringend nötig

Schreckgespenst MPU: Rund 100.000 Kraftfahrer müssen jedes Jahr zur medizinisch-psychologischen Untersuchung, im Volksmund „Idiotentest“ – vor allem wegen Alkohol und Drogen. Nur wer den Test besteht, bekommt die Fahrerlaubnis zurück. 2011 fiel fast die Hälfte durch. Die MPU hat sich als Instrument der Verkehrssicherheit zwar bewährt. Doch es gibt entscheidende Schwächen: zu späte Info, fehlende Dokumentation und mangelnde Rechtsmittel. All dies kritisieren die ADAC Juristen seit Langem und fordern folgende Änderungen:


Dokumentation: Die MPU besteht aus drei Teilen: einem medizinischen Check, einem Leistungstest am Computer – bei zu vielen Fehlern soll eine Stadtfahrt mit Fahrlehrer und einem Psychologen Klarheit bringen – und einem psychologischen Gespräch. Schwachpunkt: Bislang wird die etwa einstündige Unterhaltung nur stichpunktartig dokumentiert. Die Lösung: Tonband- und/oder Videoaufnahmen. Das fordert der ADAC seit Jahren. „Eine Dokumentation hätte nur Vorteile“, sagt ADAC Jurist Dr. Markus Schäpe: „Für den Betroffenen, da das Gespräch nachprüfbar belegt wird, und für den Psychologen, der nicht mehr mitschreiben muss und sich besser auf das Gespräch konzentrieren kann.“


Frühere Information: Dass er zur MPU muss, erfährt der Betroffene erst sehr spät. Wer etwa mit mehr als 1,6 Promille angehalten wird und seinen Führerschein für zwölf Monate oder länger los ist, muss zur MPU, bevor er wieder fahren darf. Mitgeteilt wird ihm das aber erst, wenn er drei Monate vor Ablauf der Sperrfrist den Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis stellt. „Das ist für die Betroffenen ein Debakel“, sagt Schäpe, „denn sie haben wertvolle Zeit verloren.“ Zeit für eine seriöse (und dringend nötige) Vorbereitung auf die bis zu 750 Euro teure MPU. Oder für den Abstinenznachweis, der bei Alkohol- oder Drogenauffälligen oft als „Eintrittskarte“ zur MPU verlangt wird. Ähnlich wie bei Dopingkontrollen bitten die Prüfer kurzfristig zu Urin- oder Haarproben, sechsmal innerhalb von zwölf Monaten.


Rechtsmittel: Da hilft der beste Anwalt nichts, gegen die MPU gibt’s keine Rechtsmittel. Der ADAC fordert, dass die Anordnung gerichtlich überprüfbar ist. Bisher lässt sich nur die Entziehung oder die Verweigerung der Fahrerlaubnis anfechten.



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