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Risiko: Offene Türen

Der ADAC hat die Sicherheit auf Kreuzfahrtschiffen geprüft: Bei der Technik gibt es wenig zu bemängeln, bei deren Anwendung schon.




Wie sicher sind Kreuzfahrtschiffe? Seit der Havarie der Costa Concordia vor der italienischen Insel Giglio haben sich viele ADAC Mitglieder mit dieser Frage an den Club gewandt. Der schickte kurzerhand ein Experten-Team auf zehn häufig gebuchte Schiffe im Mittelmeer. Das Ergebnis der umfangreichen Sicherheitsstichprobe ist auf den ersten Blick erfreulich: zwei Mal die Note "sehr gut" für die Technik der beiden Aida-Schiffe. Der Rest: "gut" – bis auf die Costa Serena, die nicht bewertet werden konnte, weil die Reederei dem Kapitän die Zusammenarbeit mit den Testern verbot. Ansonsten zeigten sich die Crews in den meisten Fällen freundlich, hilfsbereit und im Umgang mit Passagieren professionell. Negative Ausreißer: Auf vier Schiffen (Norwegian Epic, MSC Fantasia, Navigator of the Seas, MSC Splendida) ließen die vorgeschriebenen Seenotrettungsübungen zu wünschen übrig. Teils, weil die Passagiere nicht nachhaltig genug zur Übung zusammengerufen wurden. Teils, weil die Instruktionen selbst zu oberflächlich waren. 


Ein weiteres – gravierendes – Problem: Fünf der zehn Schiffe im Test (Adventure of the Seas, Norwegian Epic, MSC Fantasia, MSC Orchestra, MSC Splendida) waren laut Schiffsleitung mit Ausnahmegenehmigungen ihrer Flaggenstaaten Panama oder Bahamas unterwegs, die es ihnen erlauben, auf See bestimmte Schotten im Unterschiff offen zu lassen. Das erleichtert der Mannschaft im Schiffsbauch die Arbeitsabläufe in Küche, Wäscherei oder Lagerräumen. Nach Ansicht von ADAC Experten eine gefährliche Praxis. Tester Kapitän Franz Lippold: „Im Notfall kann das Schließen offener Schotten vergessen werden oder die Technik versagen.“ Dann breitet sich eindringendes Wasser schnell im Rumpf aus.


Im Grundsatz schreibt die internationale UN-Konvention zur Sicherheit auf See (Solas) vor, alle wasserdichten Türen auf See geschlossen zu halten. Zugleich dürfen die Flaggenstaaten allerdings Ausnahmegenehmigungen erlassen. „Das ist eine Riesenschweinerei, aber völlig legal“, sagt Professor Stefan Krüger, Experte für Schiffssicherheit von der TU Hamburg-Harburg. „Ausnahmen sind international weit verbreitet“, bestätigt Ulrich Schmidt von der BG Verkehr, der deutschen Behörde für Schiffsicherheit. Für den ADAC steht fest: Die internationale Politik muss verhindern, dass die Ausnahme zur Regel wird. „Was nutzt die beste Sicherheitstechnik, wenn sie durch gesetzliche Schlupflöcher deaktiviert werden kann?“, sagt ADAC Vizepräsident Max Stich.


Bleibt für Kunden die Frage: Sind offensichtlich offene Schotten ein Rücktrittsgrund für eine bereits gebuchte Kreuzfahrt? Nein, nach derzeitiger Rechtslage nicht, sagen ADAC Juristen. Übrigens: Die Reederei Aida wirbt damit, dass auf ihren Schiffen die Schotten „zu jeder Zeit“ dicht sind.



Diese Tabelle können Sie hier im pdf-Format größer downloaden.


Weitere Details zu unserer Stichprobe finden Sie hier.


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