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Flüge nach Japan müssen erstattet werden

Welche Reiseziele sind durch die Atomkatastrophe in Japan gefährdet – und können Reisende kostenlos stornieren?

 

Wer eine Reise in den Nordosten Japans geplant hat, für den gilt die aktuelle Teilreisewarnung des Auswärtigen Amtes: Von nicht erforderlichen Reisen in diese Region wird abgeraten. Das bedeutet, dass die Reiseveranstalter kostenlos die Flüge stornieren.

Für den Süden Japans gilt diese Reisewarnung allerdings noch nicht. Für die Reise- und Sicherheitshinweise gibt es drei Kategorien: Reisehinweise enthalten Infos zu Einreisebestimmungen und medizinische Auskünfte. Sicherheitshinweise zeigen Risiken für Touristen auf, eventuell rät das Amt vom Urlaub ab. Reisewarnungen werden ausgesprochen, wenn akute Gefahr für Leib und Leben besteht. Sie fordern dringend dazu auf, Reisen zu unterlassen.

 

"Sicherheitsrisiko für ganz Japan"

 

In die zweite Kategorie der Sicherheitshinweise fällt der Großteil Japans: Die Reiseveranstalter sind nach der Einstufung des Auswärtigen Amtes nicht verpflichtet, die Anzahlungen der Urlauber zu erstatten, solange keine konkrete Gefährdung besteht. Es gibt aber weitere Kriterien, die kostenlose Reisestornos rechtfertigen. Silvia Schattenkirchner, Rechtsexpertin des ADAC, sagt: „In Japan liegt ein Fall der sogenannten höheren Gewalt vor. Darunter versteht man ungewöhnliche und unvorhersehbare Ereignisse, durch die eine Reise wesentlich erschwert, erheblich beeinträchtigt wäre oder zu einem unzumutbaren Sicherheitsrisiko wird. Das Sicherheitsrisiko liegt meiner Einschätzung nach derzeit für ganz Japan vor, so dass unabhängig von der Teilreisewarnung ein Kündigungsrecht besteht.“

Auch wenn sich der Reiseveranstalter anfangs weigert, das Geld zu erstatten, müssen sich die Kunden nicht geschlagen geben. „Letzten Endes muss das im Streitfall immer nachträglich ein Gericht klären, man kann daher im Vorfeld nur mutmaßen, wie ein Richter vermutlich entscheiden wird“, sagt Schattenkirchner. „Und meiner Ansicht nach ist derzeit von einem unzumutbaren Sicherheitsrisiko auszugehen. Die atomare Gefahr betrifft auch den Süden des Landes, so dass ein Gericht eine Kündigung für gerechtfertigt erachten dürfte. Wer aber eine Reise erst in zwei Wochen geplant hat, muss noch abwarten, wie sich die Situation weiter entwickelt. Legt sich die atomare Bedrohung, dürften vom Erdbeben verschonte Regionen durchaus wieder zu bereisen sein, womit ein Rücktrittsrecht dann entfällt.“

 

Amerika ist nicht gefährdet

 

Nach letzten Erkenntnissen steht der Wind für Reisende in die Pazifikregion günstig: Bis zum Wochenende weht in dem Gebiet um das beschädigte Atomkraftwerk Fukushima fast permanent kräftiger Westwind und trägt die Schadstoffe auf den Pazifik. Das sagte Martin Jonas, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach, der Nachrichtenagentur dpa. Außerdem sorge der starke Wind für eine gute Durchmischung: „Die Konzentration sollte schnell abnehmen.“ Es wird also keine dichte radioaktive Wolke den Pazifik überqueren und auf die Westküste Amerikas treffen – über diese Entfernung verteilen sich die Partikel.

Ein neues Tief, das sich östlich der japanischen Hauptinsel Honshu bildet, lässt den Wind etwa ab Dienstagmittag für einige Stunden auf nördliche Richtung drehen. Nordwind trägt die Schadstoffe in die Millionenstadt Tokio. Gegen Abend verstärkt sich der Wind laut Meteorologen und dreht wieder in west- bis nordwestliche Richtung. Diese für Japan günstige Westwind-Situation bleibt voraussichtlich bis in die zweite Wochenhälfte erhalten. Solange der Westwind weht, sind auch China, Korea, Indien und das beliebte Reiseziel Thailand nicht von der Atomkatastrophe bedroht. Die Tsunami-Warnung für den Pazifikraum wurde bereits aufgehoben – doch vor neuen Erdbeben ist die Region nie sicher.

Text: Julia Bähr (mit Material von dpa)


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