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Champion mit Teamgeist

Seit elf Jahren fährt Martin Tomczyk in der DTM: schnell, manchmal ganz vorn, aber oft nicht konstant. Vor der Saison versetzte Audi den 29-Jährigen in die zweite Reihe, gab ihm keines der vier aktuellen Fahrzeuge, sondern einen Vorjahreswagen. Mit diesem Auto fuhr der Rosenheimer so stark wie nie und wurde ein Rennen vor Saisonende Meister – der zweitbeste Jahreswagen-Fahrer Edoardo Mortara folgt auf Platz neun der Gesamtwertung. Von einer Jury aus Journalisten und ADAC Experten wurde Tomczyk zum ADAC Motorsportler des Jahres gewählt.

 

Motorwelt: Gratulation, Sie haben als erster Jahreswagenfahrer die DTM gewonnen. Wie haben Sie das geschafft?

Tomczyk: Schwer zu sagen. Am Anfang der Saison war allen klar, dass ich nicht um die Meisterschaft fahren werde. Ich wollte bester Jahreswagen-Pilot werden. Dass ich so konstant vorn mitfahren kann, war auch für mich eine Überraschung.

 

Was haben Sie besser gemacht als bisher?

Im vergangenen Jahr gab es viele Rückschläge. Dann ist es schwierig, sich immer wieder zu 100 Prozent zu motivieren. In dieser Saison bin ich befreiter als früher ins Auto eingestiegen. Ich wollte Spaß haben beim Fahren. Den habe ich gehabt.

 

Welchen Anteil am Erfolg hatte Ihr neues Team?

Einen sehr großen. Am Anfang war ich oft in der Eifel, um persönliche Beziehungen zum Team aufzubauen. Wir haben schnell eine Wellenlänge gefunden.

 

Was ist der Unterschied zwischen einem Neuwagen und einem Jahreswagen?

Bei den aktuellen Autos wurden im Winter vor allem das Fahrwerk und die Aerodynamik weiterentwickelt. Um diesen Vorteil auszugleichen, wurden die Jahreswagen 25 Kilo leichter gemacht. Aber bisher waren immer die neuen Autos vorn. Als erster Jahreswagen-Fahrer den Titel zu holen, stärkt dich. Du weißt, dass du einer der besten Piloten im Feld bist.

 

Wann haben Sie erfahren, dass Sie erstmals keinen neuen A 4 fahren dürfen?

Im Winter. Das war natürlich ein Rückschlag für mich. Als Sportler willst du immer das bestmögliche Material haben. Und das war ganz klar das aktuelle Fahrzeug.

 

Macht das wütend?

Wütend war ich nicht, aber enttäuscht und niedergeschlagen. Aber ich konnte an der Situation nichts ändern, also musste ich das Beste daraus machen: neues Team, altes Auto und neue Ziele. Dass es so perfekt funktioniert hat, ist natürlich auch eine gewisse Genugtuung.

 

Jetzt bekommen Sie sicher ein tolles Angebot von Audi für 2012.

Das werden wir sehen. Momentan genieße ich die Meisterschaft, und dann werden mein Bruder Tobias, der mein Manager ist, und ich uns mal zusammensetzen.

 

Was bedeutet der Einstieg von BMW für die DTM?

Das ist sehr wichtig. Einen dritten Hersteller haben sich alle lange gewünscht, jetzt haben wir ihn endlich. Ein Dreikampf ist immer schöner als ein Duell. Nächste Saison fahren alle Hersteller mit neuen Modellen, und BMW bringt sicher viele Fans mit an die Rennstrecken. Das wird ein ganz, ganz tolles und spannendes Jahr.

 

Und wo kriegt BMW die Fahrer her?

Mit Augusto Farfus und Andy Priaulx haben sie schon zwei, und man munkelt, dass Bruno Spengler von Mercedes wechselt. Gute Fahrer sind genügend auf dem Markt.

 

Da wäre der amtierende Meister doch gar nicht schlecht für BMW?

Tja, könnte sein (lacht).

 

Aber es könnte auch sein, dass Sie bei Phoenix bleiben?

Ja, ganz klar, falls ich bei Audi fahre. So wie ich mich ins Team eingebracht habe und das Team mit mir zusammengearbeitet hat, gibt es sicher keine Überlegungen, das Team zu wechseln.

 

Und was bringt die Zukunft noch? Wir haben gelesen, Sie heiraten sehr bald Ihre Verlobte Christina Surer?

Christina und ich sind uns sicher, dass wir zusammengehören. Wir werden heiraten, aber bestimmt nicht mehr in diesem Jahr.

 

Wissen Sie schon, wie lange Sie Rennen fahren? Gibt es einen festen Zeitrahmen, etwa bis 35 in der DTM, oder reizen Sie Ihre Karriere bis zum Ende aus?

Das mache ich an zwei Dingen fest: Erstens muss ich noch schnell genug sein. Und zweitens, das ist für mich das Wichtigste, muss ich Spaß am Rennfahren haben.

 

Wie fit muss ein Rennfahrer sein?

Fitness wird immer wichtiger. Im Cockpit haben wir Temperaturen von 50 Grad. Diese Hitze zu bewältigen und die ganze Renndauer von 70 Minuten zu 100 Prozent konzentriert zu bleiben, raubt viel Energie.

 

Michael Schumacher fährt mit 43 Jahren noch in der Formel 1. Was sagen Sie zu den Kritikern, die meinen, er sollte das in seinem Alter nicht mehr tun?

Ich glaube, Michael will nur Spaß haben und genießt das Rennfahren. Ihm geht es sicher nicht mehr darum, die Weltmeisterschaft zu gewinnen.

 

Gefährdet er nicht seinen Ruf, wenn er hinterherfährt?

Michael ist siebenfacher Weltmeister! Wenn jemand behauptet, dass der nicht mehr gut fahren kann, ist das einfach Käse.

 

Interview: Christof Henn, Mario Vigl



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