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Ein zu perfektes Angebot


Online-Autobörsen sind praktisch, können aber Gefahren bergen. Betrüger versuchen häufiger, mit verführerischen Angeboten Geld abzuzocken. Dazu hat die "Initiative sicherer Autokauf im Internet" (ISAK) eine repräsentative Umfrage unter Nutzern der Onlineseiten erstellen lassen. Das Ergebnis: Autokäufer im Internet sind deutlich vorsichtiger. Denn: Ein gesundes Maß an Misstrauen schadet nicht. 


Wer im Internet nach Gebrauchtwagen sucht, trifft auch auf Angebote, die viel zu günstig sind, um wahr zu sein. Da ist zum Beispiel die fast perfekt restaurierte Mercedes S-Klasse aus dem Jahr 1983. Sie glänzt wie frisch vom Band, bald ein echter Oldtimer. Marktwert: etwa 10.000 Euro. Kaufpreis: schlappe 3000 Euro. Das Inserat ist frisch. "Zugreifen!" schreit es da im Schnäppchenjäger. Doch wer sich von dem Angebot blenden lässt und vorab Geld überweist, ist es für immer los. Das Inserat war gefälscht. Das Fahrzeug existierte gar nicht, die Bilder wurden einfach aus dem Internet kopiert.


Der Trick ist fast so alt wie das Internet selbst. Dennoch fallen regelmäßig Auto-Interessenten darauf rein – unabhängig von Alter und Bildung, wie eine aktuelle und repräsentative Umfrage zeigt, in Auftrag gegeben von der Initiative Sicherer Autokauf im Internet (ISAK). Etwa 1000 Teilnehmer wurden gefragt, ob sie schon in direkten Kontakt mit einem möglichen Betrugsversuch gekommen sind, und wie vertrauenswürdig sie den Fahrzeugkauf im Netz einschätzen. Bereits seit 2007 existiert ISAK, ins Leben gerufen von ADAC, AutoScout 24 und mobile.de. Seit 2008 unterstützt auch die Polizei ISAK. Die Initiative sensibilisiert Nutzer von Online-Autobörsen für Sicherheitsfragen rund um den Autokauf und gibt hilfreiche Tipps.


Potenzielle Käufer sind zwar auch dank ISAK viel vorsichtiger, aber verunsichert und überraschend oft mit Betrugsversuchen beim Autokauf im Internet konfrontiert. Etwa ein Fünftel der Befragten stieß bereits auf verdächtige Angebote. Und diese Verunsicherung scheint um sich zu greifen. Sogar engsten Freunden und Vertrauten wird misstraut: Nur 32 Prozent der Befragten gehen hier von einem absolut sauberen Kauf aus, obwohl der Kaufvertragspartner ein guter Bekannter ist. 


Die Sorgen der Käufer: Hat das Fahrzeug versteckte Mängel? Ist der Tacho manipuliert? Ist es ein Scheinangebot? Und: Könnte jemand meine Daten missbrauchen, die ich im Internet preisgebe? Manipulation und Mängel bereiten den Kaufinteressenten das größte Kopfzerbrechen: 65 bis 90 Prozent der Befragten teilen die genannten Bedenken. 


Um sich bedenkenlos das Geld zu erschleichen, verlangen Betrüger häufig Vorkasse über Geldtransferunternehmen. Meist werden Beträge um die 3000 Euro als Anzahlung verlangt. Das scheint für viele Schnäppchenjäger eine entbehrliche Summe zu sein, eine Art Schmerzgrenze, wenn auch riskant. Übermittelt der Absender die Daten des Transfers, ist es für den Empfänger ein Kinderspiel, die Summe abzuheben. Er geht einfach zur Filiale, wohin das Geld adressiert wurde, weist sich als Empfänger aus und nimmt das Geld mit. 


AutoScout24 und mobile.de versuchen alles Machbare, um derartige Betrugsmaschen über ihre Portale abzuwehren. Jeder User kann bei AutoScout24 über einen Link auf bedenkliche Inserate hinweisen. Sind die Bedenken begründet, löscht AutoScout24 diese Inserate umgehend. Zudem arbeitet im Hintergrund ein selbstlernendes Filtersystem und ein Mitarbeiter-Team, das bei Auffälligkeiten die Inserate erst gar nicht online schaltet und sofort löscht. Alberto Sanz, Geschäftsführer bei AutoScout24, freut sich besonders über ein Umfrageergebnis: "75 Prozent der Befragten würden sich vor einem Autokauf aktiv über mögliche Gefahren informieren. Das ist ein Verdienst der ISAK."


Mobile.de wirkt Betrugsversuchen ebenfalls mit einer Mischung aus Mensch und Technik entgegen. "Wir verfügen über ein dreistufiges Sicherheitssystem aus Vorbeugung, Früherkennung und Nachverfolgung. Unsere gemeinsame Initiative ISAK ist dazu eine wichtige und sinnvolle Ergänzung", sagt Malte Krüger, Geschäftsführer von mobile.de.


Siegfried Bergles vom Geldtransferunternehmen Western Union rät grundsätzlich davon ab, unbekannten Menschen Geld zu überweisen, besonders beim Autokauf. "Money Transfer eignet sich dagegen sehr gut, Geldbeträge an Familienmitglieder und gute Bekannte in aller Welt zu senden", sagt Bergles. Das Unternehmen veröffentlicht regelmäßig Tipps, wie man sich vor Betrug schützen kann. Auch die Mitarbeiter werden geschult und angehalten, ihre Kunden nach Sinn und Zweck des Geldtransfers zu fragen, wenn es sich etwa um ungewöhnliche oder typische Beträge wie die 3000 Euro für den Autokauf handelt. 


Betrugsversuche sind im Netz allgegenwärtig. Wie viele Betrugsopfer es tatsächlich gibt ist unklar. Die Juristische Zentrale des ADAC erhält immer wieder Hilfe-Anrufe bei ihrer Rechtsberatung: "Die Umfrage spiegelt unsere Erfahrung wider und übertrifft sogar unsere Einschätzung", sagt Ulrich May, Sprecher von ISAK und Leiter der Juristischen Zentrale des ADAC. Aber die Ergebnisse zeigen dem ADAC auch: "Die Menschen sind deutlich sensibilisiert. 75 Prozent gaben an, dass sie sich vor dem Kauf eines Online-Angebotes gründlich informieren würden", sagt May. Trotzdem ist die Dunkelziffer der Betrogenen hoch. Denn viele Opfer fühlen sich von betrügerischen Verkäufern unter Druck gesetzt und zahlen lieber, bevor sie sich Rechtsbeistand holen. Sie nehmen lieber den Verlust in Kauf als den Ärger einer juristischen Auseinandersetzung. 


Grundsätzlich rät der ADAC davon ab, jegliche Form von Anzahlungen zu leisten oder den Kaufpreis in irgendeiner Form per Geldtransfer vorab zu schicken. Es empfiehlt sich stets, erst einmal Fahrzeug, Verkäufer und Fahrzeugpapiere zu sehen. Doch nicht nur Käufer sind potenzielle Betrugsopfer, auch Verkäufer. Sie sollten keine Schecks akzeptieren. Die könnten gefälscht sein. "Auch die Abwicklung eines Kaufes über ein Treuhandkonto kann gefährlich werden, da meist die Treuhandvereinbarungen unbekannt sind, vor allem wer wann auf das Geld Zugriff hat", sagt May. 


Wenn das Geld einmal transferiert ist, sind selbst der Polizei häufig die Hände gebunden. Denn die Drahtzieher sitzen nicht selten im Ausland oder unterhalten Briefkastenfirmen. Die Polizei nimmt die Anzeige auf und leitet sie weiter an die Staatsanwaltschaft. Doch häufig sind die Spuren der Betrüger nicht mehr nachzuvollziehen. "Wir raten grundsätzlich von jeglicher Vorkasse ab, speziell beim Autokauf", sagt auch Harald Schmidt von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Er mahnt zu besonderer Vorsicht bei virtuell angebotenen Fahrzeugen: "Jeder Kaufinteressent sollte sich wieder und wieder fragen, ob das Angebot nicht viel zu gut klingt, um wahr zu sein." 


In fünf Schritten zum sicheren Autokauf: Die wichtigsten Tipps von ISAK von der Suche bis zur Bezahlung.


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