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Erdbeben - die häufigsten Fragen und Antworten

Nach den Erdbeben in Italien versuchen viele Urlauber, die gebuchte Reise zu stornieren oder zumindest umzubuchen. Das verständlicherweise bestehende „ungute Gefühl“ reicht aber für eine kostenfreie Kündigung nicht aus. Der ADAC gibt Italienurlaubern Antworten auf die häufigsten reiserechtlichen Fragen.

 

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Kann ich meine Pauschalreise kostenfrei kündigen?

Das kommt darauf an, wie stark das jeweilige Gebiet vom Erdbeben betroffen oder ob der Erholungswert der Reise stark beeinträchtigt ist, d. h. die kostenlose Stornierung einer Pauschalreise hängt stark vom Einzelfall ab. Ein kostenfreier Reiserücktritt ist aus rechtlicher Sicht nur dann möglich, wenn ein Fall von sogenannter „höherer Gewalt“ vorliegt und die Reise dadurch erheblich erschwert, gefährdet oder beeinträchtigt wird. Wenn also der Urlaubsort aufgrund des Erdbebens nicht erreichbar ist oder Aufräumarbeiten den Erholungswert stark beeinträchtigen (z. B. wegen Lärm, Versorgungsschwierigkeiten oder einem stark eingeschränkten Angebot an Freizeitaktivitäten), kann man vom Reisevertrag kostenlos zurücktreten. Die Angst vor einem möglichen Nachbeben reicht als Reiserücktrittsgrund nicht aus. Nur wenn der Urlaub konkret gefährdet ist, etwa weil das Gebiet nicht erreichbar ist oder Brücken zerstört und Straßen verschüttet sind oder die konkrete Gefahr eines Nachbebens besteht, gilt dies als Rücktrittsgrund. Reisende sollten hier die Hinweise des Auswärtigen Amtes beachten (www.auswaertiges-amt.de) und sich mit ihrem Veranstalter in Verbindung setzen. Zudem hat die Italienische Zentrale für Tourismus (Enit) eine Hotline in mehreren Sprachen geschaltet (Tel. 0039.039.039039).

 

Was versteht man unter "höherer Gewalt"?

Eine für den Urlauber kostenfreie Kündigung des Reisevertrags ist nur möglich, wenn ein Fall von "höherer Gewalt" vorliegt. Darunter versteht man ungewöhnliche und unvorhersehbare Ereignisse, auf die der Reisende keinen Einfluss hat. Für ein Kündigungsrecht muss hinzukommen, dass die Reise durch das Ereignis vermutlich wesentlich erschwert, erheblich beeinträchtigt oder zu einem unzumutbaren Sicherheitsrisiko wird. Erdbeben und andere Naturkatastrophen gelten als "höhere Gewalt". Auch bei Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes trifft der Begriff zu.

 

Kann ich umbuchen?

Für den Fall, dass eine Kündigung wegen "höherer Gewalt" gerechtfertigt ist, muss der Reisende sich nicht auf eine Umbuchung durch den Veranstalter einlassen, sondern kann von seiner ursprünglich gebuchten Reise zurücktreten und zu Hause bleiben. Wer jedoch zu einem späteren Zeitpunkt reist, d. h. für den noch nicht vorhersehbar ist, wie die Situation im Zielgebiet sein wird, und ob zu diesem Zeitpunkt ein Kündigungsrecht wegen höherer Gewalt besteht, sollte ein Umbuchungsangebot des Reiseveranstalters zumindest in Erwägung ziehen. Wer gleich umbucht, fährt unter Umständen dann günstiger, als derjenige, der abwartet, wie sich die Situation entwickelt, und ob zu seinem Reisetermin ein Kündigungsrecht wegen höherer Gewalt besteht. Denn wenn sich die Situation am Urlaubsort zwar stabilisiert hat, man wegen eigener Bedenken den Urlaub aber doch lieber stornieren möchte, fallen Stornogebühren an - ein kostenloser Rücktritt ist dann nicht möglich, weil kein Fall von "höherer Gewalt" mehr vorliegt.

 

Kann ich stornieren, wenn ich meine Unterkunft direkt gebucht habe?

Reisende, die auf eigene Faust gebucht haben (d. h. nicht über den Reiseveranstalter), sich also einzelne Bausteine, zum Beispiel Mietwagen, Flug und Unterkunft, individuell zusammengestellt haben, müssen sich mit den einzelnen Anbietern auseinandersetzen. Hierbei sollte beachtet werden, dass auf die einzelnen Buchungen das Recht des Gastgeberlandes (italienisches Recht) Anwendung findet. Eine übereilte Kündigung ist nicht zu empfehlen! Denn wenn Stornogebühren berechnet werden, muss unter Umständen ein italienisches Gericht (langwierige Verfahren mit hohem Kostenrisiko!) entscheiden, ob eine kostenfreie Kündigung möglich war. Es sollte daher versucht werden, eine Einigung oder Umbuchung mit dem Anbieter zu erzielen.


Kosten bei vorzeitigem Reiseabbruch

Bei vorzeitiger Kündigung der Reise aufgrund eines Ereignisses der „höheren Gewalt“ verliert der Reiseveranstalter den Anspruch auf den Reisepreis für die gebuchten Urlaubstage nach dem Reiseabbruch. Die Mehrkosten für die (verfrühte) Rückbeförderung müssen Reiseveranstalter und Kunde jeweils zur Hälfte tragen.

 

Was bringt die Reiserücktrittsversicherung?

Sie ersetzt dem Reisenden im Falle des Rücktritts die Storno- und gegebenenfalls Rückreisekosten. Sie verhilft jedoch nur in bestimmten Fällen zum kostenlosen Rücktritt von einer gebuchten Reise: Versicherte Risiken sind Ereignisse, die im Bereich des Versicherten liegen, z. B. Krankheit, Impfunverträglichkeit, Schwangerschaft, Tod eines nahen Angehörigen oder Unfall. Andere Risiken wie z. B. Umweltkatastrophen oder speziell Erdbeben deckt diese Versicherung nicht.


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