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Februar 2012: Deutschland im Dauerfrost, Gelbe Engel im Dauereinsatz

Deutschland in Eis und Schnee – Autofahrer und ADAC Straßenwachtler im Dauerstress: Schlappe Batterien, eingefrorene Diesel. Bis zu 27 500 Pannen wurden pro Tag behoben. Trotzdem gab es leider Wartezeiten.

 

 

Die Temperaturanzeige in seinem gel­ben Ford S-Max zeigt elf Grad minus an. „Ist ja richtig mild“, sagt Florian Fröhmer. Trotz Eiseskälte, Dauerstress und Überstunden hat der 37-jährige ADAC Stra­ßenwachtfahrer seinen Humor nicht verlo­ren. Der Kälte trotzt er mit warmer Skiunterwäsche, dem Stress mit positivem Denken. Fröhmer sagt: „Es ist ein gutes Gefühl, gebraucht zu werden.“ Fröhmer ist einer von mehr als 1700 Gel­ben Engeln des ADAC, die vor allem An­fang Februar pausenlos im Einsatz waren. Klirrender Frost quer durch die Republik ließ reihenweise Batterien schlappmachen und Diesel einfrieren. In Sachsen-Anhalt wurden in Spitzenzei­ten minus 25,7 Grad gemessen, in Oberst­dorf waren es minus 28. Aber auch in sonst wärmeren Regionen wie Frankfurt, Nordrhein-Westfalen oder im Saarland gab es massenweise Frostopfer. In nur zehn Tagen rückten die Gelben Engel bundesweit zu 228 562 Einsätzen aus – doppelt so oft wie sonst in dieser Jahreszeit. Trotzdem muss­ten viele Autofahrer teils stundenlang war­ten, bis Hilfe kam. „Wir haben alle Kräfte mobilisiert, die wir auftreiben konnten“, bringt es ein Einsatzstellenleiter auf den Punkt. „Aber das war wirklich eine Aus­nahmesituation. Wir können nur um Ver­ständnis bitten.“

 

Auch Florian Fröhmer trifft in diesen Tagen immer wieder auf verärgerte Auto­fahrer. „Kein Wunder“, findet er. „Wer stundenlang in der Kälte warten muss, macht seinem Frust erst einmal Luft. Wenn sie sich dann bei mir im Straßenwachtfahr­zeug aufwärmen und ich ihr Auto zum Laufen bringe, sind die meisten wieder mit dem ADAC versöhnt.“ Seit 6.30 Uhr ist Fröhmer an diesem Donnerstag, dem 9. Fe­bruar, in München und Umgebung unter­wegs. Auch an diesem Tag wird er wieder von einem liegen gebliebenen Fahrzeug zum nächsten eilen, 20 Pannenhilfen am Tag sind sein bisheriger Rekord.


Der aktu­elle Einsatz wartet schon ein paar Straßen weiter. Ein Opel Corsa will nicht ansprin­gen. „Wird wohl die Batterie sein“, vermutet Fröhmer. Bei minus 10 Grad sinkt die Speicherkapazität von Batterien auf 65 Prozent, bei minus 20 sind es nur noch 50 Prozent. „Wenn dann noch die Heizung auf Hochtouren läuft, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Batterie keine Power mehr hat.“ Bevor Fröhmer seinen Einsatzort erreicht, ruft er beim Mitglied an: „Grüß Gott, Fröhmer vom ADAC, in fünf Minuten bin ich bei Ihnen.“ – „Oh, der Mann des Tages“, sagt die weibliche Stimme am anderen Ende der Leitung, „Sie schickt der Himmel.“ Mehrfach, so erzählt die Dame wenig später, habe sie versucht, beim ADAC durchzukommen. Während Fröhmer dem Wagen Starthilfe gibt, erklärt er die Situation: „Wir haben zurzeit Tausende von Anfragen, die Telefone sind total überlastet, aber wir tun unser Bestes.“ Keine Minute später läuft der Opel wieder. Die Besitzerin bedankt sich: „Sie sind mein Retter.“

 

Unterstützung in Sachen Verständnis-Werbung bekamen die Gelben Engel auch über die sozialen Netzwerke im Internet. Kaum gingen dort Beschwerden über lange Wartezeiten ein, kamen sofort Gegenreaktionen von anderen Facebook-Nutzern: „Überlegt doch mal, es geht Tausenden von Leuten genauso wie euch.“ Allerdings brauchten die Clubmitglieder während der Frosttage tatsächlich viel Geduld, am meisten am 2. Februar: 27 512 Mal mussten die Helfer an diesem Tag ausrücken. Zehn Anrufe pro Sekunde (!) gingen in den Pannenhilfezentralen ein, teilweise hörten die Mitglieder nur noch eine Bandansage. Hier half oft das Internet. Per Onlineformular oder ADAC Pannenhilfe App konnten Autofahrer Probleme melden. Dennoch kam es zu Wartezeiten von vier bis acht Stunden. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt Fröhmer, der seit 2007 als Straßenwachtfahrer arbeitet. „Als ich einem Wagen Starthilfe gab, stürmten gleich drei andere Autofahrer auf mich zu und baten um Hilfe.“ Diese „externen Pannen“ übernehmen die Gelben Engel in Notsituationen natürlich auch.

Text: Verena Gaspar


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