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Röhrchenpflicht in Frankreich sorgt erneut für Ärger

Seit dem 1. Juli muss in jedem Auto, das in Frankreich unterwegs ist, ein Alkoholtest an Bord sein. Damit sollen Autofahrer nach alkoholischen Getränken selbst testen, ob sie noch fahren dürfen. Eine vieldiskutierte Neuerung, die nun schon wieder Ärger macht.

Umweltschützer haben jetzt Alarm geschlagen: Sie halten die Einwegtests für gefährlich, die wegen ihres niedrigen Preises elektronischen Tests meist vorgezogen werden. Die Pusteröhrchen enthielten Kaliumdichromat, sagt der Präsident der französischen Sektion der Umweltschutzorganisation Robin Wood, Jacky Bonnemains. Dieser Stoff gilt als krebserregend, sehr giftig, brandfördernd, umweltschädigend, erbgutverändernd und fortpflanzungsgefährdend.

Deswegen ist auch die Entsorgung der Tests offenbar problematisch. Kaliumdichromat ist vor allem für im Wasser lebende Organismen sehr giftig. Werden die Tests im Hausmüll entsorgt, kann das zu erheblichen Umweltproblemen führen. Daher hat Robin Wood bereits einen Brief an das Umweltministerium geschrieben. Sie möchte, dass das Ministerium prüft, ob andere Tests eingesetzt werden könnten, die weniger gefährlich sind. Vor allem aber fordert sie eine Regelung, die besagt, dass benutzte oder abgelaufene Alkoholtester dem Sondermüll zugeführt werden müssen.

Tatsächlich ein erstrebenswertes Ziel, denn die Tests sind nicht ewig haltbar: Nach maximal ein bis zwei Jahren müssen neue her, die alten wandern in den Müll. Das ist bei geschätzten 80 Millionen Einheiten, die pro Jahr auf den Markt kommen, ein ganz schöner Berg.

Ein weiteres Problem: Die Tester sind längst nicht überall erhältlich. Damit die französische Polizei die Alkoholtester anerkennt, müssen sie nach der „Norme française“ zertifiziert sein. In Frankreich sind diese Röhrchen aber derzeit ausverkauft, in Deutschland sind sie ebenfalls nur schwer zu finden.

Noch dazu besteht weiterhin die Frage, wie sinnvoll die ganze Maßnahme überhaupt ist. Denn Einmal-Alkoholtester sind sehr ungenau. „Wir sehen das Ganze skeptisch, denn ein Fahrer sollte genügend Selbsteinschätzung besitzen, wenn er sich ans Steuer setzt“, sagt der Leiter Internationales Recht aus der juristischen Zentrale des ADAC, Michael Nissen. Und auch Frankreichs Präsident François Hollande gab kürzlich zu, ein Alko-Schnelltest könne Autofahrer in die Irre führen.

Sinnvoll oder nicht, noch muss in Frankreich niemand etwas befürchten oder gar wegen Ermangelung eines Alkohol-Testers auf seinen Urlaub dort verzichten: Der ADAC weist darauf hin, dass die Mitführpflicht für Tests zwar seit dem 1. Juli besteht, Bußgelder sollen aber erst ab November verhängt werden. Wer davor ohne Alko-Tester im Auto erwischt wird, wird lediglich ermahnt und auf die neue Regelung hingewiesen.

Der ADAC empfiehlt, die Tests im Kofferraum oder unter einem Sitz aufzubewahren. Das Handschuhfach oder die Mittelkonsole sind keine geeigneten Orte für die Pusteröhrchen, da sie weder starke Hitze noch große Kälte vertragen. Und natürlich sollten Kinder sie auf keinen Fall in die Hände bekommen.


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