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Formel-1-Pilot Sutil im Gespräch

Der Deutsche Adrian Sutil fährt seit vier Jahren in der Königsklasse des Automobilrennsports. In der laufenden Saison belegte der Force-India-Pilot zweimal Platz fünf und duelliert sich mit Michael Schumacher um Rang neun in der WM-Wertung. Bei der Vorstellung des Rennspiels "F1 2010" sprach Sutil mit dem ADAC über den ungewöhnlichen Beginn seiner Motorsportkarriere, das Comeback des siebenmaligen Formel-1-Weltmeisters und den Realismus von Computerspielen.

 

Bis zum Alter von 13 Jahren waren Sie ein talentierter Nachwuchspianist. Wie wird man vom Klavierspieler plötzlich zum Rennfahrer?

 

Das habe ich meinem Bruder zu verdanken, der mich damals nach langen Überredungsversuchen praktisch auf eine Kartbahn mitgeschleift hat. Die ersten zehn Minuten haben mir enorm viel Spaß gemacht, und am nächsten Tag war ich wieder dort, um mich zu verbessern. So wurde meine Leidenschaft für den Rennsport geweckt. Mir hat beim  Pianospielen immer das Adrenalin gefehlt. Die Entdeckung des Motorsports war einfach grandios für mich – es war genau das, was ich wollte.

 

Was haben Ihre Eltern als Berufsmusiker zu Ihrer Entscheidung gesagt?

 

Zuerst waren sie natürlich etwas enttäuscht, weil der Rennsport eine ganz andere Welt ist als die der klassischen Musik. Aber als sich gezeigt hat, dass ich Talent und Erfolg habe, haben sie mich natürlich unterstützt.

 

Ihr Team Force India belegt derzeit Rang sechs in der WM-Wertung, Sie selbst lagen nach dem Grand Prix von Belgien kurzzeitig einen Platz vor Michael Schumacher. Überrascht Sie das?

 

Es macht großen Spaß in dieser Saison. Natürlich möchte ich auch in den kommenden fünf Rennen weitere WM-Punkte sammeln. Nach dem Rennen in Spa lag ich einen Punkt vor Michael, inzwischen bin ich leider wieder um einen Zähler zurückgefallen. Unser Duell ist sicher nicht so spannend wie das um die WM-Führung, aber man möchte natürlich den Fahrer, der noch in Reichweite ist, überholen. Und das ist zum Glück Michael Schumacher.

 

Verstehen Sie Schumachers Entscheidung, nach drei Jahren Pause wieder in den Formel-1-Zirkus zurückzukehren?

 

Mir wäre es in dieser Zeit zu Hause wahrscheinlich auch langweilig geworden, deswegen kann ich gut nachvollziehen, warum er zurückgekommen ist. Der Rennsport ist seine Leidenschaft und sein Leben. Ich glaube, er fühlt sich sehr wohl in der Formel 1.

 

Ist es für jüngere Fahrer wie Sie ein Ansporn, gegen den siebenmaligen Weltmeister zu fahren?

 

Natürlich, ich will auf der Strecke gegen die Besten antreten. Und Michael Schumacher ist einer der besten Fahrer. Es ist schön, dass er wieder dabei ist.


Täuschend echt: Adrian Sutils Arbeitsplatz im Computerspiel "F1 2010" (erschienen bei Codemasters für PC, X-Box und Playstation 3)

 

Sie haben gerade das Rennspiel "F1 2010" vorgestellt. Können Sie sich mit solchen Spielen in der Winterpause tatsächlich auf die nächste Saison und auf neue Rennstrecken vorbereiten?

 

Ja, besonders die jungen Piloten nutzen diese Möglichkeit intensiv. Mir macht es zum Beispiel großen Spaß, unter einem Pseudonym online gegen Leute zu spielen, die man gar nicht kennt. Zu Hause spiele ich auch gern gegen Freunde, ich bin also ein richtiger Zocker. Ich kenne aber auch Fahrer, die Rennspielen nichts abgewinnen können.

 

Wie realistisch spiegeln solche Spiele Ihren Arbeitsplatz im Formel-1-Cockpit wider?

 

Die Strecken sind sehr detailgetreu dargestellt. Auch die Autos sind sehr gut gemacht, sowie das Fahrverhalten. Natürlich können die Fliehkräfte am Bildschirm nicht simuliert werden und die Autos sind in Wirklichkeit im Grenzbereich viel schwieriger zu bewegen als in einem Computerspiel.

 

Neben den Teams und Autos kommen im Spiel auch die Fahrer der Saison 2010 vor. Ist es nicht seltsam, sich selbst als Spielfigur auf dem Bildschirm zu sehen?

 

Im Gegenteil, ich finde das cool. Schließlich war ich früher extrem hinter diesen Spielen her. Ich habe immer alle bis zum Ende durchgespielt und davon geträumt, eines Tages einmal selbst in einem Formel-1-Spiel vorzukommen. Jetzt habe ich es geschafft.

 

Interview: Jochen Krauß


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