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"Hilfe, Rat und Schutz - darum geht es"

Dr_Markl

ADAC Präsident Dr. August Markl ist angetreten, die Glaubwürdigkeit des Clubs wiederherzustellen – mit neuer Struktur, neuem Leitbild und verstärkter Mitgliedereinbindung. Im Motorwelt-Interview spricht er über die drei Säulen, auf denen der ADAC künftig stehen soll.

 

Motorwelt: Herr Dr. Markl, in einem langen Berufsleben als Radiologe haben Sie gelernt, komplexe Strukturen zu durchschauen – kommt Ihnen das als ADAC Präsident zugute?

Dr. August Markl: Natürlich. Auch als Mediziner musste ich nicht nur einzelne Bilder analysieren, sondern unterschiedliche Situationen und ganze Organismen. Sie haben sicher recht, dass mir diese Fähigkeit in den vergangenen Monaten dabei geholfen hat, auch im ADAC Schwachstellen zu lokalisieren.

 

Sie wissen als Arzt auch, dass eine Therapie oft eine langwierige Sache ist. Wie viel Zeit braucht der ADAC für seine Reform?

Wir sind auf einem guten Weg, haben bereits wichtige Reformprojekte realisiert. So haben wir etwa ein neues Leitbild formuliert, bei dem "Hilfe, Rat und Schutz" und die Bedürfnisse der Clubmitglieder bewusst im Mittelpunkt stehen. Wir haben das gesamte ADAC Angebot – genauer gesagt mehr als 360 Leistungen und Produkte – durchforstet und sind gerade dabei, herauszufinden, was künftig noch zum ADAC passt und was nicht. Und wir halten uns an sehr klare, neue Verhaltensregeln; das Stichwort heißt neudeutsch "Compliance", also Regeltreue. Es gibt aber im kommenden Jahr noch viel zu tun: Wir werden den Verein noch stärker von den wirtschaftlichen Aktivitäten trennen und zudem eine gemeinnützige Stiftung gründen. Den Gesamtprozess können wir wahrscheinlich erst 2016 abschließen.

 

Worin liegt denn der Vorteil der neuen ADAC Struktur?

Oberstes Ziel ist, dass wir – und ich sage ganz bewusst wir, denn die Reform ist eine große Teamleistung – den Verein erhalten und sicher für die Zukunft aufstellen. Um das hinzubekommen, setzen wir auf ein 3-Säulen-Modell mit dem Idealverein ADAC e. V., einer Aktiengesellschaft und einer gemeinnützigen Stiftung. Ich bin überzeugt, dass wir den ADAC damit in eine gute Zukunft weiterentwickeln können.

 

Wird diese Entscheidung von allen im ADAC mitgetragen?

Ja, ausnahmslos. In der Hauptversammlung ist die Resolution zur "Reform für Vertrauen" einstimmig angenommen worden. Das war ein überwältigendes Erlebnis und ein tolles Ergebnis, darüber bin ich sehr, sehr froh. Ebenso, dass auch die Mitarbeiter voll hinter dem Reformprozess stehen und so engagiert mitarbeiten.

 

Eine neue Struktur mit Tochtergesellschaften in einer AG – das klingt nach kommerzieller Ausrichtung. Wird der ADAC im Zuge dieser Strukturreform an klassischen Mitgliederleistungen sparen müssen?

Nein, an den Leistungen für unsere Mitglieder wird nicht gespart, ganz im Gegenteil. Künftig gilt nur noch die Prämisse "Das Mitglied steht im Mittelpunkt". Danach richten wir alles aus, auch unsere Produktpalette. Was diesen Anspruch nicht erfüllt und keinen Mitgliedervorteil bietet, wird es künftig nicht mehr geben.

 

Setzt der ADAC dann trotzdem so stark auf Wachstum wie in der Vergangenheit?

Wachstums- oder Umsatzsteigerungen an sich sind keine primäre Zielvorgabe mehr beim ADAC. Unser neues Leitbild sagt ganz deutlich, was wichtig ist: die Zufriedenheit der Mitglieder, optimaler Service und vor allem Hilfe, Rat und Schutz – darum geht es. Natürlich sind wir einem Wachstum an sich nicht abgeneigt, allerdings nur, wenn es sich als Folge der eben genannten Bemühungen ergibt.

 

Im neuen Leitbild wird auch die Gewinnerzielungsabsicht thematisiert ...

... ja, in dem Sinne, dass sie nicht im Mittelpunkt steht. Das unterscheidet den ADAC übrigens klar von "klassischen" Unternehmen, bei denen Profit an erster Stelle kommt. Der ADAC ist aber eben auch keine Wohltätigkeitsorganisation, sondern muss auch weiterhin unternehmerisch handeln und erfolgreich sein. Allein, um unsere zahlreichen Mitgliedschaftsleistungen finanzieren und die Beiträge stabil halten zu können.

 

Was ist der Markenkern des ADAC?

Der Dreiklang aus Hilfe, Rat und Schutz. Er beschreibt exakt, was den ADAC ausmacht. Aus diesen drei Begriffen speist sich im Kern auch das, was wir für unsere Mitglieder leisten.

 

Das sind ja auch die zentralen Begriffe im neuen Leitbild. Gibt es außer dem Leitbild weitere Reformschritte, die bereits angepackt wurden?

Ganz wichtig ist die weitere Stärkung von Kompetenz und Unabhängigkeit im Verbraucherschutz – dort haben wir neue Spielregeln definiert und wenden sie bereits konsequent an. Der Grundsatz lautet: "Gleichzeitiges Testen und Verkaufen geht nicht." Deshalb entscheiden wir – immer im Sinne der Wünsche unserer Mitglieder –, was für sie und ihre persönliche Mobilität wichtiger ist: unabhängiger Verbraucherschutz oder attraktive Produkte. So haben wir zum Beispiel den Verkauf von Kindersitzen aufgegeben, weil den Mitgliedern wichtiger ist, dass wir Kindersitze auf Herz und Nieren testen. Kaufen lassen die sich überall. Andererseits testen wir keine Autobatterien mehr, weil unsere Gelben Engel diese im Notfall – mit einem großen Rabatt – an Mitglieder verkaufen. Alles zielt also darauf ab, unser Portfolio sinnvoll zu bereinigen und im Mitgliedersinne das Wesentliche und Beste beizubehalten.

 

Es gab von einigen Medien Kritik an der anwaltlichen Nebentätigkeit von Verantwortlichen in den Regionalclubs. Ist das ein Problem? Lässt es sich lösen?

Wir haben bereits eine gute, sinnvolle Lösung gefunden, was die Berufung von Vertragsanwälten angeht. Absolute Transparenz und doppelte Kontrolle sind hier das Thema. Die mehr als 600 Vertragsanwälte leisten mit ihrer Rechtsberatung einen wichtigen Beitrag im Rahmen der Clubmitgliedschaft, denn für das erste Beratungsgespräch entstehen Mitgliedern keine Kosten. Darauf wollen und werden wir auch künftig nicht verzichten. Darüber hinaus: Alle Vertragsanwälte hatten zuerst ihren Job, bevor sie zusätzlich ein Ehrenamt im ADAC übernommen haben.

 

Laut Leitbild soll eine bessere Mitgliedereinbindung erreicht werden. Wie soll das konkret aussehen? Wie kann das Mitglied künftig stärker mitwirken im ADAC?

Wir sorgen dafür, dass der Zugang zu den Mitgliederversammlungen der einzelnen Regionalclubs einfacher wird, eine Online-Anmeldung möglich ist und die aktive Teilnahme deutlich unkomplizierter wird. Bereits heute sind Einzelmitglieder in der Hauptversammlung des ADAC vertreten, und ich hoffe, dass es künftig noch mehr werden. Darüber hinaus stärken und intensivieren wir den Dialog. Wir werden unsere Mitglieder umfassender über alle zur Verfügung stehenden Kanäle informieren und ihnen die Möglichkeit geben mitzureden – zum Beispiel in Internet-Panels oder -Foren. Hier arbeiten wir bereits an entsprechenden Angeboten.

 

Welches persönliche Ziel haben Sie sich für Ihre Amtszeit gesetzt?

Ich werde alles daran setzen, die Glaubwürdigkeit des ADAC wiederherzustellen. Das ist mein wichtigstes Ziel. Neue Glaubwürdigkeit wird das Vertrauen der Mitglieder und der Öffentlichkeit, aber auch der Mitarbeiter in den ADAC stärken, da bin ich mir ganz sicher.

 

Haben Sie selbst die Gelben Engel schon mal gebraucht?

Ja, ein Mal mit meinem Oldtimer. Der Schlüssel war abgebrochen und ein Gelber Engel hat ihn aus dem Lenkradschloss "herausoperiert". Bereits nach wenigen Minuten konnte ich dank des Ersatzschlüssels weiterfahren.

Interview: Claus Christoph Eicher, Martin Kunz


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