Ist das E-Auto das bessere Auto?

Photo by Christian Bittmann

Annäherung an eine zentrale Frage für die Zukunft der Mobilität – als Laie

Als ich mich 2011 bei Twitter angemeldet habe, ging es auf der offiziell als „Kurznachrichtendienst“ firmierenden Social Media Plattform in erster Linie um schlechte Wortspiele. Inzwischen gehört Twitter jedoch zu den schnellsten, interessantesten, aber auch kontroversesten Umfeldern für gesellschaftlichen Dialog. Egal, was in der Welt passiert – auf Twitter bekommt man es schneller mit als in den Nachrichten. Und die einschlägige Diskussion bekommt man direkt frei Haus mitgeliefert. Journalisten, Experten oder Normalos wie du und ich – auf Twitter kann jeder mitfeiern, dem es gelingt, eine stabile Internetverbindung und einen Twitter-Account einzurichten. Wo sonst gibt es die unmittelbare Chance, dass dir ein Bundesminister antwortet, eine Tagesschau-Sprecherin oder ein Top-Journalist?

Einige halten es für einen Nachteil, dass jeder mitreden kann. Es ist wie bei „Markus Lanz“, nur dass 20.000 Gäste auf der Bühne sitzen. Vom Promi über den Wissenschaftler und den Politiker bis hin zum Kindergärtner aus Wanne-Eickel. Ich finde das interessant. Themen, die jeden angehen, sollten auch von jedem diskutiert werden dürfen. Man muss ein paar extreme Meinungen aushalten und auch einige Beleidigungen, aber letztendlich gibt es für mich kein besseres Medium, um möglichst alle Seiten einer Medaille zu betrachten. So war es auch Twitter, wo ich die ersten guten Meinungsaustäusche über Elektroautos verfolgt habe.

E-Auto: Rettung der Welt oder Öko-Hysterie?

Ich neige nicht dazu, mich schnell von einer Meinung euphorisieren zu lassen. Nur weil jemand von etwas begeistert ist, muss es nicht richtig sein. Ich meine, es gibt ja beispielsweise auch Fans von Schalke 04. Ich mag Fakten, die ich nachvollziehen kann, um mir eine Meinung zu bilden. Aussagen wie „Elektroautos sind die einzige Möglichkeit, die Welt zu retten“ waren mir daher genauso zu substanzlos, wie ein pauschales „Elektroautos sind noch viel schlimmer als Verbrenner“. Aber wo anfangen, wenn man etwas fundierter an die Frage herangehen möchte? Denn man stößt auf viele absurde Behauptungen. Etwa, ob man wüsste, dass die Batterien aus den Elektroautos so giftig sind, dass Tesla deswegen hunderttausende alte Batterien in der Wüste von Nevada in Säurebottichen unter der Erde lagert, weil es zu riskant ist, sie zu recyceln.

Es gibt aber auch Fragestellungen zum Thema E-Auto, die nicht mit einer 30-Sekunden-Googlerecherche schnell zu beantworten sind. Kann für den Abbau der Rohstoffe, die man für den Bau von Batterien benötigt, Kinderarbeit ausgeschlossen werden? Wie sind die Arbeitsbedingungen? Oder: Übersteigt in der Gesamtwertung inklusive Herstellung und Entsorgung die Klimabilanz eines E-Autos nicht womöglich den CO2-Verbrauch eines herkömmlichen Benziners?

Ich habe neulich zufällig mit einem sehr bekannten deutschen Schauspieler über Klimawandel und Zukunft gesprochen. Er ist davon überzeugt, es gäbe nichts klimafreundlicheres als seinen alten Golf, den er seit 20 Jahren fährt und der in seinem langen Lebenszyklus daher schon so viel CO2 eingespart hat, dass kein neues E-Auto da jemals rankommen würde. Stichwort Nachhaltigkeit im Sinne von: wenig neu produzieren.

Batterien für E-Autos: Öko-Katastrophe oder kleineres Übel?

Nun, es gibt seriösere Quellen als anekdotische Schauspielermeinungen über die Romantik, die ein 20 Jahre alter Kleinwagen innehat. Ich habe mit Luisa Neubauer über Klimaschutz und E-Autos gesprochen, genauso wie mit Lars Klingbeil oder Topmanagern von Porsche. Mir ist bewusst, dass der Abbau von Aluminium, Kobalt, Nickel, Mangan, Kupfer, Lithium oder Graphit, der für E-Autos (genau so übrigens wie für Smartphones oder Laptops) benötigt wird, weitreichende soziale und ökologische Konsequenzen hat. Hier müssen Konzepte für möglichst hohe Standards im Bereich Umwelt und Arbeitsschutz entwickelt und durchgesetzt werden.

Der für mich zentralste Punkt, der mich letztendlich überzeugt hat, ist aber: Im Gegensatz zu Rohöl haben die für Elektroautos wichtigen Materialien - insbesondere die für die Akkumulatoren wie beispielsweise Kobalt, Nickel und Kupfer- den Vorteil, fast vollständig recycelbar zu sein. Zudem können ausrangierte Antriebsbatterien noch jahrelang als stationäre Stromspeicher verwendet werden. Perspektiven, die es bei Verbrenner-Motoren so nicht geben kann.

Das war auch mein persönlicher Kipppunkt. Der Moment, an dem ich dachte: Jetzt steige ich um. Klar hatte ich auch ich Bedenken, beispielsweise bei der Reichweite von Elektroautos, aber unstrittig ist: 2019 wurden etwa 18 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes durch Straßenfahrzeuge produziert. Hier muss sich etwas ändern, sonst wird es mit Zielen wie 1,5 Grad und anderen wichtigen Maßnahmen, die wir benötigen, um unsere Erde langfristig bewohnbar zu halten, schwierig bis aussichtslos.

Bleibt zu erörtern: Ist das nur meine Meinung oder sieht das auch die Wissenschaft so? Nun, es gibt Studien, die sagen, ein E-Auto ist kaum besser als herkömmliche Verbrenner. Andere Studien sagen das Gegenteil. Die meisten Wissenschaftler, die sich intensiv mit Klima auseinandersetzen, ebenfalls. Die sagen zumeist noch dazu, dass nicht nur der Wechsel von Verbrenner auf E-Auto wichtig ist, sondern auch, dass der weltweise Zuwachs an Autos gebremst werden muss. Da gibt es Hoffnung, denn mit modernen Konzepten wie Car-Sharing trifft man auf eine neue, urbane Generation, die – zumindest in der Großstadt – gar kein eigenes Auto mehr möchte.

Dazu kommen Fragen wie: Selbst, wenn wir alle auf E-Auto umsteigen würden, wäre das die Lösung? Und ist der dadurch entstehende Strombedarf überhaupt abzudecken? Die Antworten, die ich darauf gefunden habe, waren eindeutig. Natürlich muss man vorwegschicken: Ob ein Verkehrsmittel umweltfreundlich ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Neben dem Verbrauch sind das etwa Treibhausgase, Luftschadstoffe oder der Energieaufwand für Produktion, Nutzung und Recycling eines Fahrzeuges nebst aller seiner Komponenten. Als Faustregel könnte man definieren: Je sauberer der genutzte Strom während der Produktion und des Betriebs ist, umso besser die Umweltbilanz. E-Autos schneiden dabei schon heute deutlich besser ab als Fahrzeuge mit Verbrenner. Um bei meinem Schauspieler-Freund zu bleiben: Ein aktuelles E-Auto der Golfklasse, mit in Europa produzierter Batterie und weitestgehend mit Ökostrom betrieben, gleicht ab einer Laufleistung von etwa 50.000km seinen produktionsbedingten CO2-Rucksack aus und ist ab dieser Laufleistung dann umweltfreundlicher unterwegs als sein Verbrenner-Pendant. Zudem: Stickoxide wie sie zum Beispiel Dieselfahrzeuge ausstoßen, kommen bei E-Autos als lokale Emission überhaupt nicht vor.

Das ist der Hauptgrund, warum ich seit fast anderthalb Jahren ein vollelektrisches Auto fahre. Ich habe das Glück, mit Volvo einen Partner zu haben, der schon früh auf E-Mobilität gesetzt hat. Ich habe zunächst einige Jahre einen Plug-In-Hybrid gefahren und dabei zumindest in der Stadt vollelektrisch operiert. Seit Sommer 2021 fahre ich ein 100 Prozent elektrisches Modell. Und ich fahre auch Langstrecke mit dem Elektroauto. Volvo war meines Wissens nach einer der ersten Automobilkonzerne, der angekündigt hat, genau das schon viel früher zu machen, wozu nach neuester Gesetzgebung alle Hersteller in der EU bis spätestens 2030 verpflichtet, sind: Keine Verbrenner mehr herzustellen. Eigentlich also ein guter Moment, bei der Planung des nächsten eigenen Autos schon das Thema Elektroauto auch für sich zu überlegen?



Diese Kolumne stellt die Sicht von Marie von den Benken dar. Inhalte dieser Kolumne können von der offiziellen ADAC Unternehmenskommunikation abweichen.


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