Umfrage: Klimaschutz und individuelle Mobilität

19.7.2019

Das Verkehrssystem in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Viele Städte sind überlastet, der ländliche Raum vielfach unterversorgt und der CO2-Ausstoß muss reduziert werden. Neue Anbieter und Mobilitätsformen drängen auf den Markt. Wie aber steht es um die Einstellungen, Veränderungserwartungen und -wünsche mobiler Menschen? Dies hat der ADAC in einer repräsentativen Umfrage untersucht. 

Potsdamer Platz Berlin
Mammutprojekt: Klimafreundliche Mobilität

Die Kernergebnisse

  • Die Mobilität wandelt sich in evolutionären Schritten. Die eingeübten Muster verschieben sich nur langsam. 
  • Immer mehr Menschen können sich vorstellen, in Zukunft weniger Auto zu fahren. Trotzdem bleibt das Auto absehbar das wichtigste Verkehrsmittel
  • Die Sensibilität für den Einfluss des Verkehrs auf Umwelt und Klima wächst. Dies bestimmt jedoch nicht das individuelle Mobilitätsverhalten
  • Für mehr Umwelt- und Klimaschutz befürworten die Menschen bessere alternative Mobilitätsangebote und saubere Antriebe. Eine Einschränkung oder Verteuerung ihrer Mobilität lehnen sie ab
  • Es gibt eine hohe Bereitschaft, den ÖPNV stärker zu nutzen, aber die Angebote sind heute nicht attraktiv genug. 
  • Für die Mobilitätssicherung im ländlichen Raum erwarten die Menschen von der Politik bessere Lösungen. Dies gilt vor allem für den ÖPNV – ohne Auto geht es nicht
  • Das Mobilitätsangebot in Großstädten wird besser bewertet, kann aber auch nicht restlos überzeugen
  • Die Menschen empfinden die angebotene Mobilitätsinfrastruktur als überlastet – egal um welchen Verkehrsträger es sich handelt. Hier sehen sie hohen politischen Handlungsbedarf.
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Kernaussagen 1 und 2

  • Die Mobilität wandelt sich in evolutionären Schritten. Die eingeübten Muster verschieben sich nur langsam.
  • Immer mehr Menschen können sich vorstellen, in Zukunft weniger Auto zu fahren. Trotzdem bleibt das Auto absehbar das wichtigste Verkehrsmittel. 

An wie vielen Tagen im Jahr nutzen Sie die folgenden Verkehrsmittel?

Die derzeitige Nutzungshäufigkeit bei Pkw, ÖPNV, Fahrrad und Bahn ist seit der letzten ADAC Umfrage im Jahr 2017 in etwa stabil geblieben. Das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel bleibt mit großem Abstand der Pkw: Er wird von 65 Prozent der Bevölkerung gegenüber 66 Prozent im Jahr 2017 an 100 Tagen oder mehr im Jahr genutzt.

Und wenn Sie jetzt an die Zukunft denken: Haben Sie eine Vorstellung davon, wie sich Ihr eigenes Mobilitätsverhalten verändern wird?

Mit Blick auf die Zukunft deuten die Aussagen der Befragten Änderungen an: Jeder Fünfte geht davon aus, sein Auto künftig weniger zu nutzen als heute. Demgegenüber wird wahrscheinlich insbesondere die ÖPNV-Nutzung zunehmen.

Im Jahr 2019 geht eine große Mehrheit (71 Prozent) davon aus, auch in fünf Jahren noch einen Pkw im Haushalt zu haben. Das sind signifikant weniger als noch 2017 (78 Prozent). Aber: Ein gänzlicher Verzicht auf den Pkw erscheint einer deutlichen Mehrheit unvorstellbar. Das Auto bleibt auf absehbare Zeit das wichtigste Verkehrsmittel.

Unter welchen Voraussetzungen könnten Sie sich vorstellen, in den nächsten fünf Jahren vollständig auf einen Pkw im Haushalt zu verzichten? *

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Kernaussage 3

Die Sensibilität für den Einfluss des Verkehrs auf Umwelt und Klima wächst. Dies bestimmt jedoch nicht das individuelle Mobilitätsverhalten. *  

Inwieweit stimmen Sie den folgenden Aussagen zu?

Gewachsen ist die Zahl derer, die in Verkehr und Mobilitätsverhalten in Deutschland eine Bedrohung für Umwelt und Klima sehen – inzwischen fast die Hälfte der Befragten. Daraus folgt eine Erwartungshaltung gegenüber der Politik: Mehrheitlich wird die Förderung des Umweltschutzes bei Verkehr und Mobilität als eine der Top-3-Prioritäten der Verkehrspolitik gesehen.

Wenn Sie ab morgen Verkehrsminister wären – Welche der folgenden Themen hätten für Sie oberste Priorität? Rang 1, 2 und 3

Die deutlich ökologisch motivierten Erwartungen an die Politik decken sich jedoch nur in Teilen mit den Treibern des individuellen Mobilitätsverhaltens: Zwar macht immerhin ein gutes Drittel der Befragten Klima- und Umweltschutzgründe für beabsichtigte Änderungen geltend – dies sind mehr Menschen als 2017. Alter, Kosten und Bequemlichkeit sind jedoch stärkere Faktoren.

Aus welchen Gründen werden Sie in den nächsten fünf Jahren wahrscheinlich weniger Pkw (ohne Carsharing) fahren? **

Aus welchen Gründen werden Sie in den nächsten fünf Jahren wahrscheinlich mehr Pkw (ohne Carsharing) fahren? *

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Kernaussage 4

Für mehr Umwelt- und Klimaschutz befürworten die Menschen bessere alternative Mobilitätsangebote und saubere Antriebe. Eine Einschränkung oder Verteuerung ihrer Mobilität lehnen sie ab. 

Inwieweit befürworten Sie die folgenden Maßnahmen?

Für Umwelt- und Klimaschutz müssen die Alternativen zum herkömmlichen Pkw attraktiver werden. Entsprechende Maßnahmen werden von teils deutlichen Mehrheiten unterstützt.

Auf klare Ablehnung stößt dagegen alles, was zu einer Verteuerung und/oder Einschränkung der privaten Mobilität führen könnte. Dies gilt vor allem für Instrumente wie City-Maut, Abschaffung der Pendlerpauschale oder die Erhöhung von Steuern auf Kraftstoffe oder Kfz.

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Kernaussage 5

Es gibt eine hohe Bereitschaft, den ÖPNV stärker zu nutzen, aber die Angebote sind heute nicht attraktiv genug. 

Inwieweit würden die folgenden möglichen Maßnahmen Ihre Nutzungshäufigkeit des ÖPNV beeinflussen?

Nach wie vor gibt knapp die Hälfte der Befragten (46 Prozent im Jahr 2019 gegenüber 48 Prozent 2017) an, den ÖPNV wenig oder gar nicht zu nutzen – teilweise aufgrund persönlicher Präferenz, aber auch vor dem Hintergrund der mangelnden Qualität des Angebots. Würde dieses verbessert und preislich attraktiver gestaltet, zeigen sich viele bereit zu einer stärkeren Nutzung des ÖPNV.

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Kernaussagen 6 und 7

  • Für die Mobilitätssicherung im ländlichen Raum erwarten die Menschen von der Politik bessere Lösungen. Dies gilt vor allem für den ÖPNV – ohne Auto geht es nicht.
  • Das Mobilitätsangebot in Großstädten wird besser bewertet, kann aber auch nicht restlos überzeugen.

Inwieweit stimmen Sie folgenden Aussagen zu?

  • in Bezug auf den ländlichen Raum (Antworten obere Reihe)
  • in Bezug auf große Städte (ab 100.000 Einwohner) und deren direktes Umfeld (Antworten untere Reihe) 

Auf dem Land sind die Menschen mit ihrer Mobilitätssituation zufrieden, vorausgesetzt, sie verfügen über einen eigenen Pkw. Ohne Auto geht es nicht. Dies zeigte der im November 2018 veröffentlichte ADAC Monitor „Mobil auf dem Land“. Die aktuelle Befragung bestätigt diesen Befund. Entsprechend stellt die Stärkung der Verkehrsinfrastruktur im ländlichen Raum für 48 Prozent der Befragten eine Top-Priorität für die Politik dar.

In den großen Städten ist die empfundene Abhängigkeit vom Pkw erwartungsgemäß niedriger. Doch auch hier belegen die Zahlen den Handlungsbedarf: Nur ein knappes Viertel der Menschen ist der Meinung, dass genug für die städtische Mobilität getan wird.

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Kernaussage 8

Die Menschen empfinden die angebotene Mobilitätsinfrastruktur als überlastet – egal um welchen Verkehrsträger es sich handelt. Hier sehen sie hohen politischen
Handlungsbedarf.

Inwieweit stimmen Sie den folgenden Aussagen bezogen auf Ihre persönliche Mobilität zu?

Ganz generell haben die Menschen ein Gefühl von Überlastung der vorhandenen Mobilitätsinfrastruktur. Es fehlt an Parkplätzen, die Straßen sind voll ebenso wie der ÖPNV, der zudem nicht kommt, wenn man ihn braucht. Entsprechend wichtig ist ihnen der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur – sie halten dies für eine der Top-Prioritäten der Politik.

 Informationen zu den Umfragen

  • Erhebungszeitraum: 9. bis 16. Januar 2019 und 20. April bis 2. Mai 2017
  • Grundgesamtheit: Deutsche Wohnbevölkerung ab 18 Jahren. Durchführung einer nach Alter, Geschlecht und Bundesland repräsentativen Befragung.
  • Stichprobe: 2019: n=1000 / 2017: n=1026
  • Methode: CAWI (Computer-Aided-Web-Interviewing)

 

Foto: iStock.com/golero

Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de