„Unverbesserlicher Raser“: Profifußballer verliert Führerschein

4.11.2019

Wer in kürzester Zeit sein Punktekonto in Flensburg füllt, dem kann auch ohne Vorankündigung der Führerschein entzogen werden. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat das am 23.Oktober 2019 (Az.: 6 K 482/18) so entschieden.

Rasen Tunnel Führerscheinverlust Urteil Profi-Fußballer
Mehrmals mit mehr als 100 km/h durch den Rheintunnel (Foto: iStock.com/hxdyl)

14 Punkte in 10 Monaten - Fahrerlaubnis wird entzogen

Zwischen November 2016 und April 2018 erhielt ein Profifußballer mit britischer Fahrerlaubnis mehrere Bußgeldbescheide wegen diverser Geschwindigkeitsübertretungen, teilweise mit befristetem Fahrverbot. Hintergrund waren Geschwindigkeiten von mehr als 100 km/h, die im Düsseldorfer Rheintunnel gemessen worden waren.  

Da er so in weniger als 10 Monaten 14 Punkte im Flensburger Fahreignungsregister gesammelt hat, wurde er von der Fahrerlaubnisbehörde aufgefordert, seine Fahreignung durch ein medizinisch-psychologisches Gutachten (MPU) nachzuweisen. Dieser Aufforderung kam er nicht nach. Die Behörde entzog ihm daraufhin seine Fahrerlaubnis. 

Neue Fahrerlaubnis nur nach positiver MPU

Er durfte daher mit seiner britischen Fahrerlaubnis nicht mehr in Deutschland fahren. Um in Deutschland zukünftig wieder Auto fahren zu dürfen, müsste er zuerst seine Fahreignung durch eine MPU nachweisen. 

Um sich gegen den Entzug seiner Fahrerlaubnis zu wehren hat der Betroffene Klage beim Verwaltungsgericht (VG) Düsseldorf eingelegt. Das VG bestätigte daraufhin jedoch, dass das Vorgehen der Führerscheinbehörde rechtmäßig war. 

Entzug im Regelfall erst nach Ermahnung und Verwarnung

Das VG Düsseldorf erläuterte in seiner Entscheidung, dass normalerweise die Fahrerlaubnis bei 8 Punkten entzogen wird und das der Entzug voraussetzte, dass der Betroffene erst schriftlich ermahnt und dann verwarnt worden sei. Diese Hinweise seien dem Fußballspieler nicht erteilt worden. 

Ausnahme: „unverbesserlicher Raser“

Das Gericht weist jedoch darauf hin, dass es bei "unverbesserlichen Rasern" im Ausnahmefall möglich sei, diese ohne vorherige Warnung zu einer medizinisch-psychologischen Untersuchung zu verpflichten. Der Fall des Profifußballers sei ein solcher Ausnahmefall. An seiner Entscheidung änderte auch der Einwand des Fußballers nichts, der behauptet, dass er bei den Geschwindigkeitsüberschreitungen gar nicht selbst am Steuer gesessen habe. Da er im Vorfeld Fahrverbote von insgesamt 4 Monaten akzeptiert hatte und die zu Grunde liegenden Bußgeldbescheide allesamt bereits rechtskräftig waren, ging das Gericht diesem Einwand nicht nach.

VG Düsseldorf, Urteil vom 23.10.2019, Az.: 6 K 4482/18

Text: Juristische Zentrale