Flanierende Passagiere vor dem Kabinenfenster sind kein Reisemangel

5.7.2019

Spazieren flanierende Mitreisende auf einem Kreuzfahrtschiff vor dem Kabinenfenster vorbei, stellt dies keinen Reisemangel dar. Der Kabineninhaber hat deshalb keinen Anspruch auf Minderung des Reisepreises. Das hat das Landgericht Frankfurt entschieden. Ungünstig in der Kabine aufgestellte Betten rechtfertigen eine Reisepreisminderung in Höhe von fünf Prozent.

Passagiere auf einem Kreuzfahrtschiff
Foto: ©Hurtigruten/ Agurtxane Concellon

Passagierin stört sich an Mitreisenden vor dem Kabinenfenster

Eine Klägerin hatte auf einem Hurtigruten-Schiff eine Kabine der höchsten Kategorie gebucht. Die "Außenkabine Superior" lag auf einem der oberen Decks des Schiffes und sollte nach den Angaben des Reiseveranstalters einen "malerischen Meerblick" haben. Vor dem Fenster der Kabine befand sich ein Promenadendeck, auf dem die Passagiere um das Schiff herumgehen konnten. Das Deck war mit einer Reling aus dünnen Metallstreben gesichert. Die Klägerin störte sich daran, dass andere Passagiere beim Flanieren auf dem Schiff das Sichtfeld ihres Kabinenfensters kreuzten. Außerdem bemängelte sie, dass ihre Sicht durch die Metallstäbe eingeschränkt war. Die Klägerin verlangte deshalb eine Minderung des Reisepreises und ging vor Gericht.

Auf einem Kreuzfahrtschiff ist man nicht allein – keine Entschädigung

Das LG Frankfurt hat die Klage dahingehend abgewiesen. Die Richter sahen keinen Reisemangel. Vielmehr musste der Klägerin klar sein, dass sich auf dem oberen Deck des Kreuzfahrtschiffes auch andere Personen und Gäste befinden, die ihr Fenster passieren können. Die Reling lässt eine ausreichende Sicht auf das Meer zu.

Anspruch auf Preisminderung wegen ungünstig aufgestellter Betten in der Kabine

Allerdings bekam die Klägerin eine Preisminderung zugesprochen, weil die Betten in der Kabine ungünstig aufgestellt waren. Ein Bett in der Kabine konnte man nur erreichen, indem man über das Bett des Mitreisenden steigen musste oder ein schmaler Spalt am Fußende dafür nutzte. Auch darüber hatte sich die Klägerin beschwert. Der Reiseveranstalter konnte der Klägerin keine andere Kabine anbieten, weil das Kreuzfahrtschiff ausgebucht war. Die Richter sahen in der mangelhaften Anordnung der Betten einen Reisemangel und sprachen der Klägerin eine Minderung des Reisepreises von fünf Prozent zu.

LG Frankfurt, Urteil vom 21.2.2019, Az.: 2-24 S 216/18

Hinweis: Das Urteil ist rechtskräftig.

Text: Juristische Zentrale