Heftige Durchfallerkrankung – Reiserücktrittversicherung muss zahlen

​3.5.2019

Leidet ein Reisender kurz vor Urlaubsbeginn an einer akuten schweren Durchfallerkrankung, kann ihm der Antritt der Reise nicht zugemutet werden. Die Reiserücktrittsversicherung muss zahlen. 

Klöhäuschen am Strand
Foto: ©iStock.com/EAGiven

Antritt der Reise bei schwerer Durchfallerkrankung unzumutbar

Ein Ehepaar, das seinen Flug nach China wegen einer akuten Durchfallerkrankung der Ehefrau nicht antreten konnte, wollte seine Reiserücktrittsversicherung in Anspruch nehmen. Diese lehnte eine Leistung aber ab, weil ihrer Ansicht nach kein versicherter Fall einer unerwarteten schweren Erkrankung vorgelegen habe. Die Versicherung argumentierte, dass es am Flughafen, im Flugzeug und in China ausreichend Toiletten gebe. Die Reise sei daher durchführbar gewesen. Das Ehepaar klagte. In der ersten Instanz wurde die Klage abgewiesen, das Berufungsgericht gab dem Ehepaar aber Recht. 


Nach den Bedingungen der Reiserücktrittsversicherung liegt ein Versicherungsfall vor, wenn die versicherte Person z.B. von einer unerwarteten schweren Erkrankung betroffen wird. Nach Ansicht der Richter kommt es nicht auf eine konkrete ärztliche Diagnose der Erkrankung an. Entscheidend sind vielmehr die krankheitsbedingten Symptome, die den Antritt der Flugreise unzumutbar erscheinen lassen. Die Zumutbarkeit des Reiseantritts kann dabei nicht mit der technischer Durchführbarkeit der Reise gleichgesetzt werden. 

Versicherung kann nicht auf die Sanitäranlagen im Flughafen oder im Flugzeug verweisen

Der Antritt einer Reise ist nach Ansicht des Oberlandesgerichts Celle unzumutbar, wenn es sich wie bei der Ehefrau um eine Durchfallerkrankung erheblicher Ausprägung handelt, die trotz der Behandlung mit Medikamenten fortbesteht und den Betroffenen überfallartig und ohne Vorwarnung zwingt, vier- bis fünfmal am Tag in unregelmäßigen Abständen eine Toilette aufzusuchen.


Das Argument der Reiserücktrittsversicherung, dass während des Fluges und am Urlaubsort Sanitäranlagen vorhanden seien, überzeugte die Richter nicht. Zu berücksichtigen sei vielmehr, dass schon bei der Anfahrt zum Flughafen, beim Check-In und bis zum Erreichen der Reiseflughöhe nicht jederzeit eine Toilette zugänglich ist. Außerdem gebe es in einem Flugzeug nur eine begrenzte Anzahl von Bordtoiletten. Die Möglichkeit, diese zu benutzen sei auch von den Bedürfnissen der anderen Flugpassagiere abhängig.

Das Gericht führte aus, dass bei einer Durchfallerkrankung mit einer akuten Symptomatik und einem überfallartig entstehenden Bedürfnis gewährleistet sein müsse, dass der Betroffene jederzeit eine Toilette aufsuchen kann. Das sei bei einem längeren Flug regelmäßig nicht der Fall. Die Richter sahen den Antritt der Reise daher als insgesamt unzumutbar an und verurteilten die Versicherung zur Zahlung.

OLG Celle, Urteil vom 3.12.2018, Az.: 8 U 165/18