Airline muss betrunkenen Passagier nicht mitnehmen

13.11.19

Erscheint ein Passagier stark alkoholisiert zum Abflug, braucht die Airline ihn nicht mitzunehmen. Das Amtsgericht München wies die Klage eines Fluggastes auf Schadensersatz wegen der Nichtbeförderung ab.

Hände mit Whiskeygläsern stoßen an
Vor dem Flug lieber nicht feiern - Airline kann Beförderung verweigern (Foto: iStock.com/Rawpixel)

Ein Mann hatte für sich und seine Frau bei einem Münchner Reiseveranstalter eine Pauschalreise gebucht. Diese umfasste eine Kreuzfahrt im Pazifik mit Hin- und Rückflug von Frankfurt über Dubai nach Brisbane und kostete 7.398 Euro. Beim Rückflug weigerte sich die Airline, das Ehepaar mitzunehmen. Dies begründete sie damit, dass sowohl Mann als auch Frau zum Zeitpunkt des Abflugs zu betrunken und damit fluguntauglich waren. Beide mussten das Flugzeug mit Hilfe des Sicherheitsdienstes verlassen. Sie buchten für insgesamt rund 1.750 Euro einen neuen Flug für den folgenden Tag. 

Das Geld verlangte der Mann neben zusätzlichen 600 Euro Schadensersatz (Umsatzverlust als Rechtsanwalt durch die verspätete Heimkehr) vom Reiseveranstalter erstattet. Er und seine Frau wären flugtauglich gewesen und daher zu Unrecht des Flugzeugs verwiesen worden, begründete der Mann seine Klage.

Schwankender Gang, glasige Augen und starker Alkoholgeruch

Das Amtsgericht München wies die Klage ab. Die Richter sahen genügend Anzeichen für die Airline-Mitarbeiter, um den Passagieren für den Langstreckenflug die Beförderung zu verweigern. Das Gericht berücksichtigte bei seiner Entscheidung die Aussage einer Flugbegleiterin, die schon in einem anderen Prozess zu diesem Streitfall Stellung genommen hatte. Nach deren Aussage war das Ehepaar beim Einsteigen in Brisbane nicht in der Lage, geradeaus zu seinen Sitzen gehen. Die weinende Frau mühte sich nach Kräften, ihren Ehemann zu seinem Platz zu führen. Der Mann, der noch vor dem Hinsetzen nach einem Glas Champagner verlangte, musste sich an der Wand anlehnen, um nicht umzufallen. Bei dem Mann war starker Alkoholgeruch wahrnehmbar, er hatte glasige Augen und konnte sich nur unter Problemen auf ein Gespräch konzentrieren. Der Flugkapitän entschied daraufhin, dass der Mann nicht bis Dubai durchhalten werde. Das Ehepaar wurde aus dem Flugzeug verwiesen und trotz lautstarkem Protest mit Hilfe des Sicherheitsdienstes von Bord gebracht.

Passagier zu Recht aus dem Flugzeug verwiesen

Das Amtsgericht München führte aus, dass die Airline mit dieser Entscheidung des Flugkapitäns nicht gegen Ihre Pflicht zur (Rück-)Beförderung des Ehepaares verstoßen hat. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass das Ehepaar fluguntauglich war und zu Recht von Bord des Flugzeugs verwiesen wurde. 

Nichtbeförderung selbst verschuldet - kein Schadensersatz

Der schwankende Gang beider Passagiere, gerötete Gesichter, glasige Augen, Stützen des Klägers, Weinen der Ehefrau, die Aussage, es gehe ihr nicht gut, starker Alkoholgeruch und mangelnde Konzentrationsfähigkeit des Mannes und die Tatsache, dass er sich zum Stehen an der Wand anlehnen musste – dies war nach Meinung der Richter ausreichend, um die Beförderung zulässigerweise zu verweigern. Der Flugkapitän hat die Situation richtig beurteilt. Bei seiner Entscheidung musste er vorausschauend denken und berücksichtigten, dass es sich um einen Langstreckenflug handelte. Einen Schadensersatzanspruch gegen den Reiseveranstalter lehnte das Amtsgericht ab.

AG München, Urteil vom 23.7.2019, Az.: 182 C 18938/18

Hinweis: Das Urteil ist rechtskräftig.

Text: Juristische Zentrale