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Schweden |  | 30.07.2020

Dramatischer Krankenrücktransport aus Schweden: Mir wurde ein zweites Leben geschenkt

Peter Wanzek ist glücklich, dass er wieder Zeit mit seiner Frau Ellen und seinem dritten Enkel Michael Helge verbringen kann.
Peter Wanzek ist glücklich, dass er wieder Zeit mit seiner Frau Ellen und seinem Enkel Michael Helge  genießen kann. Foto: Privat

Im ‚einigen Europa ohne Grenzen‘ glauben die meisten Menschen, dass einem auch im Falle einer schweren Erkrankung überall die gleiche Hilfe zuteil- und man im Fall der Fälle optimal behandelt wird. Das dies eben nicht immer so ist, zeigt der Fall von Peter Wanzek, der mit seiner Frau Urlaub in Schweden machte.

Der heute 61-Jährige war immer kerngesund, hatte keinerlei Vorerkrankungen. Auf dem Weg von Halle nach Örebro erhielten seine Frau Ellen und er auch noch eine wunderschöne Nachricht. Ihr dritter Enkel Michael Helge hatte das Licht der Welt erblickt. Angekommen in Schweden, verlebte das Ehepaar erholsame Ferientage, bis Peter Wanzek am 14. September 2019 – quasi aus dem Nichts – einen Hinterwandinfarkt erlitt und ins örtliche Krankenhaus in Örebro gebracht wurde.

Schwere Komplikationen

Dort wurde ihm ein Stent gesetzt, heutzutage eigentlich ein Routine-Eingriff, der tausende Male jeden Tag gemacht wird. Doch bei Peter Wanzek kommt es nach 24 Stunden zu Komplikationen: massives Lungenödem mit kardiogenem Schock und einen Ventrikelseptumdefekt. Der Infarkt hatte seinen Herzmuskel so stark geschädigt, dass die Pumpfunktion erheblich eingeschränkt war.

Er wurde daraufhin sofort an eine Herz-Lungen-Maschine (ECMO) angeschlossen und mit einer intraaortalen Ballonpumpe (IABP) versorgt. Aufgrund der massiven Einschränkung der Pumpfunktion musste die Herzfunktion durch zwei Unterstützungssysteme stabilisiert werden. Durch die Herz-Lungen-Maschine wird eine Entlastung des kranken Herzens und die Versorgung des Blutes mit Sauerstoff außerhalb des Körperkreislaufs erreicht. Die IABP führt zu einer Entlastung und sorgt für die Stabilisation des Herzens.

Ein Ventrikelseptumdefekt muss so schnell wie möglich operiert werden, normalerweise innerhalb von drei bis fünf Tagen. Im behandelnden Krankenhaus in Örebro konnte die komplexe Operation allerdings nicht gemacht werden. Die 190 Kilometer entfernte Uniklinik in Stockholm lehnte eine Aufnahme des Patienten ab, obwohl Peter Wanzek eine ADAC Auslandskrankenversicherung hat. Aufgrund der medizinischen Unterversorgung in Örebro war eine Verlegung nach Deutschland die einzige Chance für den Patienten.

ADAC Ambulanz-Service auf schwierige Einsätze spezialisiert

Zwei Maschinen des Dornier Fairchild 328 - 300 Jet sind für den ADAC Ambulanz-Service als fliegende Intensiv-Station im Einsatz.
Zwei Maschinen des Dornier Fairchild 328 - 300 Jet sind für den ADAC Ambulanz-Service als fliegende Intensiv-Station im Einsatz. Maximal 10 Patienten haben Platz, die Höhe der Kabine ermöglicht es dem Personal, im Stehen zu arbeiten. Die DO 328 hat eine Reichweite von 3700 Kilometern, kann bis zu 750 km/h Reisegeschwindigkeit aufnehmen und eine maximale Flughöhe von 10.700 Metern erreichen. Foto: ADAC SE

Ein luftgebundener Transport eines Patienten in dieser Ausnahmesituation ist höchst risikoreich und technisch aufwändig. Bisher hat der ADAC Ambulanz-Service sechs Spezial-Einsätze unter Einsatz einer Herz-Lungenmaschine (ECMO) durchgeführt, und so auch einem 58-jährigem Berliner (Sizilien-Urlaub), einer 58-jährigen Thüringerin (Kreuzfahrt in Thailand), einem 62-Jährigen aus Poing bei München (Kroatienreise), einem 76-Jährigen aus Marburg (Spanienaufenthalt) und einem 44-Jährigen aus Vaterstetten in Oberbayern (Mexikourlaub) das Leben gerettet.

Das Ärzteteam des ADAC von der Universitätsklinik Erlangen stellte sich der Herausforderung, während des Transportes zusätzlich zum ECMO auch noch eine IABP (intraaortale Gegenpulsation) einzusetzen. Es konnte dabei auf keinerlei Erfahrungswerte zurückgreifen, da dieser Rücktransport der erste seiner Art war.

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Meilenstein für den Krankenrücktransport

„Mit diesem - bis dato weltweit einzigartigen Krankenrücktransport – haben wir einen weiteren Meilenstein in der intensivmedizinischen Versorgung im Flugzeug gesetzt“, so Dimitrios Tsiktes, Leiter des ADAC Ambulanz-Service.

Am 18. September startete der ADAC Ambulanz-Jet schließlich in Nürnberg. Mit an Bord ein erfahrenes Team der Uniklinik Erlangen: ein Flugarzt mit ECMO-Kenntnissen, eine Intensivpflegekraft mit ECMO-Kenntnissen, ein Herzchirurg und zwei Kardiotechniker. Beide Geräte waren während des knapp 4-stündigen Rücktransportes ununterbrochen im Einsatz, von der Intensivstation in Örebro bis zur Intensivstation in Leipzig.

Der Patient Peter Wanzek, der nach seinem Klinikaufenthalt noch mehre Monate auf Reha war, ist glücklich, dass er wieder Zeit mit seiner Frau Ellen und seiner Familie genießen kann. „Mein dritter Enkel Michael Helge wurde in der Nacht geboren, als wir in den Urlaub nach Schweden aufbrachen. Mir wurde ein neues Leben geschenkt und jetzt können wir gemeinsam Geburtstag feiern.“

Der ADAC Ambulanz-Service in München hat vergangenes Jahr 53.045 Versicherte betreut, davon 11.196 nach Deutschland zurücktransportiert, 1394 davon mit seinen Ambulanz-Jets.

Produktangebot

Mit der Auslandskrankenversicherung des ADAC ist man weltweit abgesichert. Hier finden Sie alle Informationen zum Auslandskrankenschutz

In der ADAC Plusmitgliedschaft ist die die Rückholung eines schwer kranken Patienten beinhaltet und in der neuen ADAC Premium-Mitgliedschaft auch noch eine Auslandskrankenversicherung.