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Deutschland |  | 15.12.2020

Klara und die Generation E – Auf dem Weg in die elektrische Zukunft

Klara Deeken mit E-Bike und Max Betz mit BMW i3 vor der Ladesäule an der ADAC Zentrale
Wächst hier die Generation E heran? Klara fährt E-Bike, Max den i3. Foto: ADAC SE

Die heutige Generation beschäftigt sich intensiv mit Themen wie Nachhaltigkeit und Energiewende. Elektromobilität spielt dabei eine zentrale Rolle. Effiziente und emissionsfreie Fortbewegung muss dazu aber praktikabel und erschwinglich sein. Über den zeitgemäßen Zugang zur Elektromobilität auf zwei und vier Rädern spricht Klara Deeken (21), Duale Studentin, in dieser Interview-Reihe mit dem Vorstand der ADAC SE, Mahbod Asgari, mit ADAC Technikchef Dr. Reinhard Kolke und Zukunftsforscher Prof. Niels Biethahn sowie mit ADAC SE Betriebsrat Thomas Biersack und Produktentwickler Maximilian Betz.

Ende 2020 haben über 20 Prozent aller Kfz-Neuzulassungen in Deutschland einen Elektromotor unter der Haube. Noch vor Monaten galt selbst ein Anteil von 5 Prozent als beachtlich. Der Zuspruch steigt – auch dank großzügiger Förderung – deutlich. VW hat nach einigen Anlaufschwierigkeiten jetzt sein Modell für den Massenmarkt, den ID 3, beim Händler. Werden so auch junge Erwachsene an die Elektromobilität herangeführt? Was also benötigt Deutschland auf dem Weg von der Generation Golf zur Generation E?

Klara spricht mit ADAC SE Betriebsrat Thomas Biersack (54), einem schon seit 2015 überzeugten E-Mobilisten, und Maximilian Betz (22), Produktentwickler der ADAC Service GmbH und frischer Eigentümer eines BMW i3 Rexx, über die aktuelle Situation und die Aussichten.

Thomas Biersack mit seinem E-Bike vor der Ladesäule an der ADAC Zentrale
Gut ausgerüstet ist die Pendeldistanz von gut 25 Kilometern anregend, aber erfreulich wenig schweißtreibend. Foto: ADAC SE

Klara: Wie sieht eine „Generation E“ Eurer Meinung nach aus?

Thomas Biersack: Generation hat hier nichts mit dem Alter zu tun. Es steckt vielmehr eine Positionierung dahinter hin zu sinnvollen Innovationen und ein Willen zur Verhaltensänderung unter dem Eindruck der Klimaproblematik und des gesellschaftlichen Wandels zu mehr Nachhaltigkeit.
Maximilian Betz: Absolut. E hat nichts mit dem Alter zu tun – es ist vielmehr eine Frage der Einstellung. Dass junge Leute gerne mit coolen Stadträdern von der WG zum Stadtpark fahren und einen Beitrag zum Umweltschutz leisten wollen, ist bekannt. Aber mal ehrlich: Für kurze bis mittlere Strecken in der Stadt oder auf dem Land ist ein E-Bike etwas für jede Altersklasse. Sollte das Wetter aber mal nicht mitspielen, ist so ein E-Auto momentan die beste Lösung.

Klara: Tom, Du bist neben deiner Arbeit in der Unternehmenskommunikation auch im Betriebsrat tätig. Siehst Du allgemein für Arbeitnehmer in der Automobilbranche Gefahren bei der nun auch längerfristig massiven Förderung von Elektromobilität?

Thomas Biersack: Der Arbeitsmarkt wird sich sehr stark verändern, gerade in Deutschland. Branchen mit zukunftsfähigen Technologien haben weiter Top-Chancen im Binnenmarkt und im Export. Branchen, die sich mit der Anpassung auch an die internationale Nachfrage schwertun, werden Probleme bekommen, vor allem wird das dann natürlich deren Belegschaft ausbaden. Die Autoindustrie steht vor einer immensen Transformation. Gesellschaftliche Prozesse und die Frage nach den zukünftigen Mobilitätsformen werden deswegen nicht nur die Manager und Beratungsunternehmen, sondern auch die Arbeitnehmervertreter weiter beschäftigen. Zu guten Lösungen kommen wir nur gemeinsam.

E-Bike-Fahrerin Klara Deeken an der Wallbox in der ADAC Tiefgarage
Immerhin: Zwei Wallboxen der ADAC Autovermietung hat Klara ausgemacht in der Tiefgarage der ADAC Zentrale. Foto: ADAC SE

Klara: Was haltet Ihr vom Modell „Jobrad“, das inzwischen einige Arbeitgeber anbieten?

Thomas Biersack: Arbeitgeber müssen sich um junge, fähige Mitarbeiter bemühen und deswegen auf die aktuellen Trends und Erwartungen eingehen. Dazu kommt der Anspruch, als Organisation nachhaltig zu agieren in einem weiten Sinn. Die Förderung des Fahrrads, auch des E-Bikes, als Pendlerfahrzeug mit den flankierenden Einrichtungen, wie z.B. Lademöglichkeiten und Steuervergünstigungen, ist dabei ein richtiger Schritt. Der ADAC hat jahrelang Fahrräder für Mitarbeiter angeboten, um zwischen den verschiedenen Standorten in München zu pendeln. Damals war das bei den meisten Unternehmen noch gar kein Thema. Ich würde mir wünschen, dass diese Idee jetzt wieder aufgegriffen und weiterentwickelt wird.
Maximilian Betz: Dass moderne Arbeitgeber hier aktiv werden müssen, steht, denke ich, außer Frage. Viele meiner Studienkollegen hatten bereits Monate vor Studienende eine Vielzahl von Angeboten von kleineren bis großen Unternehmen. Entscheidend war nicht ein überdurchschnittlich hohes Gehalt, sondern vielmehr ein Arbeitgeber mit attraktiven Benefits für die Mobilität, Weiterbildung und Karriere. Ein Jobrad ist nicht nur etwas für junge Leute, um das Problem eines hohen Anschaffungspreises zu vermeiden, sondern eben auch ein Mitarbeitervorteil für die gesamte Belegschaft, um die Vielfalt möglicher Mobilitätsformen aufzuzeigen und auch als Arbeitgeber zu fördern.

Maximilian Betz mit seinem BMW i3 an der Ladesäule vor der ADAC Zentrale
Mit dem Elektroauto sehr zufrieden: Maximilian Betz mit dem i3 an der Ladesäule vor der ADAC Zentrale. Foto: ADAC SE

Klara: Ich habe gehört, dass Ihr passionierte E-Autofahrer bzw. E-Biker seid. Was begeistert daran so sehr?

Thomas Biersack: Es war große Neugier, ein anstehender Autowechsel und ein gutes Angebot, was mich im Jahr 2015 dazu bewegt hat, ein E-Auto, den vollelektrischen Renault Zoe, im 4-Jahres-Leasing zu bestellen. Da war damals echtes Pioniergefühl mit im Spiel. Aber das hat sich im Alltag schnell gelegt. In knapp vier Jahren habe ich statt der vereinbarten 50.000 stolze 70.000 Kilometer auf den Tacho gefahren. Und das praktisch nur auf Kurzstrecken. Es hat einfach Spaß gemacht, leise und sauber zu fahren. Und fahrdynamisch ist der E-Motor sowieso eindrucksvoll: unmittelbare Beschleunigung vom Fleck weg und Verzögerung durch Rekuperation, die wieder Energie in die Batterie speist. Ein E-Bike habe ich mir allerdings erst dieses Jahr zugelegt. Im Preis überschaubar, dank dem ADAC Mitgliederrabatt, denn eigentlich ist mir das übliche Niveau zwischen 2000 und 3000 Euro schon ein bisschen zu teuer. Aber Spaß macht mir auch hier generell die flotte Fortbewegung ohne große Anstrengung.
Maximilian Betz: Der Umstieg auf ein E-Auto hatte viele Gründe. Sicherlich war ein Hauptgrund, dass ich begeistert war von der Leistung eines Elektromotors und wie die Kraft direkt auf die Straße kommt. Entscheidend für die Anschaffung war aber auch, dass ich nicht mehr dazu bereit bin, die jährlichen Kfz-Steuererhöhungen sowie Kraftstoffpreissteigerungen zu bezahlen. Dazu kommt die Tatsache, dass ich durch meinen Umzug vom Land in die Münchner Innenstadt nicht mehr auf Langstrecken angewiesen bin.

Klara: Vielen Dank für Eure Zeit! Eine letzte Frage noch: Wie seht Ihr die Entwicklung in der nahen Zukunft, wird die Generation E weiter wachsen?

Thomas Biersack: Davon bin ich absolut überzeugt. Nicht nur junge Menschen werden sich genau überlegen, ob es in der Mobilität ein „Weiter so“ geben kann. Sie werden sich den Möglichkeiten zuwenden, die Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit, Komfort und Wirtschaftlichkeit am besten vereinen. Wenn ich sehe. wie oft sich meine Tochter das E-Auto unter den Nagel reißt, dann ist dieses Bewusstsein auch bei ihr wohl schon komplett angekommen.
Maximilian Betz: Wir können das tatsächliche Ausmaß des E-Trends noch nicht verlässlich abschätzen Das klassische Nutzungsverhalten hat sich geändert, das neue steht bereits in der Warteschleife. Auf kurz oder lang werden wir uns somit alle mit der Frage beschäftigen müssen, ob ein alternativer Antrieb nicht besser ist als ein Verbrenner oder ob ein Fahrrad, E-Bike, E-Roller oder auch E-Sharing nicht besser für uns ist auf kürzeren Strecken.
Kurz und knapp: Ja, ich sehe große Zuwachschancen in der E-Mobilität, aber nicht nur auf das E-Auto bezogen, sondern vielmehr auf die Gesamtheit der verschiedenen mit Elektromotor betriebenen Mobilitätslösungen.

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