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Deutschland |  | 13.10.2020

Klara und die Generation E – Auf dem Weg in die elektrische Zukunft

Klara Deeken (21) informiert über E-Bike- und Plug-in-Auto-Angebote der ADAC SE
Klara fährt begeistert E-Bike, interessiert sich aber auch für den Kia Xceed, einen Plug-in-Hybrid der neuesten Generation. © ADAC

Die heutige Generation beschäftigt sich intensiv mit Themen wie Nachhaltigkeit und Energiewende. Elektromobilität spielt dabei eine zentrale Rolle. Effiziente und emissionsfreie Fortbewegung muss dazu aber praktikabel und erschwinglich sein. Über den zeitgemäßen Zugang zur Elektromobilität auf zwei und vier Rädern spricht Klara Deeken (21), Duale Studentin, in dieser Interview-Reihe mit dem Vorstand der ADAC SE, Mahbod Asgari, dem ADAC Technikchef Dr. Reinhard Kolke, dem Zukunftsforscher Prof. Dr. Niels Biethahn und ADAC Betriebsrat Thomas Biersack.

Bald werden fünf Prozent der Autos in Deutschland einen Elektromotor haben. Der Markt ist immer noch „spitz“. Aber: Die Zulassungszahlen steigen deutlich. Wie werden junge Erwachsene an die Elektromobilität herangeführt? Vor allem, wenn Eltern und Bekannte kein E-Auto fahren, der Firmenpool des Arbeitgebers noch kein E-Auto bereithält und zwischen Wohnung und der nächsten Ladesäule einige Kilometer liegen. Was also benötigt Deutschland auf dem Weg von der Generation Golf zur Generation E?

Klara spricht mit ADAC Technikchef Dr. Reinhard Kolke und dem Zukunftsforscher Prof. Dr. Niels Biethahn über die aktuelle Situation und die Aussichten.

ADAC Technikchef Reinhard Kolke lädt den VW e-up vor dem ADAC Technikzentrum
Dr.-Ing. Reinhard Kolke, Leiter Test und Technik, lädt den batteriebetriebenen VW e-up vor dem ADAC Technikzentrum in Landsberg am Lech. © ADAC

Klara: Herr Kolke, wie sieht eine „Generation E“ ihrer Meinung nach aus?

Herr Dr. Kolke:
Elektrofahrzeugfahrer waren zunächst in der Mehrzahl älter, eher wohlhabend und umweltbewusst. Mit der Förderung von Dienstwagen und dem Anschaffungsbonus werden nun viele neue Elektrofahrzeuge und Plug-in-Autos in den Markt kommen. Der geliehene E-Scooter oder E-Roller oder das eigene E-Bike sind doch eigentlich die Enabler, die von der Generation E heute regelmäßig genutzt werden. Sicher werden zukünftig die jungen Erwachsenen auch das Elektroauto der Eltern nutzen.

Klara: Sie führen mit Ihrem Team in Landsberg noch viele Tests durch. Wie sehen Sie die Situation diesbezüglich? Motivieren die Testergebnisse junge Menschen, E-Autos zu fahren, zu erwerben und in ihre individuelle alltägliche Mobilität einzubauen? Und: Viele Studien sind ja gegenüber der Elektromobilität reserviert bis skeptisch. Außerdem gibt es in der jungen Generation – ich möchte nur Fridays for Future erwähnen – eine generelle Skepsis gegenüber dem Auto. Wie sehen Sie diese Gemengelage aus Testergebnissen, Studien und Bewusstsein der jungen Generation?

Herr Dr. Kolke:
Ein Kritiker der Elektromobilität wird immer skeptisch bleiben. Den will ich gar nicht mehr überzeugen, wofür auch? – Junge Menschen sind pragmatisch, Fridays for Future verlässt sich auf die Wissenschaft. Und Jugendliche schauen in die Zukunft, definieren offene Handlungsfelder und fordern die Verantwortlichen auf, aktiv unsere Zukunft zu gestalten. Wir haben Antworten für alle: 1. „Natürlich werden wir auch in Zukunft Auto fahren.“ und 2. „Natürlich macht Mobilität der Zukunft erneuerbar, elektrisch, geteilt und auch auf zwei Rädern Spaß!“ – Unser ADAC-Team liefert für jeden die besten Informationen im Netz, weil Mobilität ein Grundbedürfnis ist und kein Schlachtfeld.

Klara: Herr Biethahn, Sie sind ja auch in der Lehre tätig. Wie sehen Sie die Situation in puncto Elektromobilität? Viele Lehrstühle bezüglich der Batterieforschung wurden ja vor dem verstärkten Interesse an Elektromobilität „zurückgefahren“. Und: Die Batterieproduktion findet im großen Stil woanders statt und nicht am Standort Deutschland. Gibt es Angebote von den Autoherstellern oder auch an öffentlichen und privaten Unis, Elektromobilität und Elektrochemie zu studieren? Geben Sie uns doch bitte einen groben Überblick.

Herr Prof. Biethahn:
In den letzten Jahren sind an verschiedenen Hochschulen vereinzelt Studiengänge, die sich auf das Thema Elektromobilität spezialisiert haben, entstanden. Die meisten dieser Studiengänge konzentrieren sich jedoch weniger auf das Thema Elektrochemie, sondern auf Themen wie Energiespeicher, Leistungselektronik sowie Netzinfrastruktur.
Vor dem Hintergrund, welche Fortschritte im Bereich der Batterietechnik Player wie CATL und Tesla regelmäßig vermelden, ist eine starke Abhängigkeit vom Ausland aus Sicht der deutschen Hersteller gefährlich, insbesondere da effiziente und modernste Antriebstechnologie traditionell zu den Kernkompetenzen deutscher Hersteller gehört. Die Bundesregierung versucht daher mit mehreren Initiativen, z.B. dem Dachkonzept Forschungsfabrik Batterie, Impulse zu setzen, um die Forschung in diesem Bereich zu intensivieren.

Klara: Die Klimaschutzziele schreiben vor, weltweit bis 2050 eine Treibhausgasneutralität erreicht zu haben. Glauben Sie, dass die Elektromobilität zur Erreichung dieser Ziele wesentlich beitragen kann?

Herr Prof. Biethahn:
Vor dem Hintergrund der Entwicklungen der letzten Wochen, in denen wir verheerende Waldbrände in Kalifornien und eine erkennbare Abschwächung der Golfstromzirkulation erlebt haben und wo vom größten noch existierenden Gletscher Nordgrönlands ein Stück von der Größe Paris´ abgebrochen ist, ist das Thema Treibhausneutralität noch mal bedeutender geworden.
Aber zu Ihrer Frage, ob die Elektromobilität zur Erreichung des Ziels der Dekarbonisierung des Verkehrs einen wesentlichen Teil beiträgt. Die Antwort ist eindeutig: Ja. Im Vergleich zu Benzin- und Dieselfahrzeugen stoßen E-Fahrzeuge erheblich weniger CO2 aus, trotz der Umweltbelastungen in der Produktion. Wie hoch die Einsparungen sind, hängt maßgeblich vom Strommix ab, mit dem das Fahrzeug „betankt“ wird. Kurzgefasst: Je höher der Anteil des regenerativen Stroms ist, umso schneller rechnet sich ein E-Fahrzeug. Bei 100 Prozent regenerativen Strom fahren Elektroautos schon ab ca. 40.000 km klimafreundlicher. Deshalb planen viele europäische Staaten mit dem Verbot von Benzin- und Dieselautos ab 2030 (Dänemark, Irland, Island, Niederlande) und fördern erneuerbare Energie.
Es muss uns aber klar sein, E-Autos sind nur ein Element, um das Ziel der Dekarbonisierung zu erreichen. Andere sind sicherlich die Stärkung des ÖPNV, aber auch das Thema Verkehrsvermeidung.

Klara: Herr Kolke, neben Tests und Fahrberichten von E-Autos geschieht sicherlich einiges, um das Thema E-Mobilität zu fördern. Können Sie uns sagen, welche Interessengruppen bei Ihnen nach Infos zur E-Mobilität nachfragen?

Herr Dr. Kolke:
Wir haben in der Tat viele Interessenten in Sachen Elektromobilität. Das sind 10% Studierende, 60% ADAC Mitglieder mit Beratungswunsch und 30% Presseanfragen. Das Thema Elektromobilität fliegt nun langsam immer höher!

Elektromobilität auf zwei und vier Rädern: Die Angebotspalette wird immer breiter
Egal ob Bike, Roller oder Auto, die Angebotspalette der E-Fahrzeuge wird breiter für alle Interessen und Altersgruppen. © ADAC

Klara: Herr Biethahn, als Wissenschaftler erforschen Sie, wie die Automobilbranche auf mögliche Herausforderungen wie z.B. Digitalisierung oder Änderungen im Mobilitätsverhalten reagieren könnte. Was muss aus Ihrer Sicht getan werden, um E-Mobilität für junge Leute attraktiv zu gestalten?

Herr Prof. Biethahn:
Gegenüber Elektromobilität gibt es bis jetzt viele Vorbehalte.
Ich nenne Ihnen wesentliche Vorbehalte:
1. Die Fahrzeuge sind durch ihre geringen Reichweiten nicht praktikabel. Die meisten E-Fahrzeuge, die jetzt auf den Markt kommen, haben Reichweiten von mehr als 250 km. 80 Prozent der Deutschen fahren nicht mehr als durchschnittlich 35 bis 40 km. Selbst Nachladen wird in Zeiten eines dichteren Ladenetzes, wenn Firmen wie Aldi und Lidl Schnelladesysteme für ihre Kunden anbieten, erheblich einfacher und schneller, sodass auch längere Touren möglich sind.
2. Kompliziertes Aufladen: Viele Personen schrecken die angeblich langen Ladezeiten ab. Viele neu installierte Ladesäulen verfügen über eine Schnellladefunktion, mit der man in vergleichsweise kurzer Zeit ordentliche Reichweiten nachladen kann. Meistens kann die Batterie in einer Stunde weitgehend nachgeladen werden. In der neuesten Supercharger-Version von Tesla kann bei einem Model 3 in nur 5 Minuten Ladezeit 120 km neue Reichweite getankt werden.
Ich kann jeden nur ermutigen, sich vom Gegenteil überzeugen zu lassen. Aber es gibt weiterhin ein Hindernis in Deutschland: An den mehr als 17.000 Ladesäulen in Deutschland gibt es unterschiedlichste Abrechnungsarten, unterschiedlichste Bedienungssysteme und extrem unterschiedliche Preise von 30 Cent bis über 70 Cent pro kWh.
Hier wäre es wünschenswert, dass in diesem Bereich politisch steuernd eingegriffen wird.

Klara: Herr Kolke, Bobbycar-fahrende Kinder trifft man heute seltener auf den Gehwegen. Die Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche, sich mit elektrisch betriebenem Spielzeug zu beschäftigen ist stark angestiegen (z.B. E-Miniaturautos wie der Audi R8 Spyder, Hoverboards und Drohnen). Kann man unter diesen Umständen davon ausgehen, dass sich die Heranwachsenden dann auch später gerne mit E-Mobilität auseinandersetzen?

Herr Dr. Kolke:
Kinder diskutieren heute nicht lange, um eine Steckdose für Smartphone, Hoverboard, E-Bike und Elektroauto zu finden. Kein Kind versteht heute, warum man vor 30 Jahren einen Film in eine Fotokamera einlegen musste. Ich erwarte, dass wir in 30 Jahren erklären werden, wie das damals mit den Tankstellen lief, in denen sogar Menschen an der Kasse standen.

Das Interview führte Klara Deeken. Die Duale Studentin Medien- und Kommunikationswirtschaft beim ADAC hat auch schon ADAC SE Vorstand Mahbod Asgari befragt, wie die junge Generation von E-Mobilität überzeugt werden kann.

Produktangebote

Angebote der ADAC SE zur E-Mobilität, u.a. E-Auto-Leasing und E-Bike-Abonnements finden Sie unter www.adac.de/e-angebote