„230 000 Autos im Fuhrpark“

Dieses Jahr feiern die ADAC Autovermietung und Sixt das 20-jährige Jubiläum ihrer Kooperation. Zu diesem Anlass führte die ADAC Motorwelt ein Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Erich Sixt, der erzählt, wie er aus einer kleinen Autovermietung ein globales Unternehmen gemacht hat. 

Was war Ihre erste wichtige Entscheidung, als Sie das Unternehmen im Jahr 1969 von Ihrem Vater übernahmen?
Sixt: Ich habe mit 200 Fahrzeugen angefangen und festgestellt: Autovermietung allein ist mir zu langweilig. Ich war 25 Jahre alt, bin in die USA gereist und habe dort die Finanzierungsform Leasing kennengelernt. Zurück in Deutschland habe ich an mehrere Firmen Faxe geschickt und angeboten, dass ich deren Fuhrpark besser und günstiger als sie selbst betreiben kann. Ein Manager von KraussMaffei hat daraufhin 300 Autos bestellt. Das war natürlich ein Coup, zumal der Vertrag über drei Jahre lief. So hatte ich einen sehr renommierten Kunden und konnte weitere Leasingaufträge abschließen. Und die Autovermietung hat sich auch ganz gut entwickelt.

Mussten Sie auch mal Lehrgeld zahlen?
Ja, bei Avon lief es nicht so gut. Deren Kosmetikberaterinnen haben wir Anfang der 1970er-Jahre mit Autos versorgt. Leider entschieden wir uns für Fahrzeuge der Marke Simca. Mit diesen Hecktrieblern haben die Avon-Beraterinnen so viele Unfälle verursacht – das war ein finanzielles Desaster für mich. Kurz vor dem Kollaps bin ich auf Renault mit Frontantrieb umgestiegen, das hat mich gerettet.

Ich war unlängst in Israel und bin mit einem Auto von Shlomo Sixt durch das Heilige Land gefahren – wie expansiv sind Sie?
Wir sind über eigene Tochtergesellschaften und über Franchisepartner in rund 120 Ländern aktiv und haben etwa 230 000 Autos im Fuhrpark. Sehr gut entwickeln sich zum Beispiel die USA, da haben wir 
20 000 Autos und machten 2017 erstmals Gewinn.

Ihr Unternehmen wächst seit Jahren rapide, gibt es für ein Familienunternehmen wie das Ihre eine natürliche Grenze?
Wir haben uns vom bayerischen Familienunternehmen ganz stetig zum Global Player weiterentwickelt und erleben derzeit die erfolgreichsten Jahre der Firmengeschichte. Ich bin immer sehr vorsichtig mit Voraussagen. Tatsache ist: Bislang haben wir unsere Ziele meist übertroffen. Wichtig ist, dass wir uns immer neue Ziele setzen. Stillstand darf es nicht geben.

Was ist heute die DNA von Sixt?
Unsere Erfolgsformel lautet „First-Class-Autos zum Economy-Preis“. Sixt steht für Premiumfahrzeuge und Premiumservice zu attraktiven Konditionen. Ich habe neulich mit dem Zollbeamten am Flughafen Orlando gesprochen, der in meinen Pass schaute und fragte, ob ich etwas mit Sixt Cars zu tun hätte. Und er erzählte mir, dass er immer bei uns buche, weil man bei Sixt so schöne BMW, Mercedes oder Volvo bekomme – für nur 25 Dollar Aufpreis. Das hört man natürlich sehr gern, auch wenn es der amerikanische Passkontrolleur ist.

Seit 20 Jahren kooperieren Sie mit dem ADAC – wie hat sich das entwickelt?
Die Zusammenarbeit mit dem ADAC ist uns sehr wichtig. Die Firmenphilosophien passen gut zusammen: Beide setzen auf Qualität, Vertrauen sowie faire Produkte und Dienstleistungen.

Was haben Clubmitglieder davon, ein Sixt-Mietauto über den ADAC zu buchen?
ADAC Mitglieder profitieren bei der Anmietung von Pkw und Lkw von besonderen Konditionen wie Rabatten oder dem Verzicht auf Aufpreise für bestimmte Zusatzleistungen.

Wie wird sich das Mobilitätsverhalten ändern, und wie reagiert Ihr Unternehmen darauf?
Tatsache ist: Autos stehen 96 Prozent der Zeit herum, werden im Mittel nur zu vier Prozent genutzt. Es macht also Sinn, nur die Zeit zu bezahlen, in der ich ein Auto nutze. Immer mehr junge Menschen legen weniger Wert auf ein eigenes Auto. Wir haben deshalb bereits vor Jahren mit neuen Angeboten wie dem Carsharing DriveNow oder dem Transferdienst myDriver reagiert, um von den Veränderungen der Mobilität zu profitieren. Ich glaube aber nicht an ganz radikale Szenarien. Wir werden noch lange in komfortablen Autos mit Verbrennungsmotor unterwegs sein. Ich würde auch mehr E-Fahrzeuge vermieten, aber die Nachfrage hält sich in Grenzen. Auch vom automatisierten Fahren bin ich nicht vollständig überzeugt. Es ist im Stau sicher angenehm, aber den individuellen Verkehr und den Fahrspaß werden wir uns nicht von Robo-Cars nehmen lassen.

Sie sind ein von Philosophen inspirierter Mensch. Gibt es etwas, das Sie im Unternehmen umsetzen?
Natürlich. Einer meiner Lieblingsphilosophen ist Sir Karl Popper. Er spricht sich dafür aus, jede Entscheidung infrage zu stellen und zu überlegen, was an ihr falsch sein könnte. Nicht nur im Beruf, auch privat folge ich diesem Prinzip immer. Das ist anstrengend, aber enorm wichtig. Wir kaufen beispielsweise jährlich Autos im Wert von rund sechs Milliarden Euro. Da überlege ich: Was kann alles verkehrt laufen? Ich weiß dann, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen entschieden habe, und ich stehe dazu. Aber endgültige Gewissheit gibt es nie, Risiko gehört zum Geschäft.

Interview: ADAC Motorwelt / Martin Kunz
Foto: David Klein

 

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