Elektroauto: Wissenswertes für den Winter

Um es im Winter im e-Auto warm zu haben und gleichzeitig möglichst wenig Reichweite zu verlieren, ist einiges zu beachten. Benjamin Blanke von der Renault Deutschland AG und Ludger Kersting von der ADAC Service GmbH über Stromer im Winter. 

 

Welche Rolle spielen eigentlich die Winterreifen beim Elektroauto? Sind diese wirklich notwendig? 

Ludger Kersting: Die gesetzlichen Regelungen bezüglich Winterreifen gelten natürlich auch für e-Autos. In der Elektromobilität spielt die Reichweite eine besondere Rolle. Der Rollwiderstand eines Winterreifens sollte gering sein. Dies darf allerdings nicht auf Kosten der Sicherheit gehen. Die Reifen müssen, wie bei Autos mit Verbrennungsmotor auch, auf der Flanke das M+S- und die Schneeflocke (Alpine-Symbol) tragen. Ältere Winterreifen, die nur das Symbol „M+S“ („Matsch und Schnee“) haben, dürfen noch bis September 2024 gefahren werden. Eine eingehende Beratung beim Fachhändler ist beim Thema Winterreifen für Elektroautos wichtig.

Tipp Icon

Reichweite im Winter

"Niedrige Temperaturen reduzieren nicht nur die Reichweite, sondern können auch die Ladezeit verlängern!"
Ludger Kersting, Geschäftsführer ADAC Service GmbH

Wie ist das eigentlich mit dem Anfahren im Winter? Macht da ein e-Auto wegen des direkten und starken Drehmoments Probleme?

Ludger Kersting: Fahren auf Eis und Schnee ist wegen der Rutschgefahr generell eine Herausforderung. Es kann übrigens beim ADAC auch im Rahmen eines Fahrsicherheitstrainings geübt werden. Wichtig: Auch beim Elektroauto, mit seinem direkten Drehmoment, ist sensibles und vorausschauendes Fahren im Winter ganz entscheidend. Der sogenannte Eco-Modus bietet sich hier als Hilfe an: Der Motor überträgt in diesem Modus eine verringerte Kraft auf die Räder. Das Auto kommt besser voran. Der Eco-Modus ist also nicht nur wegen des Spareffekts bezüglich Verbrauch und Reichweite wichtig, sondern bringt im Winter auch ein Plus an Sicherheit. Beim Anfahren mit der Schaltung zu hantieren, wie dies bei vielen Verbrennern möglich ist, entfällt, weil Elektroautos keine Gangschaltung besitzen. 

Wie ist das mit der Reichweite von Elektroautos im Winter?

Ludger Kersting: Die Reichweite eines e-Autos im Wintereinsatz hängt von vielen Faktoren ab. Experten des ADAC gehen davon aus, dass die Reichweite eines Elektroautos im Winterbetrieb sogar um bis zu 50 Prozent zurückgehen kann. Hierbei sind allerdings unter anderem die tatsächliche Außentemperatur, individuelle Fahrweise und Batterietechnik des jeweiligen Modells entscheidend. Innenraum-, Heck- und Frontscheiben-, Sitz- und Lenkradheizung, Lüftung und Fahrzeugbeleuchtung benötigen mehr Energie als im Sommer. Was für Elektroautos allgemein gilt – nämlich immer eine Reichweitenreserve mit zu bedenken und diese einzuplanen – ist in der kalten Jahreszeit umso wichtiger. Batterien verfügen bei Kälte generell über weniger Kapazität. Außerdem: Niedrige Temperaturen reduzieren nicht nur die Reichweite, sondern können auch die Ladezeit verlängern.

Benjamin Blanke, Abteilungsleiter Marketing Renault Deutschland AG

Wie ist das Ladeverhalten beim Renault ZOE im Winter?

Benjamin Blanke: Auch die Ladestärke regelt sich bei einigen Autos, wenn beispielsweise bei Kälte über Nacht geladen wird, automatisch herunter. Beispiel Renault ZOE, dem meistgekauften Elektroauto in Deutschland: Bei über 10 Grad Außentemperatur lädt der Elektro-Pkw ganz normal mit 22 kW Wechselstrom. Unter 10 Grad sinkt dieses Ladeverhalten auf 11 kW, unter null Grad auf 3,7 kW. Wird beispielsweise zu Hause über Nacht an einer Wallbox geladen, also dann, wenn auch genug Zeit vorhanden ist, merkt der Fahrer des Elektroautos davon aber gar nichts. Denn: die meisten Wallbox-Systeme werden mit 3,7 kW betrieben.

Tipp Icon

Heizen von e-Autos 

"e-Auto bereits vor der Fahrt heizen: So kommt die Heizenergie über das Ladekabel und nicht aus der Antriebsbatterie!"

Thema Heizung: Wie sieht es da beim ZOE aus?

Benjamin Blanke: Durch die Nutzung der Fahrzeugheizung erhöht sich der Energieverbrauch von Elektroautos. Hilfreich ist es daher, das e-Auto bereits vor der Fahrt zu heizen, und zwar am besten während des Ladevorgangs. Somit kommt die Heizenergie über das Ladekabel und nicht aus der Antriebsbatterie. Dieses Vorgehen verringert Reichweitenverlust. Das Vorheizen beim Laden an der Elektroladesäule kann bei vielen Fahrzeugen über eine App programmiert werden. Beim Renault ZOE gibt es Besonderheiten: Wenn der Fahrer des e-Autos über Nacht lädt, kann die Wohlfühltemperatur von 21°C, die morgens im Innenraum herrschen soll, voreingestellt werden. Wenn das Auto nicht an der Ladesäule hängt, können – falls die Batterie noch zu mindestens 45 Prozent aufgeladen ist - per Z.E. Online App für fünf Minuten die Scheiben beheizt werden. Dies kann allerdings nur eine Hilfe beim Start in die Kälte sein. Alle Scheiben müssen selbstverständlich die gesamte Fahrt eis- und beschlagfrei sein.

Gibt es Alternativen zum Vorheizen? 

Benjamin Blanke: Bei neueren Elektroautos haben die Hersteller von Elektro-Pkw bereits eine Wärmepumpe nachgerüstet. Diese ermöglicht eine energieeffiziente Heizung des Fahrzeuginnenraums. Akkuleistung wird eingespart, was wiederum die Reichweite erhöht. Beim ZOE nennt sich das Range OptimiZEr-Technologie. Zentraler Bestandteil ist die Innenraumklimatisierung nach dem Prinzip einer Wärmepumpe. Da ein Großteil der Energie zum Heizen und Kühlen nicht mehr aus der Batterie, sondern aus der Umgebungsluft bezogen wird, benötigt das System deutlich weniger elektrische Energie. Die Wärmepumpe im ZOE produziert mit einer Kilowattstunde Strom drei Kilowatt¬stunden Heizwärme und zwei Kilowattstunden Kühle. Dies schont die Batterie und steigert die Reichweite laut Angabe des Herstellers um bis zu 15 Kilometer.

Ludger Kersting: Wer plant, in nächster Zeit ein E-Auto zu kaufen oder zu leasen, sollte im Hinblick auf die kalte Jahreszeit das Thema Wärmepumpe beim Händler auf jeden Fall ansprechen. Die Pumpe ist nämlich nicht generell bei allen Elektroautos aller Hersteller serienmäßig. Beim Renault ZOE ist die Wärmepumpe in allen Versionen des Autos serienmäßig verbaut. Für Elektroautos, die keine Wärmepumpe haben, ist eine gedämmte Garage oder Tiefgarage als Stellplatz empfehlenswert, damit das Fahrzeuginnere bei extremer Kälte nicht komplett auskühlt.

Das Interview führte Christian Buric, ADAC SE.

Aktuell wird ADAC Mitgliedern das e-Auto Renault ZOE zu Sonderkonditionen im Leasing angeboten. Alle Informationen dazu sind hier zu finden.