Zukunftsprojekte „Made in Baden-Württemberg“

Bild: © Gustai/Pixelgrün, Video: © FZI Forschungszentrum Informatik, Karlsruhe

Wer sich in Baden-Württemberg umschaut kommt aus dem Staunen nicht mehr raus, die Ideen und Projekte für neue Mobilitäts- und Antriebskonzepte sind so vielseitig wie unsere Region. Eines der bekanntesten ist das sogenannte EVA-Shuttle. Unter großem Medieninteresse lief das Pilotprojekt von Mitte April bis Ende Juli im Karlsruher Stadtteil Weihersfeld-Dammerstock mit drei autonom fahrenden Minibussen. Aber auch andere spannende Projekte haben uns neugierig gemacht. Im sonnigen Freiburg wird an der Autobahn der Zukunft geforscht und die Stuttgarter arbeiten daran, das tägliche Verkehrschaos im Kessel sprichwörtlich in Luft aufzulösen.

Aber was macht eine Idee eigentlich zukunftsweisend und wann landet sie in „Ablage P“?
Prof. Dr. Markus Friedrich ist Mobilitätsforscher und beschäftigt sich mit der Wirkung neuer Mobilitätskonzepte, er macht für uns den Realitätscheck.

EVA-Shuttle – elektrisch, vernetzt, automatisiert

Fahrerlose Busse bringen Menschen zur nächsten Straßenbahnhaltestelle: Im Karlsruher Stadtteil Weiherfeld-Dammerstock ist das keine Zukunftsmusik, sondern längst Alltag. Das Pilotprojekt lässt Forschung live unter Realbedingungen erleben. Beim neuen Angebot im öffentlichen Personennahverkehr sind vernetzte und autonom fahrende Mini-Busse, genannt EVA-Shuttle („Elektrisch Vernetzt Automatisiert“), auf der sogenannten „ersten“ oder „letzten Meile“ zwischen Haltestelle und Haustüre unterwegs.
Die Fahrt ist ein besonderes Erlebnis, denn an den fehlenden Fahrer muss man sich erst gewöhnen – aber sonst läuft quasi alles wie von selbst: Einfach App runtergeladen, Zeit und Strecke ausgesucht, gebucht, bestätigt und dann heißt es – alles einsteigen bitte!

Autonome Busse reduzieren die Kosten für das Fahrpersonal, die beim Busverkehr etwa ein Drittel der gesamten Betriebskosten ausmachen. Perspektivisch könnten wir so bei gleichen Kosten die Zahl der Fahrplanfahrten um etwa 30 Prozent erhöhen. Das stärkt den öffentlichen Verkehr.

Prof. Dr. Markus Friedrich, Mobilitätsforscher©privat

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Sonnige Aussichten – Freiburg zeigt uns die Autobahn der Zukunft

Von der Sonne verwöhnt – was für den Badischen Wein gilt, gilt natürlich für die ganze Region. Kein Wunder also, dass die Abteilung für Solarenergie-Systeme des Fraunhofer Instituts in Freiburg sitzt. Zu den spannenden Forschungsfragen zählt, wie man die Sonne im Straßenverkehr gewinnbringend nutzen kann. Und so beschäftigen sich die Physiker unter anderem damit, ganze Autobahnen mit Photovoltaik-Modulen zu überdachen. Je laufendem Meter würde genügend Strom produziert, um den Bedarf einer vierköpfigen Familie zu decken oder um ein Elektro-Auto auf 20.000 Kilometern zu betreiben.

Eine Überdachung von Straßen mit Photovoltaik-Modulen nutzt bereits versiegelte Flächen für die Erzeugung nachhaltiger Energie. Ob eine derartige Nutzung wirtschaftlich ist, hängt von den Baukosten und den Stromkosten ab. Dabei sind besondere Anforderungen der Straße, z. B. bei Rettungseinsätzen mit Helikoptern zu bedenken.

Prof. Dr. Markus Friedrich, Mobilitätsforscher©privat

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Seilbahnen – so lösen sich Verkehrsprobleme in Luft auf

Wer an Seilbahnen denkt, denkt an den Schwarzwald, die Alpen, an hohe Gipfel. Aber nicht an Stuttgart. „Bei uns geht es nicht darum, hohe Berge zu erklimmen, sondern zwei Punkte auf dem kürzesten Weg zu verbinden und damit besser und schneller zu sein, als alternative Nahverkehrs-Modelle“, erklärt Stephan Oehler, Leiter der Abteilung Verkehrsplanung in der Landeshauptstadt. Tatsächlich beschäftigt sich der Gemeinderat mit Gondeln, die auf einer Strecke von 3,5 Kilometern im Stadtteil Vaihingen über den Stau hinwegschweben sollen. Eine schöne Idee – aber es gibt auch kritische Stimmen, die eine dafür nötige Bebauung eines Naherholungsgebiets verhindern möchten.

Seilbahnen sind hinsichtlich der Kapazität und der Geschwindigkeit vergleichbar mit Bus- und Straßenbahnsystemen. In den größeren deutschen Städten ist meist ein schienengebundenes ÖV-System vorhanden. Seilbahnen können hier eine sinnvolle Ergänzung sein, wenn eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung mit wenigen Zwischenhalten stark nachgefragt wird, die heute nicht ausreichend vom ÖV bedient wird. Wie bei jedem Infrastrukturprojekt wird es auch bei Seilbahnen Widerstände geben. Die Einsehbarkeit von Wohnungen sowie die Eingriffe in das Stadtbild werden kritisch gesehen.

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