ADAC Verbrauchertest

Spitzenwert bei den Regelverstößen 

E-Scooter Feldbeobachtung

ADAC: Die erste Feldbeobachtung von E-Tretrollern im Stadtverkehr bringt für Stuttgart bemerkenswerte Ergebnisse


In Stuttgart werden E-Scooter im Vergleich zu anderen Großstädten noch verhältnismäßig wenig genutzt. Die Zahl der Regelverstöße ist allerdings am höchsten. Zwei Erkenntnisse aus der ersten Feldbeobachtung, die der ADAC neben Stuttgart auch in München, Köln, Berlin, Hamburg sowie Heidelberg durchführte.

„Elektro-Tretroller waren in diesem Sommer erstmals ein großes Thema auf den Straßen, die Untersuchung liefert nun hierzu wichtige Informationen und Trends“, betont Holger Bach, Abteilungsleiter Verkehr und Umwelt beim ADAC Württemberg. In Stuttgart zählte der Club im Sommer 2019 unter anderem am Hauptbahnhof, einer Schule, an touristischen Hotspots, der Universität sowie der Fußgängerzone in der City. Über den Tag verteilt gab es insgesamt drei Zählintervalle (morgens, mittags, früher Abend).

Insgesamt 244 E-Tretroller erfasste der Club im Testzeitraum – am meisten am Rotebühlplatz und in der Fußgängerzone, kaum genutzt wurden dagegen die Gefährte im Bereich des Hauptbahnhofs, der Mercedes-Benz-Arena sowie an der Universität. „Die Stichproben zeigen zudem auf, dass sie oft von Touristen eingesetzt werden“, sagt Bach. In Stuttgart waren dabei zum Teil deutlich weniger E-Scooter unterwegs als in den anderen Test-Städten. In keiner anderen Stadt gab es allerdings prozentual gesehen mehr Regelverstöße. Bei rund der Hälfte aller registrierten Fahrten stellten die Experten diese fest – zum Beispiel das Fahren in der Fußgängerzone oder entgegen der erlaubten Richtung „Wir gehen davon aus, dass Regelverstöße häufig aus Unwissenheit begangen werden“, sagt Bach. 

Sorgen bereitet den Experten des Mobilitätsclubs zudem die niedrige Helmtragequote. In Stuttgart trugen rund 98 Prozent aller Nutzer keinen Kopfschutz. Noch ein interessanter Wert aus der ersten Stichprobe: Rund 80 Prozent der in Stuttgart gezählten Nutzer sind männlich – der Spitzenwert im Vergleich zu den anderen fünf Städten. Beim Abstellen der Scooter zeigte sich, dass ihre Nutzer – zumindest tagsüber – umsichtiger sind als ihr Ruf: Über alle Städte hinweg wurden nur knapp drei Prozent der Roller tatsächlich so abgestellt, dass sie jemanden behindern würden. Dennoch stellen die abgestellten Scooter vor allem für Blinde und sehbehinderte Menschen ein großes Problem dar.


Hintergrundinformationen des ADAC zum Thema E-Scooter
E-Scooter sind eine flexible Mobilitätsoption zum Auto, aber bei weitem nicht so umweltfreundlich wie das Fahrrad. Dies liegt vor allem daran, dass für die Batterieherstellung und -entsorgung beträchtliche Ressourcen notwendig sind, ebenso wie für das Einsammeln der E-Scooter über Nacht zum Aufladen und die anschließende Neuverteilung über das Geschäftsgebiet mit konventionell angetriebenen (Diesel-)Transportern. Hinzu kommt, dass die E-Scooter derzeit fast ausschließlich in den Kernbereichen großer Städte angeboten werden, also dort, wo die Ziele häufig fußläufig gut erreichbar sind und in der Regel ein sehr gutes Angebot an Bussen und Leihfahrrädern zur Verfügung steht. Diese Verkehrsmittel sind nicht nur nachhaltiger, sondern – zumindest auf mittlere und längere Distanzen – auch noch billiger, da für jede E-Scooter-Fahrt eine Grundgebühr von einem Euro und ein Minutenpreis von 15 bis 25 Cent fällig werden.

E-Scooter: Diese Regeln gelten für Elektroroller


Radfahrersicherheit an Kreuzungen

Mehr Licht als Schatten - Stuttgart schneidet beim bundesweiten ADAC Test tendenziell positiv ab 

Der ADAC hat in zehn deutschen Großstädten die Radfahrersicherheit an Kreuzungen, Einmündungen sowie Grundstückszufahren getestet. Auch wenn Stuttgart allgemein nicht gerade als besonders fahrradfreundliche Metropole gilt, bekommen die bestehenden Strecken in Sachen Sicherheit an Kreuzungen dabei tendenziell aber gute Zensuren. 31 Prozent der gecheckten Stellen bekamen die Bestnote „sehr gut“, 23 Prozent ein „gut“. An keiner einzigen getesteten Kreuzung gab es ein „sehr mangelhaft“, die schlechteste Testnote. „Diese Stichproben zeigen, dass Stuttgart auf einem guten Weg in Sachen Sicherheit für Radfahrer ist, allerdings auch noch Handlungsbedarf besteht“, betont Holger Bach, Abteilungsleiter Verkehr und Umwelt beim ADAC Württemberg. 

Unfallanalysen zeigen deutlich, dass Autofahrer beim Ein- oder Abbiegen Radfahrer häufig übersehen. Durch bessere Verkehrsführung könnten womöglich viele gefährliche Situationen verhindert werden. Für die Untersuchung befuhren die Experten in Stuttgart 13 Testrouten, jeweils zwischen 3,5 bis 4,5 Kilometer lang – typische Alltagsstrecken, wie zum Beispiel von einem Wohngebiet zum Arbeitsschwerpunkt, zur Schule, zur Universität oder zu Einzelhandelszentren. Auch touristische Strecken gehörten dazu. „Mängel wurden fotografisch wie schriftlich dokumentiert“, erklärt Bach. 

Untersucht wurde in Stuttgart unter anderem, ob sich Fahrradfahrer und Kfz-Verkehr gegenseitig gut sehen konnten, der Radwegverlauf auf der Fahrbahn deutlich markiert war oder im Falle von viel befahrenen Straßen Querungshilfen (zum Beispiel Mittelinseln) zur Verfügung standen. Bei Straßen ganz ohne Radwege prüften die Experten, inwiefern das Passieren von Kreuzungen gefahrlos möglich war. An Ampel-Kreuzungen begutachteten sie zudem, ob Radfahrer bei Rot gut sichtbar vor den Autos warten konnten, früher als Autofahrer ein Grün-Signal erhielten oder wie sicher und komfortabel Linksabbieger über die Kreuzung geführt wurden. Überwiegend gute Sicherheitsstandards für Radfahrer fanden die Experten auch in Erfurt, Hannover, Mainz, München und Saarbrücken vor.

ausführliches Testergebnis


Park+Ride

Österfeld triumphiert – Leonberg in Verfolgergruppe

Der ADAC hat in zehn deutschen Großstädten und deren Umgebung Park-and-Ride-Anlagen (P+R) getestet. Das gebührenpflichtige Parkhaus Österfeld in Stuttgart triumphiert mit der Gesamtnote „sehr gut“ als Testsieger der insgesamt 60 geprüften Anlagen. Mit der Gesamtnote „gut“ überzeugte im Test zudem die Anlage in Leonberg. Gerade noch im positiven Bereich: Stuttgart-Sommerrain, Stuttgart-Weilimdorf und Remseck-Aldingen (Hornbach) mit „ausreichend“. Die Anlage in Filderstadt erhielt die Note „mangelhaft“.

„P+R-Anlagen können Menschen, die in die Zentren von Großstädten einfahren wollen, bereits im Umland zu einem Umstieg auf den ÖPNV bewegen“, erläutert Holger Bach, Abteilungsleiter Verkehr und Umwelt beim ADAC Württemberg. „Deshalb begrüßt der ADAC Württemberg ausdrücklich die für die kommenden Jahre geplante Schaffung von 1.700 neuen P+R-Stellplätzen in der Region Stuttgart.“ Dies sei grundsätzlich sinnvoll, funktioniere jedoch nur bei einer guten Anbindung der P+R-Plätze an den ÖPNV. 

Die Anlage Österfeld überzeugte die Tester in den meisten Punkten. So waren zum Testzeitpunkt unter anderem Informationen über Lage, Größe und Preis im Internet abrufbar. Die Anzeige der Anzahl freier Stellplätze an der Zufahrt fiel ebenso positiv auf, wie nummerierte Stellplätze und der überdachte Ticketautomat. Durchgängig gekennzeichnete Wege für Fußgänger im Parkbereich brachten ebenso Pluspunkte wie die vorhandene Videoüberwachung und die durchgehende Beleuchtung. Der ÖPNV-Takt, mindestens alle zehn Minuten Richtung Stadtmitte, sowie die Lage direkt an einer ÖPNV-Haltestelle kamen bei den Testern ebenfalls gut an. Negativ dagegen der fehlende Aufzug im Parkhaus und etwas zu schmale Parkplätze. „Die Anlage kommt trotz dieser kleinen Mängel einer optimalen sehr nahe“, betont Holger Bach. Die P+R-Anlage in Leonberg am Bahnhof schlug sich mit der Note „gut“ in dem Test auch positiv. Keine Frei-/Besetzt-Anzeigen sowie keine Hinweise auf die Anzahl freier Stellplätze verhinderten unter anderem eine noch bessere Bewertung. 

Das Gegenstück zum bundesweiten Testsieger stellt die P+R-Anlage in Filderstadt dar. Trotz vieler positiver Punkte (nummerierte Stellplätze, Beleuchtung, Haltestelle direkt am Platz) schlugen sich viele negative Punkte nieder. Teilweise verschmutzte Parkflächen sowie deutlich längere Fahrzeiten mit dem ÖPNV zum Rathaus und zum Hauptbahnhof als per Pkw sorgten unter anderem für die Note „mangelhaft“.

Die Tester waren in Berlin, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hannover, Köln, Leipzig, Nürnberg, München und Stuttgart unterwegs. Dort untersuchten sie je sechs am Stadtrand gelegene P+R-Anlagen mit jeweils mehr als 200 Stellplätzen und direkter Anbindung an den öffentlichen Schienenverkehr. 

Durchgeführt wurden die Tests direkt vor Ort in Anlagen mit mehr als 200 Stellplätzen von Experten des Berliner Fachinstituts LK Argus anhand von einheitlichen Checklisten. Sie fanden im Januar unter der Woche jeweils zwischen 8 Uhr und 17 Uhr statt. Zusätzlich erhoben die Tester auf den Webseiten der Betreiber, der Städte und der örtlichen Verkehrsverbünde zum Beispiel Taktfrequenzen des ÖPNV, Informationen zur aktuellen Auslastung oder Angaben zu Parkgebühren.

Hintergrundinformationen zum Test

Die einzelnen Prüfkriterien der Checkliste waren in die vier Hauptkategorien „Information und Preise“ (10 Prozent), „Nutzerkomfort“ (30 Prozent), „Sicherheit“ (30 Prozent) und „ÖPNV-Angebot“ (30 Prozent) unterteilt. Innerhalb dieser Hauptkategorien waren die Prüfkriterien wiederum in Themenbereichen angeordnet. Zum Beispiel Beschilderung der Anlagen, Preise für Parktickets, Bezahlmöglichkeiten, freie Stellplätze, Überdachungen, Sauberkeit, kurze Wege, Beleuchtung, Videoüberwachung, am Ort stationiertes Personal oder Taktung der Züge. Für jedes einzelne Prüfkriterium gab es Punkte, deren Summe am Ende das Gesamturteil ergab. Die Ergebnisse des Tests drücken sich in den ADAC-Urteilen sehr gut, gut, ausreichend für den positiven, mangelhaft und sehr mangelhaft für den negativen Bereich aus. Für ein positives Resultat benötigten die P+R-Anlagen mindestens 70 Prozent der möglichen Punkte.

Voraussetzungen für gute P+R-Anlagen

  1. P+R-Anlagen sind umso attraktiver, je besser Sie an den ÖPNV angebunden sind. Hier sieht der ADAC Optimierungsbedarf – vor allem hinsichtlich des Taktes, der Fahrzeugkapazität und der Festlegung der Tarifgrenzen.
  2.  P+R-Anlagen müssen ausreichend bemessen sein. Die Verfügbarkeit von freien Parkplätzen lässt sich dadurch verbessern, dass durch eine Begrenzung der Parkdauer, durch die Erhebung von Parkgebühren oder durch die Kopplung der Nutzungsberechtigung mit einem ÖPNV-Fahrschein Dauerparker ferngehalten werden.
  3. P+R sollte stets Baustein kommunaler Parkraumkonzepte sein und nach Möglichkeit auch das Umland mit einbeziehen.
  4. P+R-Anlagen müssen befestigt sein, markierte Bereiche für das Parken und Gehen aufweisen und beleuchtet sein.
  5. Für gut ausgelastete P+R-Anlagen am Stadtrand sollten höhere Nutzungsgebühren gelten als für Anlagen im weiter entfernten Umland. Dadurch lässt sich verhindern, dass Nutzer vielfach bis zum Stadtrand fahren. Gleichzeitig sollten die ÖPNV-Tarife so angepasst werden, dass durch das Anfahren entfernterer Anlagen keine größeren Tarifsprünge entstehen.
  6. P+R-Anlagen sollten stets mit einer ausreichenden Zahl von sicheren und witterungsgeschützten Fahrradabstellplätzen (B+R) versehen werden. Damit wird  für Autofahrer, die im Nahbereich der Anlage wohnen, ein Anreiz geschaffen, statt des Autos ein Fahrrad zu benutzen.
  7. Mit Blick auf einen steigenden Anteil an Elektrofahrzeugen sollten – auch staatlich geförderte – Lademöglichkeiten eingerichtet werden.

Empfehlungen für Autofahrer

  • Ausschließlich auf gekennzeichneten Flächen parken
  • Auch andere P+R-Anlagen und Stellplätze entlang der Pendlerstrecke nutzen
  • P+R-Anlagen mit hoher Auslastung nur zur Weiterfahrt mit dem ÖPNV nutzen
  • Prüfen, ob die ÖPNV-Haltestelle an der P+R-Anlage anstatt mit dem Pkw auch zu Fuß oder per Rad bequem erreicht werden kann – so können weiter entfernt Wohnende auch auf den ÖPNV umsteigen
  • Über Fahrgemeinschaften nachdenken: Sie sparen eigenes Geld und helfen, die knappen P+R-Plätze effizienter zu nutzen.
  • Prüfen, ob P+R-Nutzung Reisezeit- und/oder Kostenvorteile gegenüber dem eigenen Pkw bieten