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ADAC Württemberg kritisiert die jüngsten Radwegentscheidungen in Stuttgart

Breite deutlich gekennzeichnete Fahrradstraße Innenstadt
Statt über vielbefahrene Hauptverkehrsadern könnte der Radverkehr bevorzugt über Fahrradstraßen (hier die Eberhardstraße in Stuttgart) in die Nebenstraßen verlagert werden. ∙ © Landeshauptstadt Stuttgart/Leif Piechowski

„Wir erwarten eine sachgerechte Lösung, die
langfristig alle Verkehrsteilnehmer in den Fokus rückt“

Im Schnellverfahren hat Stuttgart den Weg für temporäre Radwege in der Innenstadt frei gemacht und verteilt damit den Straßenraum neu. Neben den provisorischen Radfahrstreifen auf der Theodor-Heuss-Straße und der Holzgartenstraße sollen nach neuesten Plänen auch an Hauptverkehrsadern wie der B14 und der B27 Auto-Fahrspuren für den Radverkehr weichen.

Der ADAC Württemberg reagiert mit Unverständnis auf diese Entwicklungen. Statt das Mobilitätsverhalten während der Corona-Krise als Maßstab für die künftige Verkehrsentwicklung zu nehmen, braucht es laut Mobilitätsclub ein Gesamtkonzept. „Der temporäre Rückgang des Pkw- und übrigens auch des Radverkehrs in der derzeitigen Situation darf nicht dazu genutzt werden, dauerhafte Umverteilungen des Verkehrsraums durchzusetzen“, meint Dieter Roßkopf, Vorsitzender des ADAC Württemberg. „Wir brauchen ein Verkehrskonzept, das nicht nur bei pandemiebedingten Einschränkungen funktioniert, sondern langfristig die Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer in den Fokus rückt.“ So muss der Ausbau der Radinfrastruktur nicht über vielbefahrene Hauptverkehrsadern führen, sondern könnte über Fahrradstraßen in die Nebenstraßen verlagert werden. Damit wären Radfahrer nicht nur sicherer, sondern auch gesünder unterwegs, weil die Schadstoffbelastung in Nebenstraßen nachweislich geringer ist.

Sobald sich das Mobilitätsverhalten der Menschen wieder normalisiert, muss die Notwendigkeit der temporären Radwege auf Basis von validen Daten und Fakten neu bewertet werden.

Der ADAC Württemberg erwartet von der Politik keine Schnellschüsse, sondern eine sachgerechte und zukunftsorientierte Lösung, die dem normalen Verkehrsaufkommen in der Stadt gerecht wird. „Sobald sich das Mobilitätsverhalten der Menschen wieder normalisiert, muss die Notwendigkeit der temporären Radwege auf Basis von validen Daten und Fakten neu bewertet werden“, so Dieter Roßkopf.

Darüber hinaus muss auch die Förderung und Unterstützung des ÖPNV nun mehr denn je in den Blick genommen werden, damit die öffentlichen Verkehrsmittel nicht als Verlierer aus der Corona-Krise gehen. In der jüngsten ADAC Umfrage zum Mobilitätsverhalten gaben knapp 20 Prozent der Befragten an, den ÖPNV nach Corona seltener nutzen zu wollen.

Zwei Drittel der befragten Autofahrer hingegen wollen das Auto auch zukünftig unverändert nutzen, 16 Prozent der Befragten sogar häufiger als zuvor. Für den ADAC Württemberg ist diese Entwicklung wenig überraschend, da der eigene Pkw zumindest unter hygienischen Gesichtspunkten für viele im Augenblick als das sicherste Verkehrsmittel erscheint.