„Ziel erreicht“

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EM in Stuttgart: Der Ball rollt, der Verkehr auch – 80 Prozent kommen mit dem ÖPNV zum Stadion

Die große Überraschung beim jüngsten EM-Spiel in Stuttgart war vielleicht nicht der Erfolg der deutschen Mannschaft über Ungarn. Es hatte sich ja angedeutet, dass Kroos und Co. in guter Verfassung sind. In Topform zeigten sich aber auch die Fans. Der Fanmarsch der deutschen Hardcore-Anhänger führte von der Innenstadt zum Stadion. Das sind satte sechs Kilometer. Auch die Ungarn machten sich zu Fuß auf den Weg in die Arena. Und der Rest der 51.000 Zuschauer? Kam überwiegend mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Spiel. 80 Prozent nutzten S-Bahn oder Stadtbahn für die An- und Abreise. So hatte es sich die UEFA, die das Turnier veranstaltet, gewünscht. Nur hatten im Vorfeld die wenigsten daran geglaubt. „Wir sind positiv überrascht, dass die Quote erreicht wurde“, sagt Dirk Kreidenweiß, Ressortleiter Mobilität während der EM in Stuttgart. Zwar seien noch nicht alle Daten ausgewertet, aber die Messungen rund um die Bahnhöfe und die Auslastung der Züge ergebe ein klares Bild, unter das man notieren könnte: „Ziel erreicht.“
Bereits im Vorfeld gab es „Kommunikations-Kampagnen“, um die Fans von der Straße auf die Schiene zu locken. Die Zahl der Parkplätze am Stadion ist drastisch reduziert. So standen und stehen zum Beispiel auf P10 nur ein Drittel der rund 9000 Plätze zur Verfügung. Vor den Begegnungen fahren die Bahnen quasi im Minutentakt zur Arena. Die Fahrzeiten sind in die Abendstunden hinein verlängert, sodass auch bei 21-Uhr-Spielen die Fans komfortabel abreisen und die P&R-Parklplätze erreichen können.

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Bis zu 50.000 Fans von der Insel
Auch die Einwohner Stuttgarts tragen ihren Teil dazu bei, dass es nahezu problemlos läuft. „Viele Pendlerinnen und Pendler sind auf den ÖPNV umgestiegen oder arbeiten gleich im Homeoffice. Das Grundrauschen auf den Straßen war sehr gering, sodass der Veranstaltungsverkehr keine großen Probleme gemacht hat“, erklärt Kreidenweiß. Die nötigen Straßensperrungen in der Innenstadt rund um Fanmeilen und Stadion wurden von den Bürgern weitestgehend akzeptiert. Auch die kurzfristigen Einschränkungen durch Autokorsos und Fanwalks hätten kaum zu Beschwerden geführt.
Die große Herausforderung steht aber noch bevor. Am Sonntag steigt das Spiel Schottland gegen Ungarn. Man müsse mit bis zu 50000 Fans von der Insel rechnen, die die Stuttgarter Innenstadt bevölkern. Es werde einen Meeting-Point vor dem Spiel geben, an dem sich zig Tausend Schotten versammeln. Der Platz wird nicht öffentlich kommuniziert, um ein Aufeinandertreffen unterschiedlicher Fangruppen zu verhindern.

„Blockabfertigung“ für schottische Fans
Die Vorgehensweise ist mit Vertretern der schottischen Fans abgesprochen. Die Stuttgarter Verantwortlichen stehen schon seit Monaten mit ihnen in Kontakt, um im Vorfeld so viele Dinge wie möglich abzuklären. Dabei geht es um solche Fragen: Wie reisen die Fans nach Stuttgart? Oder: Ist ein Fanwalk angedacht? Bei den Ungarn geht man davon aus, dass sie wieder zu Fuß zum Stadion ziehen. Die Schotten haben das nicht geplant, müssen also mit den Bahnen zur Arena kommen. Deswegen wird es eine „Blockabfertigung“ geben. „Vom Sammelplatz wird man die Fans jeweils in 1000er-Päckchen Richtung ÖPNV schicken. Immer wenn eine Bahn abfährt, können welche nachrücken.“ Vor dem Bahnsteig gebe es dann „Vereinzelungs-Maßnahmen“, also Schleusen, damit die Fans nicht im Pulk auf die Waggons zuströmen.
In jedem Fall geht es am Sonntag in Stuttgart wieder hoch her und eng zu. Wer eine Karte fürs Spiel hat, dem seien die Tipps von Mobilitäts-Manager Kreidenweiß ans Herz gelegt: Er empfiehlt die frühzeitige Anreise in die Landeshauptstadt mit Bahn und öffentlichen Verkehrsmitteln.

Es lohnt sich, in der Innenstadt in die Fanmeilen einzutauchen. Es herrscht eine super-entspannte Atmosphäre hier in Stuttgart.

Es lohnt sich, in der Innenstadt in die Fanmeilen einzutauchen. Es herrscht eine super-entspannte Atmosphäre hier in Stuttgart.

Dirk Kreidenweiß, Ressortleiter Mobilität©privat

Wer genug Zeit hat und gut zu Fuß ist, könne vom Stadtgarten (6 km) oder vom Hauptbahnhof (4 km) zum Stadion laufen. „Man kommt durch den wunderschönen Schlossgarten. Das ist eine gute Einstimmung.“ Der Vorschlag von Kreidenweiß lautet gar, zur Öffnung der Tore schon am Stadion zu sein. Das ist drei Stunden vor dem Spiel, also um 18 Uhr. „Dann kriegt man auch den Einzug der Fans mit. Das ist ein Erlebnis.“

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