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Das große Warten – Camper-Leben in Corona-Zeiten

© ADAC Württemberg e.V.

Wie geht es eigentlich den Campern, die sonst viele Wochen im Jahr mit ihren Wohnmobilen unterwegs sind und nun, aufgrund der aktuellen Corona-Situation, „festsitzen“? Sowohl die Wohnmobile als auch ihre Besitzer leiden unter den langen „Standzeiten“ – wir haben nachgefragt: Kurt (73) und Erna (69) sind seit 33 Jahren mit dem Wohnmobil auf Tour und die letzten knapp 20 Jahre davon gemeinsam. Etwa 30 Wochen im Jahr verbringen sie in ihrem Wohnmobil, durch ihre ADAC Plus Mitgliedschaft sind sie dabei im In- und Ausland gut versichert. Jetzt steht das Wohnmobil seit Monaten startklar vor dem Haus und sorgt eher für Frust, als gute Laune: „Wir haben im letzten Herbst die Winterklamotten eingeräumt und jetzt im Frühling – so wie sie waren – wieder ausgeräumt. Jetzt sind die Sommerkleider wieder drin“ und damit auch die Hoffnung, auf warme Sommertage unter der Wohnmobilmarkise.
Ein Gutes hat es, dass die beiden momentan „festsitzen“ – sie haben Zeit sich mit uns zu unterhalten und uns seltene Einblicke in das Camper-Leben vor, während und hoffentlich bald nach Corona zu geben.

Was ist das Besondere am Camper-Leben?
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Wenn‘s regnet, biegen wir einfach ab in Richtung Sonne – das nenn ich Freiheit! Wenn du mit dem Auto in den Norden in den Urlaub willst, fährst du die Autobahn schnurschtracks hoch, damit der Urlaub losgehen kann. Wir brauchen für die Strecke schon allein drei Wochen – uns pressiert es nicht. Wenn wir dann da sind, sind wir ganz nah dran am Geschehen. Wir sitzen auf unseren Klappstühlen quasi immer in der ersten Reihe. "

Gibt es den bestimmten Camper-Typ? Was macht ihn aus?
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Ja, den gibt es und er muss vor allen Dingen praktisch veranlagt sein. Als Camper musst du das Selbstständige mögen! Ob das Wohnmobil das Richtige für einen ist, das merkt man schnell. Uns hat vor Kurzem ein Verkäufer erzählt, er hat gerade besonders viele Anfragen, aber auch einige Rückläufer, er sagte: 'Spätestens, wenn es darum geht, die eigene Toilette zu wechseln, trennt sich die Spreu vom Weizen.' Vor allem aber sind wir naturverbunden. Vielen liegt auch die Ruhe nicht. Auf dem Stellplatz ist abends nicht viel los, da trinken wir noch einen Wein und hören dem Uhu beim Pfeifen zu."

Gibt es einen Unterschied, zwischen früher und heute?
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Früher war das Campen noch freier und oft kostenlos, heute gibt es überall Preiserhöhungen für die Stell- und Campingplätze. Selbst bei der Erna im Schwarzwald‚ wo alles noch normal zugeht, wurde jetzt erhöht! Durch Corona sind viel mehr Wohnmobile unterwegs, das zeigt sich nicht nur in der Statistik, sondern auf den Plätzen, überall neue Gesichter.
Und sehr viele Verbotsschilder sind im Laufe der letzten Jahre dazugekommen! Am Tegernsee kann man nicht mal einen Kaffee trinken gehen, wenn das Wohnmobil auf einem öffentlichen Parkplatz abgestellt ist – zack, hat man einen Strafzettel. Aber auch hier leben wir unsere Freiheit. 'Da wo wir net na möchten, da gehn ma au net na.' Deswegen waren wir in den letzten Jahren schon dreimal im Osten von Deutschland. Da ist es noch ein bisschen wie früher, weniger Verbotsschilder, nicht so eng besiedelt – da blühen noch die Hortensien."

Was beschäftigt die Camper aktuell?
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Dass Camping von der Regierung nicht differenziert wird – zwischen Camping- und Stellplätzen gibt es einen großen Unterschied. Auf dem Stellplatz bleibst du absolut autark, hier gibt es keine Anmeldung, keine Waschräume, du musst nicht mal mit jemanden schwätzen, wenn du nicht magst! Das Wohnmobil ist für uns tausendmal sicherer als ein Mehrfamilienhaus. "

Lange Standzeiten – was machen Sie, um das Wohnmobil fit zu halten?
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Ab und zu streicheln – außerdem fahren wir es alle vier Wochen unter dem Carport vor und zurück, um die Räder zu bewegen. Wir fahren auch die Stützen aus, damit die Räder nicht so belastet sind. "

Was ist Ihr erstes Ziel, wenn Reiselockerungen kommen?
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Wir stehen in den Startlöchern, es geht nach Oberkirch, am besten zur Kirschblüte oder Erdbeerernte. Dann wieder Freunde treffen und Erdbeeren kaufen, um Marmelade für die Enkelkinder zu machen. Am schönsten ist es hier in der Kirschblütenzeit, du denkst, du wärst in den Wolken, alles schneeweiß, das muss man gesehen haben! Und danach ab in die Pfalz nach St. Martin zum Wein kaufen, die Lager sind leer. "

Internationale Reise- und Urlaubsmöglichkeiten sind in diesem Sommer immer noch eingeschränkt. Gute Tipps, um die Schönheit der Heimat neu zu entdecken, liefert der ADAC mit seinen Broschüren „ADAC Weltreise Baden-Württemberg“ und „ADAC Weltreise Bayern“.
Sie erhalten die Broschüren kostenlos in Ihren ADAC Reisebüros und Geschäftsstellen.

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC Württemberg e.V.