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Reise-Experte: "Je später man verreisen möchte, desto sicherer ist der Urlaub"

ADAC Reise-Experte Jan Kimmelmann empfiehlt Pauschalreisen für die zweite Jahreshälfte ∙ © ADAC Nordbayern

Für viele steht zu Beginn des Jahres die Urlaubsplanung auf dem Programm. Doch selten war diese mit so vielen Unsicherheiten verbunden wie jetzt. Reise-Experte Jan Kimmelmann vom ADAC Nordbayern beantwortet die wichtigsten Fragen für Urlauber und wagt eine Prognose, wohin die Reise geht und welche Trends 2021 hoch im Kurs stehen.

Nach dem durchwachsenen Reisejahr 2020: Wie reisefreudig und optimistisch sind die Franken aktuell? Werden Urlaubsreisen für Frühjahr und Sommer bereits nachgefragt?

Die Sehnsucht nach Urlaub ist groß, den meisten Kunden fällt die Decke auf den Kopf. Bisher ist das Aufkommen für Neubuchungen in diesem Jahr jedoch noch verhalten und deutlich unter dem Vorjahresniveau, auch aufgrund von Quarantäneauflagen oder häufig wechselnder Einreiseverbote. Nie war Reisen bürokratischer. Ein Großteil der aktuellen Reiseanfragen in den Reisebüros des ADAC Nordbayern bezieht sich daher auf Fähren, Camper oder auch Hausboote. Nur vereinzelt können wir klassisch touristische Reisen für unsere Kunden buchen. Wir sind uns aber sicher: Sobald sich die Corona-Situation verbessert, wird es eine stabile Nachfrage auch nach Flugreisen geben.

Für viele Deutsche steht Anfang des Jahres die Urlaubsplanung an. Mit Blick auf Corona: Welcher Zeitraum eignet sich 2021 am besten für den Jahresurlaub?

Je später im Jahr man verreisen möchte, desto sicherer ist wahrscheinlich der Urlaub. Zumindest machen höhere Temperaturen und die Impfkampagnen Hoffnung auf mehr Normalität in der zweiten Jahreshälfte.

Welche Reiseziele sind in diesem Jahr am sichersten und was rät der ADAC Urlaubern, die es vielleicht nach dem Urlaub im eigenen Land im vergangenen Jahr jetzt wieder ins Ausland zieht?

Eine seriöse Prognose ist hier aktuell kaum möglich, da das Geschehen immer noch sehr dynamisch ist. Ein Beispiel hierfür sind die Kanarischen Inseln, die im Herbst 2020 eines der wenigen Reiseziele mit niedrigen Zahlen waren, wenige Wochen später folgte jedoch der Dämpfer durch sprunghaft ansteigende Infektionen. In der Folge wurden die Kanaren erneut zum Risikogebiet erklärt. Im Fokus der Urlaubsreisen stehen daher auch 2021 naheliegende, europäische Ziele. Fern- und Flugreisen können nach derzeitiger Lage noch nicht prognostiziert werden.

Einige Fluggesellschaften wie Qantas-Airlines wollen eine Impflicht für Passagiere einführen und auch einige Länder ziehen solche Verordnungen in Erwägung. Was bedeutet das für den Urlaub, wenn eine solche Regelung nach der Buchung eingeführt werden sollte?

Nach unserer Einschätzung werden negative Corona-Tests oder vielleicht auch Nachweise einer Corona-Schutzimpfung zum Standard bei Reisen, zumindest für einen längeren Zeitraum. In welchem Ausmaß Airlines und Länder eine Corona-Impfung verlangen, wird sich erst noch zeigen. Aktuell scheint dies ein probater Weg zu sein, um Sicherheitsbedenken von Urlaubern zu senken. Wir empfehlen Urlaubern bei einem solchen Fall oder Sachverhalt Kontakt mit dem Reiseanbieter zu suchen. Auch die Rechts-Experten des ADAC bieten hier umfangreiche Beratungen zu Fragen zum Thema Reiseschutz und Reiserecht an.

Was ist eher zu empfehlen, individuelle Reiseplanung oder die Buchung einer Pauschalreise?

Individualreisende sollten sich generell für jede Leistung – egal ob Flug, Hotel, Ferienwohnung oder Mietwagen – vor der Buchung die Stornierungsbedingungen genau durchlesen. Im Falle einer notwendigen Stornierung des Urlaubs kommt auf Individualreisende ein erheblich größerer Aufwand zu als auf Pauschalurlauber. Sollte beispielsweise die Fluggesellschaft bis zum Urlaub pleitegehen, bleiben Individualreise meist auf ihren Kosten sitzen. Am sichersten ist man da bei einer Pauschalreise: Wer Urlaub in einem Land gebucht hat, für das anschließend eine Reisewarnung durch das Auswärtige Amt ausgesprochen wird, kann in der Regel kostenfrei von der Reise zurücktreten. Zudem ist der Reiseanbieter hier gesetzlich dazu verpflichtet, die Buchungen seiner Kunden abzusichern. Und dies gilt für den kompletten Reisepreis inklusive Anzahlung, das heißt: Wenn zum Beispiel eine Fluggesellschaft ihren Betrieb einstellen sollte oder ein Hotel insolvent ist, gibt es für Pauschalreisekunden entweder gleichwertige Alternativflüge oder Unterkünfte vor Ort oder sie bekommen ihr Geld zurück.

In der Regel bieten Frühbucherrabatte oder Last-Minute-Angebote die größten Sparmöglichkeiten bei der Reisebuchung: Was ist 2021 besser, jetzt frühzeitig zuschlagen oder je nach Corona-Situation spontan buchen?

Den Urlaub buchen kann man schon jetzt: Gerade Pauschalreisen bergen geringe Risiken. Mehrere Reiseveranstalter bieten derzeit starke Rabatte von teilweise 30 bis 40 Prozent an. Wer jetzt bucht, kann also ein richtiges Schnäppchen machen. Da viele Flugkapazitäten reduziert wurden, steigen bei höherer Nachfrage dann womöglich im weiteren Jahresverlauf auch die Preise.

Die Reisekonzerne TUI und DER Touristik werden staatlich unterstützt: Sind Reisen
über diese großen Unternehmen besser abgesichert als andere Reiseanbieter und
welche Veranstalter sind empfehlenswert? Was passiert, wenn mein Anbieter doch
Insolvenz anmeldet?

Das kann man pauschal nicht an der Größe festmachen, es gibt ausgezeichnet wirtschaftende, kleine Nischenveranstalter und gut aufgestellte Großkonzerne. Nach meiner Einschätzung werden uns einige Insolvenzen von Onlineanbietern, Reisebüros und Veranstalter in der nächsten Zeit begleiten. Hierbei zeigt sich bereits im Moment die gestiegene Wertschätzung für die Arbeit unserer ADAC Reiseberater. Kunden suchen besonders den Rat unserer Experten, die ihnen die passende Reise unter Beachtung aller "Pandemie-Vorschriften" heraussuchen.

Vor Corona trieb die Touristikbranche das Thema nachhaltiges Reisen um: Beeinflusst
die Pandemie das Reisen auch nach Corona und welche Reisetrends sind zu
erwarten?

Nachhaltiges Reisen steht nach wie vor im Fokus, aber es sind auch generelle Veränderungen
wahrzunehmen. Auf der Beliebtheitsskala ganz oben stehen Outdoor-Aktivitäten,
Reisen im eigenen Land und mit möglichst viel Abstand. Radreisen quer durch
Deutschland haben bereits im letzten Jahr einen enormen Aufwind erlebt – und
der Trend wird sich auch in 2021 fortsetzen. Alternativen wie Hausboote, Camper oder Baumhäuser, versprechen nicht nur einen Hauch mehr Abenteuer, sondern bieten in Zeiten von Corona auch eine einfache Möglichkeit, sich ohne viel Aufwand von anderen fernhalten zu können. Aber bei vielen steigt auch Tag für Tag die Sehnsucht nach Sonne, Strand und Meer, um Corona hinter sich zu lassen.