Reisen wieder möglich: Worauf Sie vor dem Start in den Sommerurlaub 2021 achten müssen

Top-Reiseziele, Stornierungsmöglichkeiten, Impfnachweise: ADAC Reiseexperte Jan Kimmelmann klärt die wichtigsten Fragen. ∙ © ADAC Nordbayern e.V.

Nach monatelangem Corona-Lockdown haben neben den Balearen, Italien oder Griechenland mittlerweile viele weitere Länder die Corona-Auflagen und Reisebeschränkungen gelockert. Dennoch gibt es auch im Sommerurlaub 2021 viel zu beachten. ADAC Reiseexperte Jan Kimmelmann klärt auf und gibt wertvolle Tipps:

Haben sich die sinkenden Corona-Zahlen und Lockerungen im In- und Ausland bereits auf die Buchungsanfragen in den nordbayerischen Reisebüros ausgewirkt?

In der Tat haben die hoffnungsfrohen Signale und positiven Impulse aus der Politik zu einem Anstieg der Buchungen in den letzten Wochen geführt. Zum einen müssen Geimpfte, Genesene und Getestete, die nach Deutschland aus einem Risikogebiet einreisen, künftig nicht mehr in Quarantäne, wenn bereits vor Einreise ein Genesenennachweis, ein Impfnachweis oder ein negativer Testnachweis über das Einreiseportal der Bundesrepublik unter www.einreiseanmeldung.de übermittelt wird. Zum anderen tragen auch geplante und umgesetzte Öffnungsschritte in einigen Urlaubsgebieten zur gestiegenen Nachfrage bei. Die Buchungen beziehen sich dabei vor allem auf Europa, sprich die Balearen oder die griechischen Inseln, aber auch erste Ferndestinationen wie Mauritius oder Malediven werden wieder nachgefragt.

Nach den ersten Erfahrungen aus den Pfingstferien: Wie stehen die Chancen auf einen Sommerurlaub im Ausland und was sind die zu empfehlenden Top-Reiseziele unter Corona-Bedingungen 2021?

Die Chancen für einen entspannten und fast normalen Sommerurlaub stehen sehr gut, wenn die Impfkampagnen weiter fortschreiten und die Teststrategien und Öffnungen in den Urlaubsländern gut funktionieren. Der klassische Strandurlaub steht bereits jetzt hoch im Kurs, neben Spanien und Griechenland haben sich auch die Nachfragen in Richtung Türkei spürbar erhöht. Im Trend liegen weiterhin Camping, Hausbooturlaube oder individuelle Roadtrips durch Deutschland und Europa. Wer dabei aber auf Campingplätze zurückgreifen möchte, sollte sich vorab um einen Stellplatz für den Camper oder das Zelt bemühen. Noch gibt es zwar einige freie Plätze, das kann sich aber sehr schnell ändern. Auf gut Glück losfahren ohne Buchung sorgt möglicherweise vor Ort für eine große Enttäuschung.

Immer mehr Regionen sind kein Risikogebiet mehr, obwohl noch Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes vorliegen: Was bedeutet das rechtlich für Pauschalreisende und die kostenfreien Stornierungsmöglichkeiten?

Eine Reisewarnung für nicht notwendige, touristische Reisen gilt grundsätzlich weiterhin für alle Länder, die von der Bundesregierung als Risikogebiet, Hochinzidenzgebiet oder Virusvariantengebiet eingestuft werden. Das Bestehen einer Reisewarnung kann mittelbar rechtliche Auswirkungen haben, beispielsweise für die Gültigkeit einer Reisekrankenversicherung. Hierzu sollten sich Reisende mit ihrem Versicherungsdienstleister in Verbindung setzen. Für Länder, in denen das Infektionsgeschehen gering ist, wird die Reisewarnung aufgehoben und nur zu besonderer Vorsicht geraten. Wenn man nun einen Urlaub in einem Land bucht, das bereits zum Buchungszeitpunkt als Risikogebiet eingestuft wurde und dies auch bleibt, hat man schlechte Karten, wenn man aus Angst kurzfristig doch von der Reise zurücktreten möchte. Es sei denn, der Veranstalter ermöglicht hier flexible und auch kurzfristige, kostenfreie Stornierungen. Ein Rechtsanspruch besteht jedoch nicht. Diesen hat man nur, wenn das Urlaubsgebiet erst vor Reiseantritt wieder zu einem Risikogebiet erklärt wird.

Sind Pauschalreisen nach wie vor sicherer als ein individuell geplanter Urlaub?

Ja. Anders als bei einem individuellen Urlaub bieten Pauschalreisen eine umfangreiche reiserechtliche Absicherung sowie Unterstützungsleistungen der Veranstalter. Zusätzliche Sicherheit bieten sogenannte Flex-Angebote und Pakete vieler Reiseveranstalter, die bei Buchungsabschluss gegen einen geringen Aufpreis für die meisten Reisen hinzugebucht werden können. Die gebuchte Reise kann dann bis zehn oder 14 Tage vor Anreise ohne speziellen Grund kostenfrei umgebucht oder storniert werden. Wichtig: Die Flex-Option ersetzt keine Reiserücktrittsversicherung.

Auf was sollten vollständig Geimpfte im Vergleich zu noch nicht Geimpften bei der Urlaubsplanung achten?

Immer mehr Urlaubsländer gewähren Einreiseerleichterungen für Geimpfte und Genesene. Von den Erleichterungen unberührt bleibt jedoch das Gebot, an bestimmten Orten eine Mund-Nasen Bedeckung zu tragen, das Abstandsgebot im öffentlichen Raum und die Vorgaben in Hygiene- und Schutzkonzepten einzuhalten. Ein Impfnachweis zu einer vollständigen Schutzimpfung (erforderliche Impfung muss 14 Tage zurückliegen) gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 ist in deutscher, englischer, französischer, italienischer oder spanischer Sprache in analoger oder digitaler Form, wenn die zugrundeliegende Schutzimpfung mit einem oder mehreren vom Paul-Ehrlich-Institut genannten Impfstoffen erfolgt ist, mitzuführen. Derzeit sind das diejenigen von Biontech, Johnson & Johnson, Moderna und Astrazeneca. Bei der Rückkehr nach Deutschland aus Virusvariantengebieten gilt aber weiterhin die Test- und Quarantänepflicht auch für bereits Geimpfte oder Genesene.

Viele haben 2020 einen Gutschein über eine begrenzte Gültigkeit – zum Beispiel bis zum Jahresende – erhalten. Muss man jetzt zwingend eine Reise buchen oder welche Optionen haben Kunden?

Wenn ein Kunde freiwillig einen Gutschein angenommen hat, weil seine Pauschalreise aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt wurde, darf sich der Reiseveranstalter nicht darauf berufen, dass die Gültigkeit bereits nach einem Jahr abläuft. Sollte die Einlösung des Gutscheins oder Guthabens nicht möglich sein, behält der Verbraucher den Anspruch auf Rückzahlung der geleisteten Zahlungen. Zeigt sich der Reiseveranstalter uneinsichtig, empfehlen wir, sich rechtlich beraten zu lassen.