Tipps bei Werkstattproblemen

Vor der Reparatur

18.4.2018

Irgendwann muss jedes Auto einmal zur Reparatur in eine Werkstatt gebracht werden. Doch welche Werkstatt ist die richtige und was ist bei der Auftragserteilung zu beachten? Die Tipps der ADAC Juristen geben Orientierung.

Reparatur des Autos in der Werkstatt
Die Wahl der richtigen Werkstatt ist nicht immer leicht. 

Wenn das Fahrzeug in die Werkstatt gebracht werden muss, sollte die Wahl der richtigen Werkstatt nicht nur nach Sympathie getroffen werden. Je nach Problem und Fahrzeugalter kann eine andere Werkstatt empfehlenswert sein. 

Zurück

Die richtige Werkstatt

Vertragswerkstätten


In Vertragswerkstätten wird das gesamte Spektrum, vom Ölwechsel über Inspektionen und Standard-Reparaturen bis hin zur Lösung kniffliger Probleme in der Elektronik geboten, das hat aber seinen Preis. Hier sind Sie richtig, wenn Sie ein noch junges Auto fahren und 

  • es sich um eine Reparatur im Rahmen der zweijährigen Sachmängelhaftung handelt. Nach den gesetzlichen Regelungen muss die Nachbesserung beim Verkäufer durchgeführt werden. Kommen die Neuwagen-Verkaufsbedingungen zur Anwendung, können solche Reparaturen in jeder Vertragswerkstatt durchgeführt werden. Arbeiten im Rahmen der Sachmängelhaftung sind kostenlos. 
  • es sich um eine Reparatur aus der Herstellergarantie bei Neufahrzeugen handelt. Diese Reparatur muss bei einer Vertragswerkstatt durchgeführt werden und ist ebenfalls kostenfrei.

Unabhängig vom Fahrzeugalter gilt: Der Vertragswerkstatt fällt das Aufspüren komplizierter Fehler aufgrund ihrer Erfahrung mit den Fahrzeugen einer Marke häufig leichter. Außerdem stehen dort markenspezifische Diagnosegeräte, Fehler-Datenbanken sowie eine Spezialisten-Hotline zur Verfügung.

Freie Werkstätten


Für andere als die oben genannten Reparaturarbeiten dürfen Sie sich an freie Werkstätten wenden. Nach einer EU-weiten Regelung müssen die Hersteller akzeptieren, dass Inspektionen oder Unfallreparaturen auch während der Garantiezeit in einer freien Werkstatt durchgeführt werden, wenn dort nach Herstellervorschrift gearbeitet wird. Der Hersteller darf Garantieleistungen nicht mit der Begründung verweigern, dass diese Arbeiten in einer freien Werkstatt durchgeführt wurden. 

Freie Werkstätten setzen den Schwerpunkt meist bei Wartungs- und Standardarbeiten, oft gelten günstigere Stundensätze. Zur Instandsetzung wird vorrangig auf preiswertere Ersatzteile aus dem freien Teilehandel zurückgegriffen (anstelle von Original-Ersatzteilen der Fahrzeughersteller). Dieser Werkstatttyp bietet sich insbesondere für Autos ab etwa vier Jahren Alter an. 

Achtung Kulanz

Nach Ablauf der Garantie beteiligt sich der Hersteller manchmal aus Kulanz an Reparaturkosten. Dabei handelt es sich um eine freiwillige Leistung ohne rechtliche Verpflichtung, die oft abgelehnt wird, wenn vorangegangene Arbeiten am Fahrzeug nicht lückenlos in einer Vertragswerkstatt durchgeführt wurden. Kulanz scheidet meist ebenfalls aus, wenn das Fahrzeug ein Re-Import ist oder gewisse Laufleistungs- und Altersgrenzen überschritten sind. 

Kfz-Innung


Ist die Werkstatt Mitglied der Kfz-Innung, können Sie bei Problemen mit der Werkstatt kostenlos die Schiedsstelle der zuständigen Kfz-Innung einschalten. Mehr zum Schiedsverfahren finden Sie hier.

Zurück

Auftragserteilung

Der Reparaturauftrag sollte die durchzuführenden Arbeiten und einen Fertigstellungstermin enthalten. Je genauer der Leistungsumfang angegeben wird, desto besser lassen sich spätere Streitigkeiten über den Auftragsumfang vermeiden.

Absprachen schriftlich festhalten


Je konkreter Sie Ihren Werkstatt-Auftrag formulieren, desto weniger Streitpunkte gibt es hinterher. Sehen sie mit einem Mitarbeiter der Auftragsannahme Ihr Fahrzeug auf einer Hebebühne durch. So können Sie genau besprechen, was alles repariert werden soll und der Fachmann kann Ihnen seine Reparatur-Empfehlungen geben. 

Zu Ihrer Sicherheit sollten Sie alle Absprachen schriftlich festhalten.

Checkliste für die Auftragserteilung (PDF-Download209,62 KB)

Beratungspflichten der Werkstatt


Die Werkstatt muss den Kunden sowohl technisch als auch wirtschaftlich über die in Auftrag gegebenen Arbeiten beraten. So muss die Werkstatt über Art und Umfang der erforderlichen Reparaturen aufklären, z.B. auch darüber, ob eine Reparatur des defekten Teils überhaupt möglich ist. Außerdem müssen die zu erwartenden Kosten und – bei mehreren Alternativen - die kostengünstigste Möglichkeit der Reparatur besprochen werden. 

Verletzt die Werkstatt nachweisbar ihre Aufklärungs- und Beratungspflichten und kann der Kunde unter Umständen Schadenersatz geltend machen.

Auftragsbestätigung 


Lassen Sie sich eine Durchschrift der Auftragsbestätigung aushändigen. Mit der Auftragsbestätigung können Sie später nachweisen, welche Arbeiten Sie tatsächlich ausführen lassen wollten. Falls die Auftragsbestätigung zugleich der Abholschein für das Fahrzeug ist, sollten Sie unbedingt eine Kopie anfertigen.

Auftragsänderungen

Stellt Ihre Werkstatt fest, dass der vereinbarte Preis nicht eingehalten werden kann oder dass andere als die im Auftrag enthaltenen Arbeiten durchgeführt werden müssen, müssen Sie vor Durchführung der betreffenden Arbeiten darüber informiert werden. 

Sind Sie mit der Auftragsänderung nicht einverstanden, können Sie den Vertrag kündigen. Damit sich in solchen Fällen die Fertigstellung nicht verzögert, sollten Sie ständig erreichbar sein, solange Ihr Auto in der Werkstatt steht. 

Tipp: Erteilen Sie den Auftrag für Zusatzarbeiten nicht mündlich, sondern nur schriftlich (z.B. per Fax).

Zurück

Kostenvoranschlag

Die Erstellung eines Kostenvoranschlages ist normalerweise kostenlos. Sinnvoll ist er vor allem dann, wenn umfangreiche Arbeiten fällig sind. Wenn Sie mehrere Angebote einholen und nicht sofort einen Reparaturvertrag mit der Werkstatt abschließen, wird oft ein Preis für den Kostenvoranschlag vereinbart.

Verbindlicher Kostenvoranschlag


Ein verbindlicher Kostenvoranschlag darf nicht zu Lasten des Kunden wesentlich überschritten werden. Verbindlich ist ein Kostenvoranschlag, wenn er in schriftlicher Form vorliegt. Aber auch die Bestätigung im Auftragsschein, dass die Kosten „höchstens“ oder „maximal“ einen fixen Betrag betragen dürfen, kann als verbindliche Preisgarantie gewertet werden. 

Achten Sie in jedem Fall darauf, schriftlich eine Kostenhöchstgrenze festzulegen und hinterlassen Sie Ihre Telefonnummer, um erreichbar zu sein, wenn die Arbeiten umfassender werden als vereinbart. Sind Sie nicht telefonisch erreichbar, ist es sinnvoll, selbst zu einer vereinbarten Zeit anzurufen und zu erfragen, ob Zusatzarbeiten notwendig werden. 

Verwendet die Werkstatt die vom Zentralverband des Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) empfohlenen Kfz-Reparaturbedingungen, sind Preisangaben nur dann verbindlich, wenn sie in Form eines schriftlichen Kostenvoranschlags erfolgen. Eine bloße Preisberechnung im Auftragsschein reicht nicht aus. Es muss sich um einen konkreten Kostenvoranschlag handeln, der auf eine fachgerechte und umfangreiche Diagnose der Werkstatt zurückzuführen ist. 

Überschreitung Kostenvoranschlag


Ein verbindlicher Kostenvoranschlag darf nicht „wesentlich“ überschritten (Faustregel: 15 Prozent) werden, ohne dass hierfür Ihre Genehmigung eingeholt wurde. Wenn die Werkstatt den Endpreis aus dem Kostenvoranschlag garantiert, so darf dieser nicht überschritten werden. 

Informationen zu Ihren Rechten bei einer Überschreitung des Kostenvoranschlages finden Sie hier.

Zurück

Fertigstellungstermin

Versuchen Sie, im Auftrag schriftlich einen verbindlichen Fertigstellungstermin zu vereinbaren. 

Viele Werkstätten wollen zwar nur einen unverbindlichen Termin nennen, ein verbindlicher Termin hat für den Kunden aber einen entscheidenden Vorteil: Ein schriftlich vereinbarter Termin muss eingehalten werden. Ansonsten macht sich die Werkstatt schadenersatzpflichtig.

Zurück

Kfz-Reparaturbedingungen

Die meisten Werkstätten verwenden die vom Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) herausgegebenen Kfz-Reparaturbedingungen (das sog. „Kleingedruckte“). 

Wenn sichergestellt ist, dass der Kunde von den Reparaturbedingungen Kenntnis nehmen kann, gelten sie als vereinbart. Daher werden sie oftmals zusammen mit der Auftragsbestätigung ausgehändigt. Hängen sie nur in den Räumen der Reparaturannahme aus, muss die Werkstatt den Kunden extra darauf hinweisen. 

Die Empfehlungen der Clubjuristen basieren auf den Kfz-Reparaturbedingungen. Wenn diese nicht vereinbart wurden, gelten die Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches. Diese werden – wo erforderlich – extra erläutert.

Kontakt

Noch Fragen zu diesem Thema? Die Clubjuristen beantworten Fragen von ADAC Mitgliedern per E-Mail oder telefonisch unter 0 89 76 76 24 23.