Reparatur zu teuer!

18.4.2018

Teure Ersatzteile, Kostenvoranschlag überschritten, unnötige oder nicht in Auftrag gegebene Arbeiten – halten Sie eine Rechnung in Händen, mit der Sie nicht einverstanden sind. Die ADAC Clubjuristen erklären, was Sie tun können.

Teure Reparaturen oder Ersatzteile verursachen häufig Probleme in der Werkstatt
Reparaturrechnung zu teuer – Kunde hilflos?

Wenn auf der Reparaturrechnung Posten stehen, mit denen Sie nicht gerechnet haben, sollten Sie wissen, was Sie bezahlen müssen und was nicht. ADAC Juristen erläutern die häufigsten Streitfälle und die rechtlichen Konsequenzen für den Werkstattkunden.

So hilft Ihnen der ADAC

  • ADAC Clubjuristen

    Bei Rechtsfragen z. B. zu Ansprüchen aus einem Werkvertrag, mangelhaft ausgeführtem Ersatzteileinbau oder anderen Fragen rund um Autokauf und Reparatur, können Sie sich als ADAC Mitglied kostenlos durch unsere ADAC Juristen beraten lassen. 

  • ADAC Fahrzeugtechnik der Regionalclubs vor Ort

    Die Technikzentren der ADAC Regionalclubs informieren Sie über „versteckte“ Reparaturkosten, kostengünstige Ersatzteile oder beraten Sie bei zu hohen Reparaturrechnungen.

  • ADAC Vertragssachverständige

    Die ADAC Technikspezialisten sagen Ihnen, wann es sinnvoll ist, sich an einen der ADAC Vertragssachverständigen (PDF-Download36,36 KB) in Ihrer Nähe zu wenden.
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Kostenvoranschlag überschritten

Die Rechnung ist höher als der Kostenvoranschlag – was darf die Werkstatt und was nicht?

Überschreitung zulässig?


Ein verbindlicher Kostenvoranschlag darf nicht „wesentlich“ überschritten (Faustregel: 15 Prozent) werden. 

Sobald für die Werkstatt absehbar ist, dass der im Kostenvoranschlag ausgewiesene Betrag nicht eingehalten werden kann, muss sie den Auftraggeber davon unterrichten. Der Kunde kann dann den Reparaturvertrag kündigen, seine Zahlungspflicht beschränkt sich auf die von der Werkstatt bereits erbrachten Leistungen. 

Teilt die Werkstatt schuldhaft dem Kunden nicht mit, dass die Reparaturkosten voraussichtlich höher ausfallen werden, kann der Kunde Schadensersatz verlangen. Der Kunde wird behandelt, als hätte er den Auftrag rechtzeitig gekündigt:

  • Die Lohnkosten für die zu viel geleisteten Arbeiten muss der Kunde nicht bezahlen oder kann diese erstattet verlangen. 
  • Bei Materialkosten muss geprüft werden, ob die zu viel durchgeführten Arbeiten für den Kunden nützlich waren und in seinem Interesse lagen. Wenn ja, muss der Kunde die Materialkosten tragen.

Kostenvoranschlag immer kostenlos?

Die Erstellung eines Kostenvoranschlages ist für den Werkstattkunden immer dann kostenlos, wenn mit der Werkstatt zuvor keine Zahlungspflicht vereinbart wurde. Kann die Werkstatt allerdings nachweisen, dass sie mit der Anfertigung eines Kostenvoranschlages gegen Vergütung beauftragt wurde, besteht auch ein Anspruch der Werkstatt auf Bezahlung. Oft befindet sich jedoch in den von den Werkstätten verwendeten Kfz-Reparaturbedingungen des ZDK die Regelung, dass der Betrag für den Kostenvoranschlag mit den Kosten für die Auftragsrechnung verrechnet wird.

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Nicht in Auftrag gegebene Arbeiten

Nach dem Gesetz muss ein Verbraucher einem Unternehmer Werkstattarbeiten, die nicht in Auftrag gegeben wurden, nicht bezahlen. Die Werkstatt kann also keinen Werklohn für durchgeführte, aber nicht in Auftrag gegebene Arbeiten verlangen. Anders sieht es aber aus, wenn die Werkstatt beweisen kann, dass ein Auftrag für die durchgeführten Arbeiten vorlag.

Hinweis zur Rechtsprechung: 

Es gibt Gerichte, die der Auffassung sind, dass die übliche Vergütung oder zumindest die Materialkosten auch bei nicht in Auftrag gegebenen Arbeiten zu entrichten sind, soweit diese für den Betrieb oder den Werterhalt des Fahrzeugs dienlich waren und keine Möglichkeit mehr besteht, die Arbeiten rückgängig zu machen. Einen finanziellen Spielraum sehen die Richter nur dann, wenn die nicht in Auftrag gegebene Leistung fehlerhaft erbracht wurde. Nur wenn die Tätigkeit infolge eines Mangels nicht einmal ansatzweise geeignet ist, dem Kunden Vorteile zu bringen, ist sie nicht zu vergüten. 

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Unnötige Arbeiten

Die Werkstatt hat repariert, die durchgeführten Arbeiten haben aber nicht zum gewünschten Erfolg geführt. Müssen diese Arbeiten trotzdem bezahlt werden? 

Ja, denn ein Vergütungsanspruch der Werkstatt besteht auch für nicht zum Erfolg führende Arbeiten. Voraussetzung ist aber, dass die Arbeiten nach den anerkannten Regeln der Kraftfahrzeugtechnik zur Eingrenzung der Fehlerursache notwendig waren. 

Beauftragt der Kunde die Werkstatt mit der Fehlersuche und der Beseitigung des Mangels, handelt es sich streng betrachtet um zwei Verträge: einen "Fehlersuch-" und einen "Fehlerbeseitigungs-Vertrag". Oft gestaltet sich die Fehlersuche aber schwieriger als die eigentliche Fehlerbeseitigung. 

Die Werkstatt muss die Fehlersuche nach den geltenden Regeln des Handwerks betreiben, also zunächst die wahrscheinlichste Ursache A ausschalten und dann zu den nächst wahrscheinlichen Fehlerherden B, C usw. fortschreiten. Arbeitszeit und Materialkosten für die Ausschaltung der (mutmaßlichen) Ursachen A und B muss der Kunde aber auch dann bezahlen, wenn erst C sich als eigentliche Fehlerquelle entpuppt. Allerdings muss die Werkstatt bei der Arbeit auch die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit beachten, darf also die Fehlersuche grundsätzlich nicht mit der absolut teuersten Möglichkeit beginnen.

Im Streitfall muss die Werkstatt beweisen, dass sie die Reparatur nach diesen Regeln durchgeführt hat. Die Frage, ob diese Grundsätze tatsächlich berücksichtigt wurden, kann letztlich nur von einem Sachverständigen beantwortet werden.

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Ärger mit teuren Ersatzteilen oder Reparaturen

Komplizierte Reparaturen oder teure Ersatzteile bzw. Ersatzteilpakete sind für den Kunden mehr als ärgerlich. Ist z. B. nur die Glühbirne kaputt, so muss mitunter der ganze Scheinwerfer ausgetauscht werden. Die Hersteller sind bislang nicht verpflichtet, verbraucherfreundliche Lösungen anzubieten.