Werkstatt: Fahrzeugabholung und Bezahlung

18.4.2018

„Ihr Fahrzeug ist fertig“ – das hört der Kunde gerne. ADAC Juristen geben wichtige Tipps für die Abholung des Autos aus der Werkstatt und zur Bezahlung der Rechnung.

Bezahlen und Fahrzeug abholen - das können Sie als Kunde bei Werkstattproblemen tun
Auch bei der Abholung des Fahrzeuges gibt es Dinge zu beachten: wurden alle Arbeiten korrekt durchgeführt, stimmt die Rechnung?
Zurück

Abholung des Fahrzeugs

Was ist bei der Abholung des Autos aus der Werkstatt zu beachten? Hier finden Sie hilfreiche Tipps zum richtigen Umgang mit der Werkstatt.

Wann abholen?

Teilt Ihnen die Werkstatt mit, dass Ihr Fahrzeug fertig repariert ist und übergibt Ihnen die Rechnung, müssen Sie das Fahrzeug innerhalb einer Woche bei der Werkstatt abholen. Wenn Sie das schuldhaft unterlassen, kann Ihnen die Werkstatt die ortsüblichen Aufbewahrungsgebühren (d.h. 2,50 Euro bis 7,50 Euro pro Tag) in Rechnung stellen. 

Wurden bei Auftragserteilung nicht die Kfz-Reparaturbedingungen des ZDK vereinbart, so gelten die gesetzlichen Regelungen. Danach muss der Kunde sein Fahrzeug abholen, sobald ihm die Fertigstellung mitgeteilt wurde. Tut er das nicht, können ihm nach erfolgter Mahnung Standgebühren berechnet werden.

Fahrzeug nicht fertig 

Überschreitet die Werkstatt einen schriftlich vereinbarten verbindlichen Fertigstellungstermin schuldhaft um mehr als 24 Stunden, muss sie Ihnen entweder kostenfrei ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung stellen oder 80 Prozent der angefallenen Mietwagenkosten übernehmen. 

Entschuldigt ist die Werkstatt, wenn sich der Arbeitsumfang geändert hat und Sie Bescheid wissen, wenn höhere Gewalt oder Streiks vorliegen oder wenn Zulieferungen ausgeblieben sind. Weiteren Schadensersatz kann der Kunde nur verlangen, wenn der Werkstatt bei der Verzögerung vorsätzliches oder grob fahrlässiges Verhalten vorzuwerfen ist. 

Liegen dem Auftrag nicht die Kfz-Reparaturbedingungen des Zentralverbands des deutschen Kraftfahrzeug-Gewerbes (ZDK) zugrunde, gerät die Werkstatt bei schuldhafter Überschreitung eines verbindlichen Termins in Verzug. Wenn im schriftlichen Auftrag kein bestimmter Tag für die Fertigstellung vereinbart wurde, muss die Werkstatt dennoch innerhalb einer angemessenen Frist reparieren. Geschieht dies nicht, können Sie nach einer Mahnung und Fristsetzung die Kosten für ein Ersatzfahrzeug verlangen (nach Abzug der Eigenersparnis). 

Arbeiten nicht oder mangelhaft ausgeführt 

Nur bei wesentlichen Mängeln können Sie die Abnahme des Fahrzeuges verweigern, es bleibt dann in der Werkstatt. 

Zahlung unter Vorbehalt

Wenn die Werkstatt auf Bezahlung besteht, bevor sie das Auto herausgibt, vermerken Sie „Zahlung unter Vorbehalt“ auf der Rechnung. Nach Abnahme des Fahrzeuges müssen ansonsten Sie beweisen, dass bereits bei Abholung Mängel vorgelegen haben. Mit der Zahlung unter Vorbehalt machen Sie deutlich, dass Sie das Fahrzeug mit diesen Mängeln nicht akzeptieren. Damit ist auch festgehalten, dass der Mangel schon zum Zeitpunkt der Abholung vorhanden war und Sie sichern sich Ihre Rechte.


Mehr zu Ihren Rechten bei mangelhafter Reparatur finden Sie hier.

Auf Schäden überprüfen 

Schauen Sie sich das Fahrzeug noch auf dem Werkstatt-Parkplatz genau auf Beschädigungen oder Verschmutzungen an, die bei Abgabe noch nicht vorhanden waren. Lassen Sie sich solche Beschädigungen sofort schriftlich von der Werkstatt bestätigen und fordern Sie deren Beseitigung.

Zurück

Bezahlung der Rechnung

Darauf sollten Sie achten, bevor Sie zahlen! 

Rechnung prüfen 

Lesen Sie die Rechnung sorgfältig durch. Sie muss alle Arbeiten nach Lohn- und Materialkosten aufschlüsseln. Lassen Sie sich alle unklaren Positionen von der Werkstatt so erklären, bis Sie diese verstehen. Der Zeitaufwand für einzelne Arbeiten wird zumeist in „AW“ (Arbeitswerten) oder „ZE“ (Zeiteinheiten) aufgeführt. Je nach Abrechnungssystem besteht eine Arbeitsstunde aus unterschiedlich vielen AW oder ZE. Hierfür haben Vertragswerkstätten Vorgaben der Fahrzeug-Hersteller. Fragen Sie danach. Wenn Ihre Vertrags-Werkstatt diese Vorgaben überschreitet, so muss sie dies erklären. 

Sofort bezahlen 

Wenn die ZDK-Reparaturbedingungen vereinbart wurden, muss die Rechnung bei Abholung des Fahrzeuges bar bezahlt werden – spätestens binnen einer Woche, nachdem die Fertigstellung gemeldet wurde. Kommen die gesetzlichen Regelungen zur Anwendung, ist die Rechnung sofort bei Abnahme und grundsätzlich bar zu bezahlen.

Haben Sie bei der Abholung nicht genügend Bargeld dabei und werden Zahlung per Karte oder Überweisung nicht akzeptiert, darf die Werkstatt Ihren Wagen samt Zulassungsbescheinigung Teil I (der frühere Fahrzeugschein) als Pfand einbehalten.

Bitte beachten Sie außerdem, dass nicht in jeder Werkstatt die Bezahlung per Kreditkarte oder Überweisung möglich ist. Fragen Sie bereits bei der Auftragserteilung, welche Zahlungsmöglichkeiten die Werkstatt akzeptiert. 

Zahlung unter Vorbehalt

Die Werkstatt hat ein Zurückbehaltungs- und auch ein Pfandrecht. Das bedeutet, dass die Werkstatt das Auto des Kunden nicht herausgeben muss, solange die Rechnung nicht bezahlt ist. Sollten Sie indes mit der Reparaturrechnung nicht einverstanden sein, dann zahlen Sie unter Vorbehalt.

Vermerken Sie auf der Reparaturrechnung, dass diese inhaltlich nicht (vollständig) anerkannt wird und die Bezahlung nur unter dem Vorbehalt der Rückforderung erfolgt. Ein Duplikat der Rechnung bleibt in der Werkstatt. Wenn möglich sollte ein Zeuge hinzugezogen werden.

Durch die Bezahlung unter Vorbehalt kann das Pfand- oder Zurückbehaltungsrecht abgewendet werden, wenn Sie der Meinung sind, die Rechnung nicht oder nicht in voller Höhe begleichen zu müssen. Außerdem wird vermieden, dass die Zahlung der Rechnung als Anerkenntnis der Reparaturforderung gewertet wird und Sie erhalten sich Ihre Rechte. 

Überschreitung Kostenvoranschlag

Ein schriftlicher Kostenvoranschlag darf ohne Ihr Einverständnis nicht wesentlich überschritten werden: Als Faustregel gilt eine Grenze von ca. 15 Prozent. 

Mehr zu Ihren Rechten bei Nichteinhaltung eines Kostenvoranschlages finden Sie hier.

Tipp Icon

Kontakt

Noch Fragen zu diesem Thema? Die Clubjuristen beantworten Fragen von ADAC Mitgliedern per E-Mail oder telefonisch unter 0 89 76 76 24 23.