Autowerkstatt: Reparaturauftrag, Kostenvoranschlag und Termine

4.6.2019

Oft lässt sich der drohende Ärger mit der Kfz-Werkstatt schon durch eine gute und sorgfältige Vorbereitung durch den Autobesitzer vermeiden. Die ADAC Juristen geben Tipps, worauf Sie bei der Fahrzeugabgabe achten sollten.

Spielzeugauto fährt Treppe aus Euromünzen hoch
©iStock.com/joruba
  • Formulieren Sie den Auftrag für die Autowerkstatt konkret
  • Wichtig: Die schriftliche Auftragsbestätigung
  • Nützlich: ADAC Checkliste für einen Reparaturauftrag

Der wichtigste Grundsatz beim Besuch der Werkstatt: Halten Sie alle Absprachen schriftlich fest. Denn verletzt die Werkstatt nachweisbar ihre Aufklärungs- und Beratungspflichten, kann der Kunde unter Umständen Schadenersatz geltend machen. Bei Ärger mit der Werkstatt helfen auch die kostenlose Schiedsstellen des Kfz-Gewerbes

Auftragserteilung sollte möglichst konkret sein

Der Reparaturauftrag sollte die durchzuführenden Arbeiten und einen Fertigstellungstermin enthalten. Je genauer der Leistungsumfang angegeben wird, desto besser lassen sich spätere Streitigkeiten über den Auftragsumfang vermeiden.

Halten Sie alle Absprachen schriftlich fest: Je konkreter Sie Ihren Werkstatt-Auftrag formulieren, desto weniger Streitpunkte gibt es hinterher. 

Sehen sie mit einem Mitarbeiter der Auftragsannahme Ihr Fahrzeug auf einer Hebebühne durch. So können Sie genau besprechen, was alles repariert werden soll und der Fachmann kann Ihnen seine Reparatur-Empfehlungen geben. 

Die Werkstatt hat eine Beratungspflicht und muss den Kunden sowohl technisch als auch wirtschaftlich über die in Auftrag gegebenen Arbeiten aufklären. So muss die Werkstatt über Art und Umfang der erforderlichen Reparaturen aufklären, z.B. auch darüber, ob eine Reparatur des defekten Teils überhaupt möglich ist. Außerdem müssen die zu erwartenden Kosten und - bei mehreren Alternativen - die kostengünstigste Möglichkeit der Reparatur besprochen werden. 

Lassen Sie sich eine Durchschrift der Auftragsbestätigung aushändigen. Mit der Auftragsbestätigung können Sie später nachweisen, welche Arbeiten Sie tatsächlich ausführen lassen wollten. Falls die Auftragsbestätigung zugleich der Abholschein für das Fahrzeug ist, sollten Sie unbedingt eine Kopie anfertigen.

Stellt Ihre Werkstatt fest, dass der vereinbarte Preis nicht eingehalten werden kann oder dass andere als die im Auftrag enthaltenen Arbeiten durchgeführt werden müssen, müssen Sie vor Durchführung der betreffenden Arbeiten darüber informiert werden. 

Sind Sie mit der Auftragsänderung nicht einverstanden, können Sie den Vertrag kündigen. Damit sich in solchen Fällen die Fertigstellung nicht verzögert, sollten Sie ständig erreichbar sein, solange Ihr Auto in der Werkstatt steht.  

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ADAC Checkliste für die Erteilung eines Reparaturauftrags

  • Bringen Sie Zeit mit: Geben Sie das Fahrzeug möglichst persönlich und mit ausreichend Zeit zum Durchsprechen der nötigen Reparatur arbeiten ab
  • Schriftlich festhalten: Fahrzeug-Kennzeichen, Fahrgestellnummer, Kilometerstand, Annahmedatum und Name der Person, die den Auftrag angenommen hat
  • Angeben: Telefonnummer, unter der Sie tagsüber für Rückfragen erreichbar sind (oder zu einer vereinbarten Zeit selbst anrufen und fragen, ob Zusatzarbeiten erforderlich werden)
  • Kostenvoranschlag: Bei umfangreicheren Reparaturen einen möglichst genauen Kostenvoranschlag erstellen lassen
  • Schriftlicher Reparaturvertrag: Legen Sie schriftlich fest, was repariert werden soll. Bei zusätzlichen Arbeiten muss die Werkstatt Sie vorher fragen
  • Komplett: Alle Arbeiten im Detail beschreiben, keine Pauschal-Aufträge erteilen
  • Kosten-Obergrenze festhalten (z.B. "Fehlersuche bis zu einem Gesamtbetrag von xx Euro einschließlich Material und Arbeitskosten"): Eine Überschreitung der Summe muss die Werkstatt vorab mit Ihnen abklären
  • Zahlungsweise vereinbaren: Nicht alle Werkstätten akzeptieren die Zahlung per Kreditkarte oder Überweisung
  • Bei Reparaturen während der Garantiezeit oder innerhalb der gesetzlichen Sachmängelhaftung sollte auf dem Auftrag vermerkt werden: "Reparatur im Rahmen der Herstellergarantie oder Sachmängelhaftung"
  • Vermerk "Kulanzantrag stellen": Wenn Sie bei Reparaturen außerhalb von Garantie und Sachmängelhaftung eine Kostenbeteiligung des Herstellers bzw. Händlers erreichen wollen

Ein schriftlicher Kostenvoranschlag ist verbindlich

Die Erstellung eines Kostenvoranschlages ist normalerweise kostenlos. Sinnvoll ist er vor allem dann, wenn umfangreiche Arbeiten fällig sind. Wenn Sie mehrere Angebote einholen und nicht sofort einen Reparaturvertrag mit der Werkstatt abschließen, wird oft ein Preis für den Kostenvoranschlag vereinbart.

Ein verbindlicher Kostenvoranschlag darf nicht zu Lasten des Kunden wesentlich überschritten werden. Verbindlich ist ein Kostenvoranschlag, wenn er in schriftlicher Form vorliegt. Aber auch die Bestätigung im Auftragsschein, dass die Kosten "höchstens" oder "maximal" einen fixen Betrag betragen dürfen, kann als verbindliche Preisgarantie gewertet werden. 

Achten Sie in jedem Fall darauf, schriftlich eine Kostenhöchstgrenze festzulegen, und hinterlassen Sie Ihre Telefonnummer, um erreichbar zu sein, wenn die Arbeiten umfassender werden als vereinbart. Sind Sie nicht telefonisch erreichbar, ist es sinnvoll, selbst zu einer vereinbarten Zeit anzurufen und zu erfragen, ob Zusatzarbeiten notwendig werden. 

Verwendet die Werkstatt die vom Zentralverband des Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) empfohlenen Kfz-Reparaturbedingungen, sind Preisangaben nur dann verbindlich, wenn sie in Form eines schriftlichen Kostenvoranschlags erfolgen. Eine bloße Preisberechnung im Auftragsschein reicht nicht aus. 

Es muss sich um einen konkreten Kostenvoranschlag handeln, der auf eine fachgerechte und umfangreiche Diagnose der Werkstatt zurückzuführen ist. 

Ein verbindlicher Kostenvoranschlag darf nicht "wesentlich" überschritten (Faustregel: 15 Prozent) werden, ohne dass hierfür Ihre Genehmigung eingeholt wurde. Wenn die Werkstatt den Endpreis aus dem Kostenvoranschlag garantiert, so darf dieser nicht überschritten werden.

Nur ein verbindlicher Fertigstellungstermin ist fix

Versuchen Sie, im Auftrag schriftlich einen verbindlichen Fertigstellungstermin für die Fahrzeugabholung zu vereinbaren. 

Viele Werkstätten wollen zwar nur einen unverbindlichen Termin nennen, ein verbindlicher Termin hat für den Kunden aber einen entscheidenden Vorteil: Ein schriftlich vereinbarter Termin muss eingehalten werden. Ansonsten macht sich die Werkstatt schadenersatzpflichtig.

Die meisten Werkstätten verwenden die vom Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) herausgegebenen Kfz-Reparaturbedingungen (das sog. "Kleingedruckte"). 

Wenn sichergestellt ist, dass der Kunde von den Reparaturbedingungen Kenntnis nehmen kann, gelten sie als vereinbart. Daher werden sie oftmals zusammen mit der Auftragsbestätigung ausgehändigt. Hängen sie nur in den Räumen der Reparaturannahme aus, muss die Werkstatt den Kunden extra darauf hinweisen. 

Die Empfehlungen der Clubjuristen basieren auf den Kfz-Reparaturbedingungen. Wenn diese nicht vereinbart wurden, gelten die Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches. Diese werden – wo erforderlich – extra erläutert. 

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Musterschreiben Nachbesserung nach Reparatur, 20,42 KB: Was Sie schreiben müssen, damit eine fehlerhaft durchgeführte Reparatur nachgebessert wird.

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