Slackline über den Radweg gespannt – Schadenersatz und Schmerzensgeld für gestürzten Radfahrer

29.7.2019

Wer in einem öffentlichen Park eine Slackline quer über einen Radweg spannt, haftet voll für Schadenersatz und Schmerzensgeld, wenn ein Radfahrer die Leine zu spät sieht und darüber stürzt. Ein Radfahrer muss mit so einem Hindernis nicht rechnen.

rote Slacklinge ist im Park gespannt
Haftung für gefährlichen Fallstrick: Befestigung einer Slackline quer über einem Radweg (Foto: iStock.com/RFarrarons)

Slackline knapp über dem Boden quer über den Radweg gespannt

Drei volljährige Sportler hatten in einem öffentlichen Park eine ca. 15 m lange Slackline quer über einen Fuß- und Radweg gespannt und diese nicht zusätzlich gesichert. In einer Pause entfernten sich die jungen Leute von der Slackline. Zu dieser Zeit näherte sich ein Ehepaar auf Fahrrädern. Der Radweg machte erst eine leichte Linkskurve und dann eine leichte Rechtskurve. Dahinter befand sich die Slackline ca. 25 cm über dem Boden. Die Frau erkannte die Gefahr zu spät und stürzte. Sie verletzte sich schwer und musste sich zwei Operationen, drei Krankenhausaufenthalten und einer Reha unterziehen. Die Radfahrerin war für mehr als fünf Monate arbeitsunfähig und forderte Schadenersatz und Schmerzensgeld. Die Versicherung wollte aber nicht voll zahlen, weil sie der Ansicht war, die Leine sei erkennbar gewesen.

Radfahrerin stürzt und verletzt sich schwer

Das Landgericht verurteilte die Sportler in erster Instanz zur grundsätzlichen Haftung für den entstandenen Schaden. Es sprach der Klägerin 10.000 Euro Schmerzensgeld, aber nur einen Teil des eingeklagten Schadensersatzes zu. Das Oberlandesgericht Karlsruhe gab der Radfahrerin im Berufungsverfahren Recht. Die Richter erhöhten das Schmerzensgeld auf 25.000 Euro. Außerdem stellten die Richter fest, dass die Sportler alle künftigen materiellen und immateriellen Schäden aus dem Unfall ersetzen müssen.

Slackline auch für aufmerksame Radfahrer nicht rechtzeitig erkennbar

Wer in einem öffentlichen Park ohne weitere Sicherungsmaßnahmen über einen Rad- und Fußweg eine Slackline spannt, darf sich nicht darauf verlassen, dass ein Radfahrer die Leine rechtzeitig sieht. Auch ein aufmerksamer Radfahrer kann bei einer Geschwindigkeit von 15 km/h nicht mehr rechtzeitig vor der Slackline anhalten. Die Gefahr eines Sturzes musste den Sportlern klar sein, so die Richter. Die Radfahrerin trifft keine Schuld an dem Sturz, denn sie musste mit dem Hindernis nicht rechnen. Das Gericht bejahte daher die volle Haftung der Slackliner für die Folgen des Unfalls.

OLG Karlsruhe, Urteil vom 16.7.2019, Az.: 14 U 60/16

Text: Juristische Zentrale