Seenot: Reisepreisminderung und Schmerzensgeld wegen Todesangst bei der Heimreise

​3.5.2019

Ein Ehepaar war auf der Heimreise aus einem Maledivenurlaub mit dem Transferschiff in Seenot geraten und hatte dabei Todesangst erlitten. Das Landgericht Köln sprach den Reisenden deshalb eine Reisepreisminderung und Schmerzensgeld zu.

Welle bricht an Schiffsbug, starker Seegang
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Sturm, Schlagseite, Schwimmwesten – Todesangst bei Passagieren eines havarierten Transferbootes

Bei der Fahrt mit dem Transferboot spielten sich dramatische Szenen ab. Das Boot legte ab, obwohl eine Sturmwarnung vorlag und obwohl das Transferschiff schon auf dem Hinweg in ein Unwetter geraten war und der Rückflug deshalb nicht mehr rechtzeitig erreicht werden konnte. Das Transferschiff geriet in ein Unwetter und bekam Schlagseite, es schlugen große Wellen über das Boot, das gesamte Gepäck wurde durchnässt. Alle Schiffsmotoren fielen aus und das Schiff trieb manövrierunfähig im Meer. Die Passagiere sollten Schwimmwesten anlegen. Der Kapitän setzte einen Notruf ab, nachdem die Motoren zwar kurz wieder in Gang gebracht werden konnten, dann aber erneut ausfielen. Der Kläger und seine Ehefrau litten Todesangst. Auch das Navigationssystem war ausgefallen, so dass die Crew versuchte, andere Schiffe mit Taschenlampen auf sich aufmerksam zu machen. Als sich schließlich ein Boot der Küstenwache näherte, krachte dieses gegen das Transferschiff. Es kam erneut zu Panik unter den Fahrgästen des Transferbootes. Erst nach einem erneuten Notruf konnte ein Schiff der Marine das havarierte Boot an Land schleppen.

Der Ehemann klagte und verlangte die Rückzahlung des gesamten Reisepreises und ein Schmerzensgeld für sich und seine Frau, die als Folge der traumatischen Überfahrt eine posttraumatische Belastungsstörung erlitten hatte. Der Reiseveranstalter wollte nichts bezahlen, er berief sich auf höhere Gewalt.

Transferboot in Seenot – Reisepreisminderung und Schmerzensgeld für die Reisenden

Das Landgericht Köln sprach dem Ehepaar eine Reisepreisminderung in Höhe von ca. 4500 Euro (das entspricht dem ursprünglich bezahlten Reisepreis) und Schmerzensgeld in Höhe von insgesamt 6000 Euro zu.

Der Reiseveranstalter habe das Ehepaar schuldhaft in eine nicht beherrschbare Gefahrensituation gebracht, indem die Transferfahrt trotz der erkennbaren schlechten Witterungsverhältnisse durchgeführt wurde. Der dadurch entstandene Mangel der Reise war nach Ansicht der Richter so erheblich, dass der Erholungswert der gesamten Reise hinfällig war. Die Höhe des Schmerzensgeldes der Frau des Klägers wurde auf 5500 Euro festgesetzt, da diese infolge des traumatischen Erlebnisses psychische Schäden erlitt.

Hinweis: Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Landgericht Köln, Urteil vom 15.1.2019, Az.: 3 O 305/17