Rückflug verpasst: Keine Entschädigung für Reisenden

​3.5.2019

Ein Reisender, der seinen Rückflug verpasst, hat keinen Anspruch auf Entschädigung gegen den Reiseveranstalter hat, wenn ihn der Reiseveranstalter ausreichend über die Zeiten des Rückfluges informiert hat.

Frau wartet am Flughafen, Flug verspätet
©iStock.com/ViktorCap

Aushang mit Abreiseinformationen im Hotel beachten

Die Klägerin buchte für sich und ihre Familie eine Pauschalreise nach Hurghada.  Die Klägerin behauptet, es hätte für den Rückflug vor Ort keine ausreichende Informationen gegeben, so dass sie den Rückflug verpasst habe. An der Tafel mit den Rückreiseinformationen sei auf einem Zettel angegeben gewesen, dass die Abholung zum Rückflug am 05.01.2018 um 22.30 Uhr stattfindet. Der Ordner der Reiseleitung hätte den Zeitpunkt des Rückfluges auch mit 05.01.2018 um 22.30 Uhr angegeben. Der Reiseleiter hätte am 05.01. Früh ebenfalls bestätigt, dass der Flug am Abend gehen würde.

Am 05.01.2018 um 22.45 Uhr stellte sich heraus, dass der reguläre Heimflug bereits in der vorangegangenen Nacht ging. Die Klägerin wirft dem Reiseveranstalter vor, dass er vor der Abfahrt zum Flughafen nicht noch einmal überprüft hat, ob noch Gäste im Hotel sind. Da ein kurzfristiger Rückflug 1.300 Euro pro Person gekostet hätte, entschieden sich die Klägerin und ihre Familie, vier Tage in einem Ersatzhotel zu bleiben und dann für 852,87 Euro zurückzufliegen. Sie macht diese Kosten beim Reiseveranstalter geltend und verlangt weiter jeweils 50 Euro Taxikosten zum Ersatzhotel und zum Flughafen, 120 Euro für eine weitere Nacht im ursprünglichen Hotel und 560 Euro für vier Übernachtungen im Ersatzhotel.

Der beklagte Reiseveranstalter wollte diese Kosten nicht tragen. Er beruft sich auf folgenden Hinweis in den Reiseunterlagen: "Hinweis zur Rückflugbestätigung: Diese erfolgt durch ihre Reiseleitung. Bitte beachten Sie die Informationen in den Infomappen oder an den Infotafeln im Hotel bzw. kontaktieren Sie ihre Reiseleitung 1-2 Tage vor Rückflug". Der Reiseveranstalter hatte der Klägerin ein Infoblatt mit den Kontaktdaten der rund um die Uhr erreichbaren örtlichen Agentur ausgehändigt. Aus der Abreiseinformation im Hotel hätte die Klägerin eindeutig den Zeitpunkt der Abholung entnehmen können, denn dort war die Flugnummer und die Abflugzeit 2:15 Uhr angegeben. Diese Informationen hatte die Klägerin auch schon mit der Buchungsbestätigung erhalten. Dort war die Abholzeit mit „Donnerstag auf Freitag" angegeben. Da der Flug am 05.01.2018 um 2:15 Uhr ging, wäre damit klar gewesen, dass die Abholung am Vorabend um 22.30 Uhr stattfinden sollte.

Reiseveranstalter haftet bei ausreichender Information nicht für Zuspätkommen des Reisenden

Das AG München hat die Klage auf Zahlung von 1.622,97 Euro abgewiesen. Die Richter sahen keinen Anspruch der Klägerin auf Schadensersatz wegen Verletzung der Informationspflichten durch den Reiseveranstalter.

Aus der Buchungsbestätigung ergibt sich eindeutig, dass der Rückflug für die Klägerin und ihre Familie von Hurghada nach Frankfurt am 05.01.2018 um 2:15 Uhr stattfindet. Außerdem gab es im Hotel einen Aushang mit Abreiseinformationen, den die Klägerin nach ihren eigenen Angaben auch gelesen habe. In der ersten Zeile dieses Aushangs wird in fettgedruckten Großbuchstaben darauf hingewiesen: "Abholzeit ist Donnerstag auf Freitag". Dieser Hinweis war nach Ansicht der Richter unmissverständlich. Danach ist in sehr großen fettgedruckten Buchstaben die Abreiseinformation zu lesen, in der die Namen der Klägerin und ihrer Familie, das Abreisedatum 05.01.2018, die Abflugzeit 2:15 Uhr und die Abholzeit 22:30 Uhr angegeben werden. Auch die Information zur Abflugzeit konnte nicht missverstanden werden, so die Richter. Es versteht sich von selbst, dass die Abholung vor dem Abflug erfolgt.
 
Die Flugzeiten waren nach Ansicht der Richter in der Buchungsbestätigung und auf dem Informationsblatt zu dem Abflug eindeutig angegeben. Eine schuldhafte Pflichtverletzung der Beklagten lag nicht vor.

Hinweis: Das Urteil ist rechtskräftig.

AG München, Urteil vom 5.10.2018, Az.: 123 C 9082/18