Rolls Royce als Sofortkauf bei eBay

16.5.2019

Drückt ein eBay-Käufer bei einem zum Sofortkauf angebotenen Rolls Royce auf den „Kaufen“-Button, besteht ein Kaufvertrag. Das gilt auch dann, wenn der Käufer ca. 11 Minuten nach dem Sofortkauf angibt, dass er nicht auf "Kaufen" gedrückt hätte und sich dabei auf eine Fehlfunktion seines Handys beruft.

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Aus Versehen auf „Sofort kaufen“ geklickt

Der Kläger bot über ebay einen „Rolls Royce Silver Shadow“ für 19.999,- Euro zum Sofortkauf an. Ein paar Minuten nach dem Kauf, meldete sich der Käufer beim Verkäufer und teilte mit, dass er gar nicht auf den Button „Sofort kaufen“ gedrückt habe. Vielmehr sei eine Fehlfunktion seines Handys die Ursache für den Kauf gewesen. Der Verkäufer bestand aber auf dem Kaufvertrag. Er forderte den Käufer mehrmals schriftlich auf, den Rolls Royce zu bezahlen und abzuholen. Der Käufer verweigerte das, weil seiner Meinung nach kein Kaufvertrag zustande gekommen sei.

Der Verkäufer trat aufgrund der Weigerung des Käufers vom Kaufvertrag zurück und verkaufte den Rolls Royce ca. vier Wochen später an einen anderen Käufer. Dabei erzielte er jedoch nur einen Kaufpreis von 17.500,- Euro. Den Differenzbetrag zum ursprünglichen Kaufpreis verlangte der Verkäufer vom ersten Käufer als Schadensersatz und klagte. Das Amtsgericht Aschaffenburg gab dem Verkäufer Recht. Der Käufer ist verpflichtet, dem Verkäufer den Differenzbetrag zu erstatten.

Wirksamer Kaufvertrag zustande gekommen

Die Richter waren der Ansicht, dass zwischen Käufer und Verkäufer ein wirksamer Kaufvertrag zustande gekommen ist. Der Käufer hatte durch das zweimalige Klickens des „Sofort kaufen“ Buttons den Rolls Royce vom Verkäufer gekauft. Unerheblich ist, ob der Käufer das Angebot des Verkäufers auch wirklich annehmen wollte. Der Verkäufer durfte die Willenserklärung des Käufers so verstehen, der Käufer das Angebot über den Sofortkauf annehmen und den Rolls Royce kaufen wollte.

Keine Anfechtung des Vertrages möglich

Für eine Anfechtung seiner Annahmeerklärung konnte der Käufer nicht glaubhaft darlegen, wie sein Handy selbständig zweimal den Kauf bestätigen konnte. Der Käufer hatte behauptet, dass sich sein Handy trotz Drückens der Sperrtaste nicht gesperrt habe. Das reicht für eine Anfechtung des Kaufes nicht aus, so die Richter. Da sich der Käufer weigerte, den gekauften Rolls Royce zu bezahlen und abzuholen, durfte der Verkäufer vom Vertrag zurücktreten.
 
Schadenersatz: Käufer muss den geringeren Kaufpreis beim Weiterverkauf erstatten

Der Käufer muss dem Verkäufer den Differenzbetrag zwischen dem ursprünglichen und dem tatsächlich beim zweiten Verkauf erzielten Kaufpreis erstatten. Ein Mitverschulden des Verkäufers für den geringeren Kaufpreis sahen die Richter nicht. Er inserierte den Rollc Royce nach dem gescheiterten Kaufvertrag weiter für den ursprünglichen Kaufpreis, konnte aber letztlich nur den geringeren Kaufpreis erzielen. Dabei war nach Ansicht des Gerichts zu berücksichtigen, dass es sich bei dem Rolls Royce nicht um ein gängiges Fahrzeug handelt, für das es nur einen begrenzten Interessentenkreis gibt. Der Käufer konnte nicht darlegen, dass ein anderer Käufer bereit gewesen wäre, den ursprünglichen Kaufpreis von 19.999,- Euro zu zahlen.

AG Aschaffenburg, Urteil vom 17.04.2019, Az.: 130 C 60/17