In Sandalen und mit Muskelkraft rollendes Auto stoppen - selbst schuld

29.7.2019

Wer sich in Sandalen und mit reiner Muskelkraft einem bergab rollenden Auto entgegenstellt, um es aufzuhalten, der muss sich ein erhebliches Eigenverschulden anrechnen lassen.

Mann versucht Auto aufzuhalten
Ein bergab rollendes Auto kann man nicht aufhalten - erst recht nicht in Sandalen. (Foto: iStock.com/g-stockstudio)

Eine Autofahrerin wollte ihren Freund besuchen. Vor seiner Haustür stieg sie aus dem Auto aus und unterhielt sich mit ihm darüber, ob der Wagen besser woanders geparkt werden sollte. Als der Freund bemerkte, dass sich der Wagen plötzlich an der abschüssigen Straße in Bewegung setzte und rückwärts wegrollte, rannte er hinterher und stellte sich dem Wagen entgegen.

Mann gegen Auto – da reichen Muskeln nicht

Er versuchte das Auto abzubremsen, indem er sich mit den Händen gegen die Heckscheibe stemmte. Das Auto war aber so schwer und das Gefälle der Straße nahm zu, so dass der Mann auf seinen glatten Sandalen ausrutschte und von dem Fahrzeuggewicht niedergedrückt wurde. Er fiel auf den Rücken, geriet unter das Auto und wurde einige Meter mitgeschleift. Bei diesem Unglück zog er sich schwere Verletzungen zu.

Versicherung will nicht zahlen – „Retter“ selbst schuld

Er forderte von der Versicherung Schadenersatz und Schmerzensgeld. Nach seiner Ansicht sind die Verletzungen durch das Auto verursacht worden. Es stand ohne Handbremse am Berg. Die Versicherung wollte nicht zahlen, ihrer Meinung nach war der „Retter“ selber schuld.

Mitverschulden, da er hätte wissen müssen, dass Muskelkraft nicht reicht

Das OLG Köln entschied, dass der Mann überwiegend selbst schuld an den Verletzungen war. Zwar habe die Freundin die Handbremse nicht angezogen. Der Mann hätte aber erkennen müssen, dass ein Stoppen des Autos an der abschüssigen Straße nicht gelingen kann.

Für ihn sprach, dass er spontan und ohne nachzudenken hinterhergerannt war, um den drohenden Schaden zu verhindern. Das berücksichtigte das Gericht und sprach ihm 30% des Schadens zu, da es verständlich sei, dass sich ein Mensch in einer solchen Situation zu einer objektiv falschen Entscheidung verleiten lässt.

OLG Köln, Urteil vom 5.7.2019, Az.: 6 U 234/18

Text: Juristische Zentrale