Kaffee auf der Hose - Haftung für Schäden am Mietauto

14.5.2019

Hat ein Mietwagen einen Getränkehalter, darf der Mieter ihn während der Fahrt auch nutzen. Nimmt der Fahrer den Getränkebecher versehentlich nur am Deckel, schüttet er sich deshalb heißen Kaffee über den Schoß und verreißt das Lenkrad, muss er für den Schaden am Mietwagen nur in Höhe der vereinbarten Selbstbeteiligung haften.

Warndreieck, im Hintergrund ein Unfall
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Kaffeetrinken während der Fahrt auch im Mietwagen zulässig

Ein Automieter hatte während der Fahrt einen Becher mit heißem Kaffee aus dem Getränkehalter des Mietautos genommen, dabei aber den Becher nur am Deckel angefasst. Als sich heißer Kaffee auf seinen Schoß ergoss, verriss der Fahrer das Lenkrad und es kam zum Schaden am Fahrzeug. Die Mietwagenfirma wollte vom Automieter den Schaden von rund 1300 Euro erstattet haben. Dieser erkannte aber nur die Zahlung von 750 Euro in Höhe der im Mietvertrag vereinbarten Selbstbeteiligung an. Die Mietwagenfirma klagte auf Ersatz des gesamten Schadens.

Die Richter am Amtsgericht Bonn wiesen die Klage ab. Der Automieter haftet für den verursachten Schaden nur bis zur Höhe des vereinbarten Selbstbehalts von 750 Euro, da ihm nach Ansicht der Richter nur leichte Fahrlässigkeit vorzuwerfen ist.

Getränkehalter im Mietwagen darf auch benutzt werden

Wenn der Vermieter Autos mit Getränkehalter vermietet, verletzt der Mieter nicht schon deshalb grob fahrlässig seine Pflichten aus dem Mietvertrag, weil er während der Fahrt den Halter auch für Getränke benutzt. Das Greifen nach einem Getränk ist in der Gefährlichkeit nach Ansicht der Richter nicht mit dem Greifen nach heruntergefallenen Gegenständen im Fußraum vergleichbar. Ein Getränkehalter ist üblicherweise so angebracht, dass der Griff dorthin möglich ist, ohne die Aufmerksamkeit in erheblicher Weise vom Verkehr abzuwenden.

Dass der Automieter versehentlich den Becher nur am Deckel anfasste, stellt zwar eine Außerachtlassung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt dar. Diese Sorgfalt ist jedoch nicht in besonders schwerem Maß verletzt worden. Es handelt sich vielmehr um einen Fehler, der leicht passieren könne, gerade wenn man sich auf den Straßenverkehr konzentriert. Genauso sahen die Richter das Verreißen des Lenkrads, nachdem sich heißer Kaffee auf den Schoß des Fahrers ergossen hatte. Der Automieter musste nur die vereinbarte Selbstbeteiligung ausgleichen.

AG Bonn, Urteil vom 26.1.2018, Az.: 118 C 158/17