Funksignal abgefangen, Sachen aus dem Auto gestohlen – Versicherung muss nicht zahlen

21.5.2019

Die Hausratversicherung muss nicht für die aus einem Auto entwendete Dinge aufkommen, wenn das Auto keine Aufbruchspuren aufweist. Das gilt auch dann, wenn die Diebe das Auto elektronisch geknackt haben.

Funkschlüssel
©iStock.com/courtneyk 

Elektronische Verriegelung möglicherweise manipuliert

Ein Autofahrer forderte von seiner Hausratversicherung 3.000 Euro, weil unbekannte Täter aus seinem geparkten Auto verschiedene Dinge gestohlen hatten. Am Auto waren jedoch keine Aufbruchspuren zu finden. Nach ihren Versicherungsbedingungen muss die Hausratversicherung eine Entschädigung zahlen, wenn der Diebstahl "durch Aufbrechen verschlossener Kraftfahrzeuge" begangen wurde. Das „Aufbrechen“ ist nach der Klausel in den Bedingungen auch durch "die Verwendung falscher Schlüssel oder anderer nicht zum ordnungsgemäßen Öffnen bestimmter Werkzeuge" erfüllt. Mangels Aufbruchspuren verweigerte die Versicherung die Zahlung der Entschädigung. Der Versicherte war damit nicht einverstanden und klagte.

Keine Versicherungsleistung bei fehlenden Aufbruchspuren

Das Amtsgericht Frankfurt am Main wies die Klage ab. Die Richter begründeten ihre Entscheidung damit, dass der Kläger ein "Aufbrechen" nicht beweisen konnte, weil es keine Aufbruchspuren an dem Auto gab. Versichert ist nur der "Einbruchsdiebstahl", der zwangsläufig Aufbruch Spuren hinterlässt. 

Kein Nachweis, dass das Auto wirklich verschlossen war

Die Täter könnten zwar auch mit einem falschen Schlüssel oder mit anderen Werkzeuge vorgegangen seien, ohne Spuren zu hinterlassen.Der Kläger hat aber einen Diebstahl durch "Relay Attack" nicht bewiesen, so die Richter. Beim "Relay Attack" fängt der Täter das Funksignal des Autoschlüssels ab, um dann mit den ausgespähten Schlüsseldaten das verschlossene Auto wieder zu öffnen. Ein solches Vorgehen wäre ein „unbefugtes Öffnen eines verschlossenen Kfz mittels eines nicht zum ordnungsgemäßen Öffnen bestimmten Werkzeugs“ im Sinne der Versicherungsbedingungen. Der Kläger hatte aber keinen Nachweis darüber führen können, dass sein Auto tatsächlich verschlossen war. 

Das sogenannte „Jamming“ dagegen erfüllt die von den Versicherungsbedingungen gesetzten Voraussetzungen nicht. Dabei blockiert ein Sender (der sog. "Jammer") die Funkfernbedienung des Schlüssels, sodass das Auto gar nicht abgeschlossen wird. Das Auto bleibt also offen, so dass es beim "Jamming" an der bedingungsmäßigen Voraussetzung für den Versicherungsschutz fehlt. Der Diebstahl muss danach aus einem verschlossenen Fahrzeug erfolgen.

Hinweis: Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

AG Frankfurt  a.M., Urteil vom 18.2.2019, Az.: 32 C 2803/18 (27) 

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